In Fulda, einer Stadt mit einer langen Geschichte und einigen kontroversen Kapiteln, wird derzeit über die mögliche Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee diskutiert. Diese Allee, die 2000 zu Ehren des ehemaligen Bischofs Johannes Dyba benannt wurde, könnte bald wieder ihren ursprünglichen Namen, Kastanienallee, annehmen. Der Anlass für diese Debatte ist alles andere als erfreulich. Vorwürfe, die Dyba eine Mitverantwortung für sexuellen Missbrauch im Bistum anlasten, sorgen für eine hitzige Diskussion unter Politikern und Bürgern. Letzte Woche fand dazu ein vertrauliches Treffen im Bischofshaus am Fuldaer Michaelsberg statt, an dem unter anderem Bischof Dr. Michael Gerber und der ehemalige Oberbürgermeister Gerhard Möller teilnahmen. Die Ergebnisse dieser Sitzung werden in einer zukünftigen öffentlichen Veranstaltung präsentiert.
Die Debatte um die Namensänderung hat sich seit fast einem Jahr hingezogen, nicht zuletzt aufgrund der Erkrankung von Bischof Gerber und der Kommunalwahl im März, die die Bildung neuer Ausschüsse erforderte. Ein Antrag zur Umbenennung wurde von der Fraktionsgemeinschaft von SPD und Volt eingebracht. Jonathan Wulff, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, argumentiert, dass Dyba nicht als Namenspatron geeignet sei. Ein unabhängiger Untersuchungsbericht hat über 230 Fälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Fulda seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs dokumentiert. Das wirft natürlich einen Schatten auf Dybas Erbe.
Die Hintergründe der Diskussion
Die Johannes-Dyba-Allee führt direkt am Fuldaer Dom vorbei und hat, ironischerweise, keine Anwohner, nur einige Kastanienbäume, die dort stehen. Das Bistum Fulda hat sich bislang nicht zur Frage der Umbenennung geäußert. Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld, der die größte Fraktion im Stadtparlament, die CDU, anführt, hat sich bisher ebenfalls nicht öffentlich geäußert. Es bleibt also spannend, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Die Stadtverordnetenversammlung hat die Anträge bisher in die Haupt- und Finanzausschüsse verwiesen, eine Entscheidung steht noch aus.
Die Diskussion um Dybas Namensgebung ist nicht die erste ihrer Art in Deutschland. So fand 2022 eine ähnliche Umbenennung statt, als die Dr.-Danzebrink-Straße aufgrund ihrer NS-Vergangenheit umbenannt wurde. Auch die Grünen unterstützen die kritischen Stimmen bezüglich Dyba, dessen Aussagen in der Vergangenheit polarisiert haben. Der neue Bericht des Bistums über Missbrauch und Vertuschung, der die Jahre 1945 bis 2024 behandelt, hat die Debatte zusätzlich angeheizt. Interessanterweise haben sich bereits Stimmen aus der Stadtverordnetenversammlung geäußert, die auch über andere Bischöfe, wie Adolf Bolte und Eduard Schick, diskutieren möchten, nach denen Straßen benannt sind.
Ein Blick in die Zukunft
Die Frage bleibt, wie eine Erinnerungskultur hinsichtlich sexuellen Missbrauchs in Zukunft gestaltet werden kann. Es wird betont, dass die Stadt in Dialog mit dem Bistum treten möchte, um die im Bericht geschilderten Fälle zu bewerten und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Ein Zeitplan für mögliche Umbenennungen scheint jedoch noch in den Sternen zu stehen. Es ist bemerkenswert, dass die Diskussion in Fulda Teil eines größeren gesellschaftlichen Wandels ist, der auch in anderen Städten wie Trier zu beobachten ist, wo der Bischof-Stein-Platz in Platz der Menschenwürde umbenannt wurde.
Die Geschehnisse rund um die Johannes-Dyba-Allee zeigen, dass das Thema sexueller Missbrauch und der Umgang mit dessen Folgen in der Gesellschaft angekommen ist. Es ist ein Schritt, der vielleicht notwendig ist, um nicht nur mit der Vergangenheit abzuschließen, sondern auch um eine klare Haltung für die Zukunft einzunehmen. Und so bleibt die Frage: Wie wird Fulda mit diesem Kapitel seiner Geschichte umgehen?
