In Nordrhein-Westfalen ist die Altersarmut unter ehemaligen Gastarbeitern ein drängendes und leider oft übersehenes Problem. Viele dieser Menschen, die in den 1960er und 1970er Jahren aus Ländern wie der Türkei, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, Marokko und Tunesien nach Deutschland kamen, stehen heute vor einem Berg von Herausforderungen. Trotz der Tatsache, dass ihnen oft Grundsicherung zusteht, beantragen nur rund 40 Prozent dieser Betroffenen diese Unterstützung. Der Grund? Eine Mischung aus Unwissenheit, Scham und der Angst um den eigenen Aufenthaltsstatus. Diese Barrieren sind oft kaum sichtbar und hindern viele daran, die benötigte Hilfe zu suchen. Ein weiterer Aspekt ist, dass viele dieser ehemaligen Gastarbeiter körperlich anstrengende und schlecht bezahlte Berufe ausgeübt haben, was zu niedrigen Renten führt, die im Schnitt etwa 280 Euro unter dem Niveau deutscher Rentner liegen. Besonders Frauen sind hier benachteiligt, mit einem Rentenunterschied von über einem Drittel.

Die Altersarmut betrifft mittlerweile über 360.000 Rentner aus ehemaligen Anwerbestaaten in Deutschland, und erschreckenderweise sind mehr als ein Drittel von ihnen armutsgefährdet. Ein alarmierendes Bild, das auch die strukturellen Ursachen der Altersarmut nicht ausblendet. Das deutsche Rentensystem belohnt lückenlose Erwerbsbiografien, was viele dieser Menschen klar benachteiligt. Zudem sind die aktuellen Beratungsangebote oft nicht mehrsprachig und nicht flächendeckend verfügbar, was den Zugang zu Sozialleistungen noch weiter erschwert. Es ist, als ob die Generation der Gastarbeiter, die maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands mitgewirkt hat, nun von der Gesellschaft vergessen wird.

Hintergründe der Anwerbung

Die Anwerbung von Gastarbeitern begann gezielt ab 1955 und war bis zu einem Stopp im Jahr 1973 ein fester Bestandteil der deutschen Wirtschaftspolitik. Dies geschah, ohne dass es ein echtes Integrationsangebot gab, wie der Sozialforscher Eric Seils feststellt. Viele der angeworbenen Arbeitskräfte, die in der Zeit zwischen 1955 und 1973 nach Deutschland kamen, waren nicht nur Männer. Rund 30% waren Frauen, die oft in niedrig bezahlten Jobs arbeiteten. Diese Frauen treffen die sozialen und finanziellen Probleme noch härter, da sie im Durchschnitt etwa 238 Euro weniger Rente erhalten als ihre deutschen Kolleginnen. Ein Umstand, der nicht nur die wirtschaftliche Situation, sondern auch die Lebensqualität dieser Menschen stark beeinflusst.

Die Rückkehrförderungen, die 1984 eingeführt wurden, sollten ursprünglich ausländische Arbeiter zur Rückkehr in ihre Heimatländer motivieren. Viele ehemaliger Gastarbeiter pendeln tatsächlich zwischen Deutschland und ihren Herkunftsländern, was die Frage aufwirft, wie sehr sie in die deutsche Gesellschaft integriert sind – oder ob sie sich möglicherweise nie vollständig integriert haben. Sprachbarrieren und der Mangel an Integrationsangeboten haben dazu beigetragen, dass viele Migranten Schwierigkeiten hatten, ihre Rechte und Möglichkeiten zu erkennen.

Die Notwendigkeit von Unterstützung

Eine echte Herausforderung stellt auch die Pflege dar, denn viele ältere Migranten sind in Alters- und Pflegeheimen unterrepräsentiert. Kulturelle Unterschiede und die Anpassung der Einrichtungen an die Bedürfnisse dieser Menschen sind oft nicht gegeben. Das Bedürfnis nach kultursensibler Pflege wird immer dringlicher, vor allem bei den wachsenden Zahlen von Migranten, die pflegebedürftig werden. Die erste Nationale Demenzstrategie Deutschlands, veröffentlicht im Juli 2020, stieß auf großes Interesse, da sie bis Ende 2024 kultursensible Unterstützungsangebote verspricht. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der viele Fragen offenlässt.

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Es ist klar, dass ein System fehlen, das diese Menschen systematisch und vertrauenswürdig erreicht. Die Beratungsangebote sind oft projektfinanziert und somit nicht dauerhaft gesichert. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was diese Generation an sozialen Leistungen und Unterstützung benötigt, und dem, was tatsächlich bereitgestellt wird. In einem Land, das so sehr von der Arbeit dieser Menschen profitiert hat, ist es an der Zeit, dass wir die Altersarmut unter den ehemaligen Gastarbeitern ernst nehmen und Maßnahmen ergreifen, um ihre Situation zu verbessern.

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