Umbruch im Bürgerverein Findorff: Erich Seifert tritt zurück
In Findorff, einem Stadtteil Bremens, hat sich ein bemerkenswerter Umbruch im Bürgerverein ereignet. Erich Seifert, Mitbegründer der Bremer AfD und aktiver Pegida-Aktivist, hat nicht nur seinen Posten als 1. Vorsitzender niedergelegt, sondern auch seinen Austritt aus dem Bürgerverein erklärt. Der Rücktritt fand nach einer hitzigen Debatte über seine politische Vergangenheit statt und folgt auf die erste Sitzung des neuen Vorstands. Seifert selbst sprach von „Gesinnungsterror“ und einer „Inquisition“ im „links-grünen Sumpfgebiet Findorff“, was die Situation nur noch komplizierter machte. Seifert war weniger als 14 Tage im Amt und hatte zuvor einige Monate als Beisitzer unter der Vorgängerin Birgit Busch (SPD) fungiert. Seine politische Vergangenheit wollte er vor der Wahl nicht transparent machen, was das Vertrauen vieler Mitglieder erschütterte.
Die SPD-Fraktion im Findorffer Beirat hat daraufhin angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein bis zur Klärung der Gesinnung des neuen Vorsitzenden ruhen zu lassen. Die Linke zeigte sich „zutiefst irritiert“ über die Situation, verweist auf eine von Seifert betriebene Website mit „völkischer Optik“. Birgit Busch, die Vorgängerin Seiferts, äußerte sich positiv über den Rücktritt und hofft auf eine bessere Zukunft des Vereins. Der Bürgerverein Findorff, der seit 1902 aktiv ist und sich nach den 1970er-Jahren vor allem auf Seniorenarbeit konzentriert, steht nun vor der Herausforderung, sein ursprüngliches Ziel von Vielfalt, Toleranz und gesellschaftlichem Zusammenhalt wiederherzustellen.
Die Reaktionen im Verein
Der verbleibende Vorstand des Bürgervereins hat inzwischen eine Presseerklärung veröffentlicht, in der die Gründe für die Entscheidung, nicht mehr mit Seifert zusammenzuarbeiten, dargelegt werden. Man fordert ihn auf, sich öffentlich von der AfD und Pegida sowie von extremen, demokratiefeindlichen Ansichten zu distanzieren. Der Verein, der nach seiner Auflösung im Jahr 1938 unter dem nationalsozialistischen Regime eine historische Verpflichtung hat, möchte die Jan-Reiners-Lok als Wahrzeichen erhalten und die Geschichte des Stadtteils bewahren. In der Erklärung wird auch betont, dass der Bürgerverein mehr Menschen zusammenbringen und neue Mitglieder sowie ehrenamtliche Unterstützer suchen möchte.
Ein Tag der offenen Tür ist für den 11. Juli 2026 geplant, an dem die Bürger*innen bei Kaffee und belegten Brötchen die Möglichkeit haben, sich über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und aktiv am Vereinsleben teilzunehmen. Die neuen Vorstandsmitglieder, darunter Lars Ferdinand Krickow (2. Vorsitzender) und Daniel Sokolis (Kassenwart), sind motiviert, den Verein in eine positive Zukunft zu führen. Es bleibt abzuwarten, wie die Mitglieder auf die jüngsten Ereignisse reagieren werden.
Der Kontext der politischen Situation
Die Geschehnisse in Findorff sind Teil einer größeren, besorgniserregenden Entwicklung in Deutschland. Immer mehr AfD-Abgeordnete gehen gegen gemeinnützige Vereine vor, um deren Status abzuerkennen. Diese Angriffe zielen häufig auf Organisationen ab, die sich für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzen. Ein Beispiel ist der Verein „München ist bunt!“, der aufgrund seiner politischen Ansichten ins Visier genommen wurde. Solche Vorfälle erzeugen Unsicherheit unter den Vereinen, die sich für gesellschaftlich relevante Anliegen einsetzen.
Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit kann für diese Organisationen erhebliche finanzielle Folgen haben, einschließlich Steuernachzahlungen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Bürgervereine wie der in Findorff bestehen bleiben und sich für ihre Werte einsetzen. Die Ampelkoalition hat zwar eine Überarbeitung des Gemeinnützigkeitsrechts angekündigt, doch konkrete Fortschritte stehen noch aus. Die Herausforderungen sind groß, aber die Hoffnung auf eine positive Wende im Vereinsleben bleibt bestehen.
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