Am 27. April 2026 wurde die Synagoge in Cottbus erneut Opfer eines antisemitischen Anschlags. Die Polizei entdeckte ein großes Hakenkreuz, das die Fassade des Gotteshauses verunreinigt. Dies ist bereits der zweite Vorfall innerhalb weniger Tage: Bereits am 24. April 2026 war ein kleiner, volksverhetzender Schriftzug an der gleichen Stelle festgestellt worden. Der Staatsschutz hat in beiden Fällen die Ermittlungen übernommen und prüft zudem Schutzmaßnahmen rund um die Synagoge. Zeugen werden gesucht, und mögliche Videoaufnahmen werden gesichtet, um den Tätern auf die Spur zu kommen. In einem ersten Schritt wurde die Schmiererei mit blickdichter Folie abgedeckt, um weiteren Schaden abzuwenden.

Brandenburgs Innenminister, Michael Redmann, hat der Stadt Unterstützung zugesichert, insbesondere aufgrund von Drohungen aus der rechten Szene. Er vereinbarte einen engen Austausch mit dem Oberbürgermeister von Cottbus, Holger Schick, um die Situation zu bewältigen. Diese Vorfälle in Cottbus sind nicht isoliert: In den letzten Monaten gab es mehrere Angriffe auf Jugendclubs und alternative Wohnprojekte. Darüber hinaus wurde in der Nacht zum Montag im Wohnprojekt „WK51“ eine Rauchbombe gezündet, als ein bengalisches Feuer in den Flur geworfen wurde. Glücklicherweise gab es dabei keine Verletzten, aber alle Bewohner mussten das Gebäude verlassen. Im März 2026 wurden bereits Steine gegen die Türen und Fenster des Wohnprojekts geworfen, das internationale Studierende und kulturell engagierte Menschen beherbergt.

Rechtsextremismus in Cottbus

Die Geschehnisse in Cottbus stehen im Kontext eines besorgniserregenden Anstiegs rechtsextremer Gewalt in Brandenburg. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 290 Vorfälle verzeichnet, ein Höchstwert in der Region. Auch die Anzahl der rechtsextremistischen Straftaten stieg im Jahr 2024 dramatisch an, mit über 37.000 registrierten Fällen, was einem Anstieg von 47,4 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten stieg auf 1.281, während Körperverletzungsdelikte mit fremdenfeindlichem Hintergrund um 4,8 % auf 916 zunahmen. Diese Entwicklungen zeigen, dass rechtsextreme Ideologien in der Gesellschaft weiterhin Fuß fassen und auch in Cottbus ein ernsthaftes Problem darstellen.

Die rechtsextremistische Szene hat sich in den letzten Jahren verfestigt, und das Personenpotenzial gewaltorientierter Rechtsextremisten beträgt mittlerweile rund 15.300 Personen. Dies ist ein Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Es ist besorgniserregend, dass gesellschaftliche Themen wie der Nahostkonflikt genutzt werden, um migrationsfeindliche und antisemitische Positionen zu propagieren. Die steigende Zahl an Demonstrationen und den damit verbundenen Themen wie Asyl und Migration spricht Bände über die gegenwärtige Lage.

Die wiederholten Angriffe auf die Synagoge in Cottbus sind ein alarmierendes Zeichen und erfordern entschlossenes Handeln von Politik und Gesellschaft, um solchen Tendenzen entgegenzuwirken. Der Staatsschutz und die lokalen Behörden stehen vor der Herausforderung, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten und rechtsextremistischen Übergriffen entschieden entgegenzutreten. Die Geschehnisse machen deutlich, dass eine wachsame und solidarische Zivilgesellschaft unerlässlich ist, um den Herausforderungen des Rechtsextremismus in Deutschland zu begegnen.

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Die vollständigen Berichte über die Vorfälle in Cottbus finden Sie unter den Links: Deutschlandfunk und LR-Online.