Heute ist der 20.05.2026 und in Potsdam, genauer gesagt auf der Halbinsel Hermannswerder, hat sich ein spannendes Kapitel aufgetan. Seit Freitag besetzen zahlreiche Menschen eine alte Fahrradwerkstatt in der Tornowstraße 40. Das Gebäude stand seit 2023 leer und die Besetzer haben es sich mit minimalen Renovierungsarbeiten gemütlich gemacht. Die Fenster sind offen, das Tor steht weit auf – einladend und offen für alle, die vorbei kommen. Ein kleines Gemüse- und Blumenbeet ziert mittlerweile den Außenbereich, während die Innenräume von den neuen Bewohnern lebendig genutzt werden.

Die Besetzerinnen haben klare Vorstellungen. Sie wollen Wohnraum für 10 bis 15 Menschen schaffen und haben bereits eine All-Gender-Toilette sowie eine für FLINTA eingerichtet. Die Duschen sind im Moment noch in der Reparatur, aber die Umstände, die vor ihrem Einzug herrschten, waren alles andere als rosig. Das hat sich nun gebessert. Sicherheit und Barrierefreiheit wurden durch Fachkräfte gewährleistet – ein Architekt und eine Baumpflegerin kümmern sich um die Bausubstanz und die Verkehrssicherheit der Bäume. Möbel und Baumaterialien stammen aus Spenden von Nachbarn und Unterstützern, was zeigt, dass die Nachbarschaft hinter diesem Projekt steht.

Die Reaktion der Stadt

Die Mietpreise in Potsdam sind hoch – im Schnitt 10,80 Euro pro Quadratmeter. Das sorgt für Unmut, vor allem bei jenen, die auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Die ehemalige Stadtverordnete Isabelle Vandre hat die Stadt kritisiert, weil sie mehrere Immobilien zum Verkauf anbietet, während gleichzeitig viele Menschen nach Wohnraum suchen. Potsdam hat eine angespannte Wohnsituation, und die Besetzung ist nicht der erste Versuch dieser Art. Bisher hat die Stadt die Besetzung nicht offiziell geduldet, aber auch keine Räumung angeordnet.

Am Freitagabend hat Oberbürgermeisterin Noosha Aubel mit den Besetzern gesprochen. Es gab sogar ein Nachbarschaftsfest, das die Gemeinschaft weiter stärkte. Die Besetzerinnen sehen ihre Aktion als notwendigen Schritt gegen die Wohnraumkrise und fordern ein Umdenken in der Stadtpolitik. Am 15. Mai 2026 war die Besetzung offiziell geworden, und die Stadt erklärte, diese vorläufig zu dulden – ein Lichtblick für alle, die auf der Suche nach einem Platz zum Wohnen sind.

Ein Ort des Lebens

Besonders bemerkenswert ist, dass die Besetzerinnen nicht nur wohnen, sondern auch aktiv das Gelände beleben. Ein Live-Konzert, Spiele für alle Altersgruppen und eine gemütliche Atmosphäre, in der vegane Hotdogs, Crêpes und Stockbrot angeboten werden, zeigen, dass hier etwas entsteht. Das Haus wird mit Schlafgelegenheiten, Möbeln und einer Küche ausgestattet – ein echter Lebensraum. Und während die Besetzerinnen sich um das Haus kümmern, bleibt das Augenmerk auf der dringend benötigten Lösung der Wohnraumsituation in Potsdam.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Es bleibt spannend, wie die Stadtverwaltung in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen entscheiden wird. Eine Räumung scheint nicht ausgeschlossen, aber die Duldung gibt den Besetzern zumindest einen kleinen Spielraum. Die Stadt Potsdam ist nicht nur der Schauplatz dieser Besetzung, sondern auch das Zentrum eines größeren Problems: der Wohnraumkrise. Die Besetzer*innen machen auf die Missstände aufmerksam und setzen sich aktiv für Veränderungen ein – denn es ist an der Zeit, dass sich etwas bewegt.

Für weitere Informationen und einen detaillierten Überblick über die Geschehnisse in Potsdam, können Sie die vollständige Berichterstattung in der taz nachlesen.