In der Nacht zum Montag kam es zu einer erschreckenden Schießerei am Lindenplatz in Gießen. Zwei Männer, 20 und 24 Jahre alt, wurden dabei schwer verletzt – der 24-Jährige erlitt einen Kopfschuss, während der 20-Jährige eine Schusswunde am Bein davontrug. Glücklicherweise sind beide nicht mehr in akuter Lebensgefahr, aber der Vorfall wirft ein grelles Licht auf die steigende Gewaltkriminalität in der Region. Die Polizei reagierte prompt und nahm fünf Männer in Bad Wildungen fest, vier von ihnen befinden sich nun in Untersuchungshaft. Bei den Festnahmen wurden unter anderem Waffen und ein Kilo Cannabis sichergestellt. Diese Ereignisse sind nicht isoliert, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends: Im Jahr 2024 gab es in Hessen einen Rekord von 669 Straftaten mit Schusswaffen, 42 davon allein im Landkreis Gießen.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen die Beschuldigten, die zwischen 21 und 26 Jahre alt sind und alle bereits Vorstrafen haben. Ihnen wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Vorfall selbst soll aus einem Streit zwischen den Beschuldigten und dem 24-Jährigen, der in einem Kiosk arbeitet, entstanden sein. Als der 20-Jährige mit Pfefferspray eingriff, fiel der erste Schuss. Dies stellt bereits die vierte Schusswaffentat in Gießen innerhalb von nur sieben Monaten dar – ein ziemlich alarmierendes Zeichen.
Häufung von Schusswaffenangriffen
Wie die Polizei mitteilt, gab es seit Oktober letzten Jahres vier Schusswaffenangriffe im öffentlichen Raum in Gießen. Der jüngste Vorfall am Lindenplatz ist nur der letzte in einer Reihe von beunruhigenden Ereignissen. Im April wurden Schüsse auf ein Café in der Innenstadt abgefeuert, im Februar auf ein Lokal im Stadtteil Wieseck und im Oktober erlitten drei Personen bei einem Vorfall in einem Wettbüro am Marktplatz Verletzungen. Polizeipräsident Torsten Krückemeier bezeichnet die Häufung dieser Taten als statistisch ungewöhnlich und hat daher die Präsenz der Polizei in Gießen erhöht. Ab dem Wochenende werden bis zu 80 zusätzliche Kräfte im Einsatz sein, um der Situation Herr zu werden.
Obwohl die Polizei keine erhöhte Gefahr für die Allgemeinheit sieht, sind die Taten gezielt, mit Verbindungen zwischen Tätern und Opfern. Bei dem jüngsten Vorfall wurde sogar ein Unbeteiligter verletzt, der eingreifen wollte. Es ist unklar, ob es Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Vorfällen gibt, doch Hinweise auf Milieukriminalität und Drogen wurden bei Durchsuchungen entdeckt, was den Verdacht nährt, dass diese Vorfälle möglicherweise im Zusammenhang mit dem Drogen-Milieu stehen.
Ein besorgniserregender Trend
Der Anstieg der registrierten Schusswaffengebräuche in Hessen ist alarmierend. Vor fünf Jahren gab es noch 252 Fälle, während die Zahl bis 2025 auf 419 angestiegen ist. In Gießen stieg die Zahl der Vorfälle von vier im Jahr 2021 auf zehn. Das Landeskriminalamt hat für 2024 die höchste Zahl an Straftaten mit Schusswaffen seit zehn Jahren erfasst – 669 Fälle und neun Tote in Hessen. In den letzten zehn Jahren wurden insgesamt 5.045 Fälle dokumentiert, darunter 69 Todesfälle.
Die Gründe für diesen Anstieg sind vielschichtig, aber Experten führen ihn teilweise auf die leichtere Verfügbarkeit illegaler und umgebauter Waffen zurück. Die Statistik differenziert nicht zwischen legalen und illegalen Waffen, was die Situation noch komplizierter macht. Besonders besorgniserregend ist der zunehmende Waffenbesitz in der Bevölkerung. In Städten wie Frankfurt am Main und Kassel sind die Zahlen besonders hoch, mit 929 bzw. 611 registrierten Straftaten. Auch in Gießen nimmt die Gewalt zu, und die Stadt hat bereits die Videoüberwachung in der Innenstadt ausgeweitet, um mögliche Täter zu identifizieren.
Die Lage in Gießen ist also angespannt. Die Polizei appelliert an die Bürger, sich in Konfliktsituationen nicht selbst in Gefahr zu bringen, sondern den Notruf zu wählen. In einer Stadt, die eigentlich für ihre Gemütlichkeit bekannt ist, wird es immer schwieriger, eine ruhige Nacht zu genießen, ohne an die Schattenseite der Realität zu denken – und das ist einfach nur traurig.