Heusenstammer Modell: Erfolgreicher Verkehrsversuch für Fußgänger und Radfahrer
In Heusenstamm, einer kleinen Stadt in Hessen, tut sich gerade einiges im Bereich Verkehr. Seit drei Jahren führt die Stadt einen Verkehrsversuch durch, der den Fuß- und Radverkehr in den Mittelpunkt rückt. Bürgermeister Steffen Ball von der CDU und die Hochschule Darmstadt haben das sogenannte „Heusenstammer Modell“ ins Leben gerufen. Es ist ein Ansatz, der in vielen anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Das Ziel? Eine gerechtere Verteilung des Verkehrsraums zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos.
Was genau passiert da? Nun, die Stadt hat auf der Industriestraße Schutzstreifen für Radfahrende auf die Fahrbahn gemalt und gleichzeitig den Gehweg ausschließlich für Fußgänger reserviert. Autofahrer müssen im Begegnungsverkehr auf die Fahrradstreifen ausweichen und hinter Radfahrern warten, wenn das Überholen nicht möglich ist. Und die Ergebnisse sind wirklich beeindruckend: Der Anteil der Radfahrer, die zuvor den Bürgersteig nutzten, ist von 88% im März 2023 auf nur noch 19% im Juni 2025 gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der Radfahrenden um 20%, während die Zahl der Autos um 11% sank. Das zeigt doch, dass das Konzept greift!
Ein erfolgreicher Verkehrsversuch
Der Verkehrsversuch in der Industriestraße wurde inzwischen erfolgreich abgeschlossen, und die Stadt hat beschlossen, ihn um zwei Jahre zu verlängern. Dies geschah im Dezember 2024, als die Stadtverordneten den Beschluss fassten, weitere Daten zu sammeln, um langfristige Auswirkungen auf Verkehrsfluss und -sicherheit zu erfassen. Besonders bemerkenswert ist, dass es während des gesamten Versuchszeitraums seit 2023 keinen einzigen Unfall mit Personenschaden gab. Das spricht für die Sicherheit, die durch diese Maßnahmen geschaffen wurde.
Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass die Radnutzung auf der Fahrbahn von 10% auf sagenhafte 85% gestiegen ist. Das ist eine massive Veränderung, die auch die Sicherheit der Fußgänger verbessert hat. Vor dem Versuch fühlten sich viele Fußgänger durch Radfahrende auf den Gehwegen bedroht. Autofahrer wiederum haben ihr Verhalten geändert und überholen Radfahrer seltener, was den Sicherheitsabstand erhöht. Im September 2024 wurden im Durchschnitt 305 Radfahrende pro Tag gezählt, an verkehrsreicheren Tagen sogar bis zu 370. So könnte Heusenstamm bald als Vorbild für andere Kommunen in Deutschland gelten.
Herausforderungen und Perspektiven
Natürlich gab es auch Herausforderungen. Zu Beginn stieß der Verkehrsversuch auf Kritik, insbesondere wegen der veränderten Parksituation. Das führte zu öffentlicher Beteiligung und Informationsveranstaltungen, um die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess einzubeziehen. Es muss auch erwähnt werden, dass die deutsche Straßenverkehrsordnung eine rechtliche Hürde darstellt, da sie eine Mindestbreite von 4,50 Metern für Fahrbahnen zwischen Fahrrad-Schutzstreifen vorschreibt. Um diesem Problem zu begegnen, haben die Hochschule Darmstadt und die Stadt Heusenstamm einen Antrag zur Anpassung der Straßenverkehrsordnung an den Bund gestellt.
Der Bundesrat stoppte zwar das Vorhaben, das Bundeskabinett stimmte jedoch zu, den Versuch zu verlängern. Das hessische Verkehrsministerium unterstützt die Initiative und ist bereit, pauschale Ausnahmegenehmigungen für interessierte Gemeinden zu erteilen. Bisher haben sich allerdings nur zwei Kommunen für diese Genehmigungen gemeldet. Der Verkehrsversuch in Heusenstamm zeigt, dass eine kostengünstige Umsetzung möglich ist, da keine baulichen Maßnahmen nötig sind – lediglich das Aufmalen der Schutzstreifen reicht bereits aus.
Insgesamt könnte das Heusenstammer Modell einen mutigen Schritt in Richtung zeitgerechter Verkehrsplanung darstellen. Mit den Erkenntnissen, die aus diesem Versuch gewonnen werden, sollen Vorschläge zur Änderung der StVO und der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung erarbeitet werden. Professor Jürgen Follmann und sein Team von der Hochschule Darmstadt begleiten diesen Prozess wissenschaftlich. Vielleicht wird Heusenstamm bald zum Synonym für innovative und sichere Verkehrsplanung in Deutschland!
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