In Fulda, einer Stadt mit tiefen Wurzeln in der katholischen Tradition, wird derzeit die Diskussion über die Johannes-Dyba-Allee heiß geführt. Am Mittwochabend fand ein Treffen des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung statt. Bischof Dr. Michael Gerber, der Gastgeber des Treffens in seiner Residenz am Michaelsberg, wollte die brisante Thematik rund um den Namen der Allee beleuchten. Diese Diskussion ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern hat einen ernsten Hintergrund: Der Abschlussbericht einer unabhängigen Aufarbeitungskommission zum Umgang des Bistums Fulda mit sexualisiertem Missbrauch, veröffentlicht im Juni 2025, stellt die Rolle von Johannes Dyba, der das Bistum von 1983 bis 2000 leitete, in einem sehr kritischen Licht dar.

Bischof Gerber äußerte klare Kritik an Dyba, dem nachgesagt wird, heikle Personalangelegenheiten an Weihbischof Johannes Kapp delegiert zu haben, während er gleichzeitig über die Gefahren durch pädophile Priester informiert war. Diese Vorwürfe werfen einen Schatten auf die Erbe des ehemaligen Bischofs, weshalb die Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee, die bis 2000 Kastanienallee hieß, ein heiß diskutiertes Thema geworden ist. Auf der Tagesordnung stehen auch weitere Straßennamen wie die Adolf-Bolte-Straße und der Eduard-Schick-Platz, die nach früheren Fuldaer Bischöfen benannt sind. Der Antrag zur Rückbenennung wurde von der ehemaligen SPD/Volt-Fraktion eingebracht, und Ute Riebold von Die PARTEI fordert eine umfassende Überprüfung aller genannten Straßennamen. Beide Anträge wurden in einer nichtöffentlichen Sitzung beraten, was die Vertraulichkeit der Gespräche unterstreicht.

Ein Thema von großer Brisanz

Die Diskussion um die Johannes-Dyba-Allee zieht sich bereits seit fast einem Jahr hin, nicht zuletzt aufgrund der Krebserkrankung von Bischof Gerber und den Verzögerungen, die durch die Kommunalwahl im März verursacht wurden. Der neue Ausschuss ist erst seit wenigen Tagen arbeitsfähig. Interessanterweise hat die SPD einen weiteren Antrag eingebracht, um Gespräche „alsbald“ umzusetzen. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Jonathan Wulff, hat sich klar positioniert und betont, dass Dyba nicht als Namenspatron geeignet sei. Diese Auffassung wird auch von den Grünen unterstützt, die eine kritische Sicht auf Dybas Vermächtnis haben, das durch seine polarisierten Aussagen ebenfalls in Frage gestellt wird.

Die Johannes-Dyba-Allee führt am Dom vorbei und hat keine Anwohner, sondern lediglich einige Kastanienbäume, die im Sommer Schatten spenden. Die Stadtverordnetenversammlung hat allerdings noch keine Entscheidung über die mögliche Umbenennung getroffen, da die Anträge zunächst in den Haupt- und Finanzausschuss verwiesen wurden. Die CDU, die größte Fraktion im Stadtparlament, hält 25 von 59 Sitzen, was den Verhandlungen zusätzliche Komplexität verleiht. Der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld hat sich bisher nicht politisch geäußert, und das Bistum Fulda bleibt ebenfalls still zu dieser heiklen Frage.

Ein Schatten der Vergangenheit

Ein Untersuchungsbericht, der mehr als 230 Fälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Fulda seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs dokumentiert, wirft ein düsteres Licht auf die Vergangenheit des Bistums. Die Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt hat sich zum Ziel gesetzt, die Missbrauch begünstigenden Strukturen zu benennen und die Fehler im Umgang mit Betroffenen zu offenbaren. Bischof Michael Gerber, der das Bistum seit 2019 leitet, hat sich bereits für die Fehler im Umgang mit dem Missbrauch entschuldigt und plant, sich nach eingehender Lektüre des Berichts vor der Sommerpause dazu zu äußern. Ein Zwischenbericht weist bis Ende 2023 57 Beschuldigte aus, darunter sowohl festgestellte Täter als auch mutmaßliche Täter.

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Die Kommission besteht aus Juristen, Sozialpädagogen sowie Betroffenen, die aus dem Betroffenenrat der Bistümer Fulda und Limburg stammen. Gerhard Möller, der frühere Fuldaer CDU-Oberbürgermeister, fungiert als Sprecher der Kommission. Ähnliche Kommissionen existieren in allen katholischen Bistümern in Deutschland, was auf die weitreichenden Bemühungen hinweist, die Missbrauchsskandale aufzuarbeiten. Das Bistum Fulda, gegründet 1752 und über 10.318 Quadratkilometer groß, hat rund 317.400 Katholikinnen und Katholiken, ist jedoch ein Diasporabistum mit regionalen Unterschieden in der katholischen Bevölkerung. Die Ära von Johannes Dyba, die von 1983 bis 2000 währte, wird nun durch die aktuellen Diskussionen und Berichte in einem neuen Licht betrachtet.

Die Zeit wird zeigen, wie Fulda mit seinem Erbe umgeht und ob die Johannes-Dyba-Allee weiterhin ihren Namen tragen wird. Die Stadtverordnetenversammlung hat die letzte Entscheidung in dieser sensiblen Angelegenheit zu treffen, die nicht nur die Stadt, sondern auch die katholische Gemeinschaft tief berührt.