Heute, am 19. Juni 2026, wird in Berlin-Spandau ein bedeutsames Ereignis gefeiert: der 100. Stolperstein wird verlegt. Dieser besondere Gedenkstein, der in der Jüdenstraße 41 liegt, erinnert an die jüdische Familie Nansen, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurde. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr und wird von Auszubildenden des SOS-Kinderdorfs in Gatow durchgeführt. Angehörige der Familie Nansen und lokale Politiker, darunter Bezirksbürgermeister Frank Bewig und Bezirksstadträtin Tanja Franzke, werden erwartet, um gemeinsam zu gedenken.

Die Jüdenstraße, eine historische Straße mit tiefgründiger jüdischer Geschichte, wurde 1938 von den Nazis umbenannt und erhielt erst 2002 ihren ursprünglichen Namen zurück. In dieser Straße lebten einst viele jüdische Familien; es gab eine jüdische Schule, einen Friedhof und eine Synagoge. Letztere wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von Nazis in Brand gesteckt. Ein Mahnmal erinnert seit 1989 an die Geschichte dieser Synagoge, während das jüdische Kulturschiff „MS Goldberg“ kulturelle Veranstaltungen in Spandau organisiert.

Die Geschichte der Familie Nansen

Georg Nansen, ein Spandauer Geschäftsmann, lebte mit seiner Frau Clara und Tochter Inge in der Jüdenstraße. Clara hatte ein Damenbekleidungsgeschäft eröffnet, und Georg arbeitete bis 1933 als Abteilungsleiter bei Karstadt. Doch dann kam die Arbeitslosigkeit und der Druck der Nationalsozialisten. Während der Novemberpogrome wurde ihr Geschäft überfallen und verwüstet. Um seine Familie zu schützen, ließ sich Nansen 1939 von seiner nicht-jüdischen Frau scheiden, hielt aber heimlich Kontakt zu ihr. Die Denunziation seiner Beziehung führte 1940 zu seiner Erschießung durch die Polizei, als er versuchte zu fliehen.

Es ist kaum zu fassen, wie viel Leid in den Schicksalen dieser Familien steckt. Die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau hat sich intensiv mit der Lebensgeschichte der Familie Nansen beschäftigt und wird diese nach der Verlegung des Stolpersteins vorstellen. Sie sucht zudem historische Gegenstände jüdischer Familien für Ausstellungen, insbesondere Erinnerungsstücke aus dem Besitz der Familie Nansen, wie zum Beispiel Kleiderbügel aus dem Damenbekleidungsgeschäft.

Ein Zeichen der Erinnerung

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das seit 1996 in Berlin umgesetzt wird. Ziel ist es, an die Menschen zu erinnern, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Jeder Stolperstein ist ein Betonquader mit einer Messingplatte, auf der der Name und das Schicksal des Opfers vermerkt sind. Sie werden im Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten eingelassen. Dieses Projekt ist ein lebendiges Zeichen gegen das Vergessen und fordert uns auf, die Geschichte zu bewahren und zu reflektieren.

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In Berlin-Spandau wird mit der Verlegung des 100. Stolpersteins nicht nur an Georg Nansen und seine Familie erinnert, sondern auch an all die anderen, die unter dem Nazi-Regime gelitten haben. Diese Gedenkveranstaltung ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und zeigt, wie bedeutend es ist, die Geschichte lebendig zu halten.

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