Heute, am 17. Mai 2026, ist ein bedeutender Tag für die queere Community in Berlin. Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Tempelhof-Schöneberg wurde eine neue Grab- und Gedenkstätte für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intersexuelle (kurz: LSBTI) Menschen eingeweiht. Die Einweihung fiel auf den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, auch bekannt als IDAHOBIT. Dieser Tag wird seit 2005 gefeiert und erinnert an den historischen Moment, als die WHO 1990 Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel strich.
Die Gedenkstätte, die von der Schwulenberatung Berlin initiiert wurde, soll nicht nur Raum für Trauer und Gedenken bieten, sondern auch queere Lebensgeschichten sichtbar machen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Hass setzen. Zahlreiche Gäste aus der Community, der Politik und der Kultur nahmen an der Zeremonie teil und zeigten damit ihre Unterstützung für diese wichtige Initiative.
Ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung
Ein zentrales Element der Gedenkstätte ist eine beeindruckende, rund zehn Meter lange Mauer aus 27 unterschiedlich farbigen Ziegelsteinen. Diese Ziegel stammen aus verschiedenen Ziegeleien in Brandenburg und Sachsen, wobei die unterschiedlichen Farbtöne durch verschiedene Lehmsorten entstehen. Die Gedenkwand ist mit eingravierten Namen und Lebensdaten von Verstorbenen versehen, was dem Ganzen eine sehr persönliche Note verleiht.
Besonders hervorzuheben ist der sogenannte „Kissing Stone“, der es den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht, einen Lippenstiftabdruck zu hinterlassen. Hier können persönliche Spuren hinterlassen werden, was die Gedenkstätte zu einem lebendigen Ort des Erinnerns macht. Der „Kissing Stone“ fungiert als verbindendes Symbol für die gesamte LSBTI-Community und wird sicherlich viele Emotionen wecken.
Ein Zeichen gegen Anfeindungen
In einem Bezirk, der als Regenbogenkiez bekannt ist und als Zentrum für queeres Leben in Berlin gilt, sind solche Initiativen nicht nur wichtig, sondern auch notwendig. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg beklagt vermehrte Anfeindungen und Angriffe auf die queere Community. Der heutige Tag, an dem auch an Rathäusern in Berlin und Brandenburg Regenbogenflaggen gehisst wurden, bringt eine Botschaft: Die Gesellschaft steht zusammen gegen Diskriminierung und für Vielfalt.
Die Gedenkstätte ist besonders für Menschen gedacht, die ohne Kontakt zu ihren Herkunftsfamilien sind oder anonym bestattet werden würden. Sie bietet Platz für bis zu acht Särge und 100 Urnen und soll ein Ort des Trostes und der Erinnerung sein.
Mit der Einweihung dieser Gedenkstätte wird nicht nur der Mut und die Stärke der queeren Community gewürdigt, sondern auch eine klare Botschaft gesendet: Wir vergessen nicht! Auch wenn es manchmal so scheint, als würde die Gesellschaft rückwärts schreiten, gibt es Orte wie diesen, die uns daran erinnern, dass Vielfalt und Akzeptanz notwendig sind.