Am Freitag sorgte ein Großeinsatz in der Geschwister-Scholl-Straße in Potsdam für Aufregung. Anwohner fanden beim Aufräumen eines Kellers einen verdächtigen Gegenstand. Was zunächst für große Besorgnis sorgte, stellte sich schließlich als verrostete Übungsmine aus dem Zweiten Weltkrieg heraus. Der Fundort war der Keller eines verstorbenen Mieters, was die ganze Situation irgendwie noch gruseliger machte.
Die Polizei wurde um 8:29 Uhr über den Fund informiert, und sofort wurde der Kampfmittelbeseitigungsdienst alarmiert. Aus Sicherheitsgründen unterbrach man die Gasversorgung des Wohnhauses. Die Anwohner mussten zwar nicht evakuieren, durften aber auch nicht mehr zurück ins Gebäude. Um 15 Uhr war es dann soweit – ein 300-Meter-Sperrkreis wurde eingerichtet. Das führte zu Unterbrechungen im Autoverkehr sowie im Regional- und Nahverkehr. Wer auf dem Weg zur Arbeit war, musste sich wohl auf ein bisschen Chaos einstellen.
Entwarnung und Sicherheitsmaßnahmen
Die Stadt richtete sogar eine Notunterkunft im Hannah-Arendt-Gymnasium ein, um betroffene Anwohner unterzubringen. Warnungen wurden über die Nina-Warnapp und durch Lautsprecherdurchsagen verbreitet. Um 16:45 Uhr kam dann die erlösende Nachricht: Entwarnung! Der Gegenstand war ungefährlich. Man hatte die Mine angebohrt, um ihre Gefährlichkeit zu überprüfen, aber eine Entschärfung oder Explosion fand nicht statt. Der Sperrkreis wurde um 16:50 Uhr aufgehoben, und der öffentliche Nahverkehr konnte wieder normal fahren. Ein bisschen Erleichterung war da sicher bei den Pendlern zu spüren.
Die Geschichte hinter solchen Funden ist oft nicht nur spannend, sondern auch prägnant. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden militärische und staatliche Organisationen zur Kampfmittelbeseitigung aufgelöst. Zunächst übernahmen die alliierten Besatzungsmächte und später ab etwa 1950 die einzelnen Bundesländer diese Aufgabe. Jedes Bundesland in Deutschland hat seinen eigenen Kampfmittelräumdienst. In der DDR gab es sogar einen staatlichen Munitionsbergungsdienst. Diese Organisationen sind wichtig für die öffentliche Sicherheit, denn Kampfmittel sind nicht nur gefährlich, sie sind auch Teil unserer Geschichte.
Kampfmittelbeseitigung als Teil der Geschichte
Die zivile Kampfmittelbeseitigung umfasst mehr als nur das Entschärfen von Blindgängern. Sie ist ein vielschichtiger Prozess, der mit historischen Erkundungen beginnt. Dabei werden Hinweise auf Kampfmittelbelastungen durch Archivalien und Luftbilder gesammelt. Bei der Gefährdungsabschätzung erstellt man ein Räumkonzept, das viele Aspekte berücksichtigt. Anomalien im Erdmagnetfeld oder im Boden werden identifiziert und geborgen. Und sollte es doch einmal notwendig sein, muss ein nicht handhabungsfähiges Kampfmittel entschärft oder vor Ort gesprengt werden. All diese Schritte sind nicht nur wichtig, sie sind auch ein Teil unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.
So bleibt die Frage, wie oft solche Funde noch zu erwarten sind. Die Geschichte ist nicht abgeschlossen, und die Gefahren, die aus der Vergangenheit stammen, sind noch lange nicht ausgemerzt. Die Sicherstellung unserer Sicherheit erfordert ständige Wachsamkeit und ein gut organisiertes Vorgehen. Und vielleicht ist es ganz gut, dass wir uns auch mit der Vergangenheit auseinandersetzen – nicht nur zur Aufklärung, sondern auch zur Prävention.