In Wetzlar, einer Stadt, die mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten viel zu bieten hat, fand kürzlich ein bemerkenswerter Vortrag des Kulturamts statt. Im Mittelpunkt stand das nahezu unbekannte Familienarchiv der Familie Hensold. Über 350 Briefe, die zwischen 1998 und 2001 geschrieben wurden, wurden für die Öffentlichkeit transkribiert. Bei dieser Gelegenheit wurden nicht nur die Briefe selbst, sondern auch die Geschichten, die sie erzählen, lebendig. Der Hauptfokus lag auf Amalie Hensoldt, die viele Jahre fernab ihrer Heimat lebte, aber dennoch enge briefliche Kontakte zu ihrer Familie pflegte. Besonders faszinierend waren die regelmäßigen Briefe von Moritz Hensoldt, die detaillierte Einblicke in das alltägliche Leben, das Stadtgeschehen und den Aufbau von Firmen gaben.

Christine Hensoldt steuerte ebenfalls ergänzende Briefe bei, die mit ihren Geschichten und dem Wetzlarer Zeitkolorit aufwarteten. Es war fast so, als würde man durch die Zeit reisen und die Stadt Wetzlar durch die Augen der Familie Hensoldt erleben. Der Vortrag wurde zusätzlich von Christian Kremp, dem Geschäftsführer der Präzisionszahnräder Christian Kremp GmbH + Co. KG, und Professor Timo Mappes, dem Leiter des Deutschen Optischen Museums in Jena, bereichert. Diese Kombination aus persönlicher Geschichte und fachlichem Input machte die Veranstaltung besonders lebendig und eindrucksvoll. (Mehr dazu findet sich in einem Artikel auf mittelhessen.de.)

Ein Blick in die Geschichte

Doch Wetzlar hat noch viel mehr zu bieten als nur die Hensoldts. Das Stadtarchiv, eines der größten in Hessen, birgt Schätze, die bis ins Jahr 1242 zurückreichen. Mit etwa 4460 Urkunden und umfangreichen Beständen, darunter 183 Akten des Reichskammergerichts, ist das Archiv ein wahres Eldorado für Geschichtsinteressierte. Die Aufbewahrung von Akten und Amtsbüchern ab dem 15. Jahrhundert macht es zu einem wichtigen Ort für die Erforschung der Stadtgeschichte und ihrer Entwicklung.

Interessanterweise enthält das Archiv auch einen Rest der Reichskammergerichtsbibliothek sowie Nachlässe, rund 5000 Karten und Pläne und mehr als 50.000 Bildträger. Für die Medienliebhaber unter uns reicht der Zeitungsbestand bis ins Jahr 1767 zurück. Das Stadtarchiv hat zudem die historischen Unterlagen der Königsberger Diakonie übernommen, die Anfang 2025 zur Einsichtnahme bereitgestellt werden. So wird die Geschichte der Stadt Wetzlar und ihrer Bewohner auf vielen Ebenen lebendig gehalten.

Digitale Zugänge zur Geschichte

Um die Zugänglichkeit dieser wertvollen Informationen zu verbessern, wurde das Archivportal-D ins Leben gerufen. Dieses Sub-Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek ermöglicht eine umfassende und kostenfreie Recherche in deutschen Archiven. Vor dieser Initiative war die Suche nach Archivalien oft mühsam und erforderte, dass Wissenschaftler und Familienforscher oft reisen mussten, um Quellen vor Ort einzusehen. Heute können sie bequem von zu Hause aus auf über 25 Millionen Datensätze zugreifen.

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Das Portal bietet nicht nur Informationen über die Archive selbst, sondern auch über die Bestände, Findbücher und digitalisiertes Archivgut. Die Benutzeroberfläche ermöglicht eine fachgerechte Darstellung und spezielle Suchmöglichkeiten – eine wahre Erleichterung für alle, die sich für die Geschichte, insbesondere die eigene Familiengeschichte, interessieren. Themenportale sortieren das Archivgut nach bestimmten Themen, sodass jeder fündig werden kann. Für Geschichtsinteressierte und Forscher ist das ein unglaubliches Geschenk.