Am Freitag, den 19. Juni 2026, wird das Spreewaldmuseum in Lübbenau zum Schauplatz einer ganz besonderen Lesung. Ab 19 Uhr wird der Autor Harald Stutte sein Werk „Wir wünschten uns Flügel“ präsentieren. Ein Buch, das tief in die turbulentesten Zeiten der DDR in den 80er Jahren eintaucht. Das Thema? Die Unbeschwertheit der Jugend, die jedoch von strengen staatlichen Vorgaben und der ständigen Überwachung durch den Staat eingeschränkt wurde. Harry, der Protagonist, und seine Freunde erleben, wie ihre Zukunft bereits mit nur 11 Jahren auf eine Armeelaufbahn festgelegt wird. Man kann sich vorstellen, wie das Gefühl der Freiheit, das sie so sehr anstreben, in einem System, das sie kontrollieren will, beinahe unerreichbar scheint.
Die Lesung wird gewiss nicht nur die nostalgischen Erinnerungen der älteren Generation wecken, sondern auch die jüngeren Zuhörer fesseln, die sich für die kulturellen Strömungen jener Zeit interessieren. Harry und seine Freunde fliehen vor der Tristesse der Nachkriegszeit, finden Trost in Punk und New Wave und erleben Abenteuer, die von geklauten Büchern bis hin zu nächtlichen Ausflügen in die Disco Eden reichen. Die Einflüsse der Zeit, wie die Serien „Rauchende Colts“ und „Dallas“ oder Bands wie The Sweet und die Sex Pistols, prägen die Erlebnisse der Jugendlichen und zeigen eindrucksvoll, wie sich Kultur und Politik in der DDR ineinander verwoben. Und natürlich gibt es auch die dunklen Seiten: Ein Fluchtversuch, der tragisch im Stasi-Knast endet, und Harrys anschließende Reise durch Europa, die den Leser auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt.
Eine Reise in die Vergangenheit
Diese Veranstaltung findet im Rahmen der Sonderausstellung „Mutti räumt auf – Das Kinderzimmer in der DDR“ statt. Eine Ausstellung, die die Kindheit und Jugend in der DDR in den Fokus rückt und die Erinnerungen an eine Zeit zurückbringt, die für viele eine Mischung aus Unbeschwertheit und Einschränkung war. Die Ticketanzahl ist begrenzt, sodass sich Interessierte beeilen sollten, um Karten im Vorverkauf an der Museumskasse oder online im Museumsshop zu erwerben. Wenn ihr mehr über das Buch erfahren möchtet, einfach mal hier klicken.
Die Lesung erzählt nicht nur die persönliche Geschichte von Harry, sondern ist auch ein Spiegelbild der Gesellschaft der DDR. In den Jahren 1949 bis 1961 erlebte die Jugend eine Vielzahl von Herausforderungen. Bertolt Brecht hatte 1948 das „Aufbaulied der FDJ“ verfasst, das den Erwartungen der Regierung entsprach. Doch viele Jugendliche fanden ihren eigenen Weg und orientierten sich zunehmend an westlichen Vorbildern. Die Verbreitung von Rock ’n‘ Roll, oft als Bedrohung wahrgenommen, führte zu einem ständigen Konflikt zwischen den Jugendlichen und dem Staat. Die SED versuchte, die Jugend mit ideologischen Kampagnen zu beeinflussen, was in vielen Fällen scheiterte.
Einblick in die Jugendkultur der DDR
Die Kultur der DDR, geprägt von der „Jugend-Not-Kultur“, bot Raum für kreative Ausdrucksformen, aber auch für Repression. In diesem Kontext ist es bemerkenswert, wie Harry und seine Freunde mit den Restriktionen umgingen. Sie schufen sich ihre eigene Welt, in der Musik, Freundschaft und der Drang nach Freiheit die zentralen Themen waren. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Lebensrealitäten von Jugendlichen in der DDR von denen im Westen unterschieden, während sie gleichzeitig in einer globalisierten Jugendkultur miteinander verbunden waren.
Die Lesung von Harald Stutte wird also nicht nur eine literarische Veranstaltung sein, sondern auch eine Reise in eine Zeit, die für viele von uns (und für die, die es werden wollen) von großer Bedeutung ist. Und wer weiß, vielleicht entdeckt der eine oder andere Zuhörer in den Geschichten von Harry und seinen Freunden etwas von sich selbst – eine Erinnerung an die eigene Jugend, die Suche nach Freiheit und das Streben nach Identität in einer Welt voller Widersprüche.
Für weitere Informationen steht Jenny Linke, Marketing & Öffentlichkeitsarbeit, unter der E-Mail-Adresse jenny-linke@osl-online.de oder telefonisch unter +49 3573 870 2403 zur Verfügung.
