In der malerischen Umgebung von Findorff feierte man kürzlich ein ganz besonderes Ereignis: die Rückkehr der Torfkähne beim traditionellen Torfhafenfest. Nach einer dreijährigen Abwesenheit war die Torfkahn-Armada wieder zu sehen und sorgte für große Wiedersehensfreude unter den Anwesenden. Organisiert wurde das Fest vom Verein der Findorffer Geschäftsleute, und das Festgelände war bereits Stunden vor der Ankunft der Kähne gut besucht. Die Flotte aus dem Teufelsmoor legte nach einer achtstündigen Fahrt an, und 22 festlich geschmückte Kähne setzten um 8 Uhr am Hafen von Neu-Helgoland die Segel. Die Besatzungen, bestehend aus Moorbäuerinnen in traditionellen Kleidern und Schiffern in blauen Großvaterhemden, trugen zur farbenfrohen Atmosphäre bei.
Besonders hervorzuheben ist die Anwesenheit politischer Prominenz aus der Region. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte war Ehrengast des Festes und stieg auf der letzten Etappe auf die „Jan von Bremen“. Das gesamte Spektakel hat einen historischen Hintergrund, denn seit 2005 wird alle drei Jahre an die Bedeutung des Torfhafens erinnert. Der Torfhafen war ab 1873 die Keimzelle für die Entwicklung Findorffs und diente als wichtigster Energieversorger Bremens, wobei jährlich bis zu 30.000 Torfkähne am Hafenbecken entladen wurden. Der Torf wurde von den Lieferanten selbst aus dem Moor gestochen und oft tagelang zur Stadt transportiert.
Radtour und weitere Veranstaltungen
Das Torfhafenfest ist nicht nur eine Feier des traditionellen Handwerks, sondern auch Teil einer größeren Veranstaltungsreihe. Am Samstag, den 25. April, fand eine Radtour von Worpswede nach Bremen statt, die ebenfalls auf das Hafenfest hinwies. Der Startpunkt der Tour war der Hammehafen in Worpswede, und die Strecke führte entlang der Hamme, Wümme und Kleinen Wümme bis zum historischen Torfhafen in Bremen-Findorff. Diese Veranstaltung, die alle drei Jahre stattfindet, bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, die langsame Fahrt der historischen Torfkähne zu genießen, während sie genügend Zeit für Pausen und Fotomöglichkeiten haben.
Die Bedeutung der Torfkähne und des Teufelsmoors reicht tief in die Geschichte zurück. Um 1720 begann die staatliche Moorkolonisation im Teufelsmoor, und Persönlichkeiten wie Jürgen Christian Findorff trugen maßgeblich zur Entwicklung der Region bei. Torfkähne, eine spezielle Art von Lastkähnen, wurden von Bauern und kleinen Werften gebaut und als Verkehrsnetz genutzt. Diese Schiffe waren nicht nur für den Transport von Torf, einem wichtigen Heizmaterial bis ins 20. Jahrhundert, verantwortlich, sondern auch für den kulturellen Austausch zwischen den Regionen.
Tradition und Zukunft
Die Torfkahn-Armada, die alle drei Jahre Ende April stattfindet, zieht nicht nur die lokale Bevölkerung an, sondern auch Touristen und Kunstinteressierte. Torfkähne und das Teufelsmoor sind beliebte Motive für Künstler in Worpswede. Historische Nachbauten der Torfkähne ermöglichen es Gästen, die Tradition des Torftransports hautnah zu erleben. Schätzungen zufolge gab es zur Blütezeit etwa 1700 Torfkähne und 35.000 Schiffsbewegungen pro Jahr. Doch die Entwicklung der Region brachte auch Veränderungen mit sich: Viele Kanäle wurden in den 1960er und 1970er Jahren zugunsten von Straßen verkleinert oder zugeschüttet.
Die Torfkahn-Armada und der Torfhafen bleiben jedoch ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Region. Die Veranstaltung zieht auch heute noch viele Besucher an und fördert das Bewusstsein für die Geschichte und die Bedeutung des Torfhafens in Findorff. Für weitere Informationen und Details zur Veranstaltung sowie zur Radtour sind die jeweiligen Links zu den Quellen hilfreich: Weser-Kurier und Kulturland Teufelsmoor.