Heute ist der 3.06.2026 und im Wetteraukreis wird ein spannendes Thema heiß diskutiert: Der sogenannte Bau-Turbo. Was hat es damit auf sich? Die Idee dahinter ist, die Bauverfahren in Deutschland zu beschleunigen und die Bürokratie abzubauen. Klingt einfach, oder? Das Ziel ist es, neuen Wohnraum schneller und kostengünstiger zu schaffen. In einer Dialogveranstaltung informierten sich die Bauämter im Wetteraukreis über die anstehenden Änderungen im Baurecht. Dabei betonte die erste Kreisbeigeordnete und Baudezernentin Birgit Weckler die immense gesellschaftliche Relevanz des Themas Wohnraum. Denn Prognosen des Hessischen Statistischen Landesamtes zeigen: Der Wetteraukreis wird bis 2050 um 18,5% wachsen im Vergleich zu 2021. Das bedeutet, dass wir mehr Flexibilität und Instrumente benötigen, um den Wohnraumbedarf zu decken.

Ein zentraler Punkt des Bau-Turbos ist die schnellere Planung und Genehmigung von Wohnungen. Seit März ist im Wetteraukreis der digitale Bauantrag verfügbar und erfreut sich großer Beliebtheit. Das ist natürlich eine Erleichterung für viele Bauherren! Zudem berichtet der Deutsche Mieterbund von einem aktuellen Mangel von 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland. Die Neubauzahlen sind auf einem erschreckend niedrigen Stand – seit über zehn Jahren gab es nicht so wenig. 2025 wurden lediglich 206.000 Wohnungen fertiggestellt. Um dieser Misere entgegenzuwirken, hat der Bundesrat Ende letzten Jahres den Bau-Turbo beschlossen. Dieser gibt den Verwaltungen mehr Spielraum bei Baugenehmigungen und beinhaltet auch Erleichterungen in der Hessischen Bauordnung, unter anderem beim nachträglichen Ausbau von Dachgeschossen und der Genehmigungsfreiheit bei Abrissvorhaben. Ein echter Fortschritt!

Der Bau-Turbo im Detail

Der Bau-Turbo, eingeführt von Bundesbauministerin Verena Hubertz, ist mehr als nur ein Schlagwort. Er wurde als neuer Paragraph 246e im Baugesetzbuch eingeführt und trat am 30. Oktober 2025 in Kraft. Diese Sonderregelung erlaubt es Gemeinden, auf die Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplans zu verzichten, was sowohl Zeit als auch Geld spart. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Städte und Gemeinden müssen selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie den Bau-Turbo nutzen möchten. Bei Anwendung dieses Programms können zusätzliche Wohnungen nach einer dreimonatigen Prüfung durch die Gemeinde zugelassen werden. Das klingt nach einer echten Chance für viele, die dringend neuen Wohnraum suchen.

Interessanterweise ist der Bau-Turbo als Experimentierklausel bis Ende 2030 angelegt und wird in einem Umsetzungslabor getestet. Das Bundesbauministerium plant zudem, bis Ende 2029 die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zu evaluieren. Flankierende Änderungen im Baugesetzbuch erleichtern es, Wohngebäude zu erweitern, aufzustocken und Gewerbeflächen in Wohnraum umzuwidmen. Dabei müssen Abweichungen von bestehenden Bebauungsplänen jedoch sorgfältig abgewogen werden, um erhebliche Umweltauswirkungen zu vermeiden und nachbarschaftliche Interessen zu berücksichtigen. Das klingt nach einem komplexen, aber notwendigen Prozess.

Der Wohnraummangel in Deutschland

Der Wohnraummangel ist in Deutschland ein drängendes Problem. Eine Studie des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ hat ergeben, dass bundesweit gut 550.000 Wohnungen fehlen. Dies ist besonders alarmierend, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren auch die Zuwanderungszahlen hoch waren. Gleichzeitig stehen viele Wohnungen leer – ein Widerspruch, der schwer zu begreifen ist. 52% der Menschen in Deutschland leben 2023 zur Miete. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur etwa 33%, in Spanien 25% und in Rumänien sogar nur 4%. Es ist also kein Wunder, dass die Mietpreise in den Großstädten stark ansteigen.

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Die durchschnittlichen Wiedervermietungsmieten stiegen zwischen 2010 und 2022 um fast 70%. In Köln liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete 2023 bei 13,44 Euro, in München sogar bei 20,59 Euro. Das sind Preise, die viele nicht mehr stemmen können. Laut Zensus 2022 standen im Mai 2022 1,9 Millionen Wohnungen leer, was einer Leerstandsquote von 4,3% entspricht. Merkwürdigerweise ist der Leerstand ungleich verteilt: In Großstädten ist er niedriger als in ländlichen Gebieten. In Städten wie Hamburg und Berlin steht jede dritte leerstehende Wohnung länger als 12 Monate leer – in Thüringen sind es sogar rund zwei Drittel! Das lässt einen doch nachdenklich zurück.

Die Bundesregierung plant, jährlich 400.000 Neubauten zu schaffen, tatsächlich waren es 2023 aber nur 294.400. Aktuelle Genehmigungen für Neubauten von Januar bis Oktober 2024 lagen bei knapp 176.000, 42.600 weniger als im Vorjahr. Für 2025 wird lediglich mit der Fertigstellung von 150.000 bis 200.000 Wohnungen gerechnet. Die Gründe für dieses niedrige Wohnungsbauniveau sind vielfältig: gestiegene Zinsen, hohe Baukosten, geringeres Wirtschaftswachstum, komplexe Vorschriften und langwierige Genehmigungsverfahren. Man fragt sich, ob der Bau-Turbo tatsächlich die Lösung bringen kann oder ob wir weiter auf der Stelle treten.

Ein weiteres Problem ist der Umwandlungsschutz für Mietwohnungen, der bis Ende 2030 verlängert wurde, um Mieter vor Verdrängung zu schützen. Die Mietpreisbremse wurde ebenfalls bis 2029 verlängert. Der soziale Wohnungsbau hat in den letzten Jahren stark gelitten – seit den 1990er Jahren sinkt die Zahl der Sozialwohnungen stetig. Die Ampelregierung hatte sich das Ziel gesetzt, jährlich 100.000 Sozialwohnungen zu bauen, was jedoch nicht erreicht wurde. 2021 wurden 1 Milliarde Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt, 2022 waren es 2 Milliarden Euro und 2023 sogar 3,2 Milliarden Euro. Zukünftig soll eine neue Wohngemeinnützigkeit 2024 zur Förderung sozialer Unternehmen im Wohnungsbau beitragen. Man darf gespannt sein, ob diese Maßnahmen die Situation verbessern können.