Heute ist der 11.06.2026 und in Delmenhorst dreht sich alles um ein tierisches Problem, das nicht nur die Stadt, sondern auch die Umgebung in Atem hält: die Nutrias. Diese kleinen, pelzigen Nagetiere aus Südamerika sind mittlerweile zur Plage geworden. Sie graben sich durch Deiche und gefährden damit nicht nur die Sicherheit, sondern auch den Artenschutz in der Region. Die Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst hat ein eindringliches Anliegen – sie fordert eine Fangprämie von 8 Euro pro Schwanzspitze und 5 Euro für jeden nachgewiesenen Fang im Delmenhorster Stadtgebiet.

Die Zahlen sind alarmierend. Seit fünf Jahren steigen die Fangzahlen der Nutrias kontinuierlich an – von 1122 Abschüssen in der Saison 2020/21 auf beeindruckende 1795 in 2024/25. Das sind fast doppelt so viele! Und das ist nicht nur eine Zahl. Dahinter steckt ein massiver Aufwand, der auch hohe Kosten für Munition und die Jagd selbst mit sich bringt. Die Verwaltung hat daher die zusätzliche Prämie als angemessen erachtet. Nutrias sind schließlich als invasive Art eingestuft und ihre Grabungen an Deichen und Uferböschungen können die Stabilität dieser wichtigen Schutzbauwerke gefährden.

Die Bedrohung durch Nutrias

Doch die Nutrias sind nicht nur ein Problem für die Infrastruktur. Auch die heimische Flora leidet unter ihrem Fressverhalten. Pflanzenarten wie Krebsschere, Flussmuschel und Schilfbestände stehen auf der roten Liste, weil die Nutrias gnadenlos über ihre Lebensräume herfallen. Die Instabilität der Deiche durch das Graben der Tiere erhöht zudem die Hochwassergefahr, was besonders in Zeiten von extremen Wetterlagen eine ernsthafte Bedrohung darstellt.

Die Jägerschaft hat eine klare Forderung: finanzielle Unterstützung zur Bekämpfung von Nutrias. Und das scheint nicht nur eine Einzelmeinung zu sein. Der Umweltausschuss empfiehlt einstimmig, diese Unterstützung bereitzustellen. Die Landwirtschaftskammer plant sogar die Auslieferung von Fangsystemen zur Jagd, um die Situation in den Griff zu bekommen. Die aktuelle Prämie für die Bekämpfung von Bisamratten liegt bei 2,50 Euro und insgesamt wurden im Jahr 2024 bereits 350 Euro als Prämie ausgezahlt – ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man die Herausforderungen betrachtet, die Nutrias mit sich bringen.

Die Ausbreitung der Nutrias

Was die Situation noch brisanter macht: Die Nutrias breiten sich in Deutschland zunehmend aus, gerade in städtischen Gebieten. Laut einer Studie waren 2023 in 35% der untersuchten Jagdreviere Nutrias nachweisbar – eine Verdopplung seit 2015! Besonders besorgniserregend ist die Lage in Bremen, wo sie in 93% der Reviere festgestellt wurden, was eine Steigerung um das Sechsfache darstellt. Was die Ursache für diese Häufung ist? Unerlaubte Fütterung, klimatische Vorteile und jagdliche Einschränkungen spielen da eine Rolle.

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Nutrias graben nicht nur Tunnel in Uferböschungen und Deiche, sondern ihr Fressverhalten bedroht auch den Lebensraum anderer Tierarten. Schilfgebiete, die für viele Insekten, Amphibien, Fische und Vögel lebenswichtig sind, werden zunehmend schilffrei. Hierbei ist die Perspektive der Jägerschaft und des Deutschen Jagdverbands klar: Die Nutria sollte ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden, um eine rechtliche Grundlage für die Fangjagd zu schaffen. Immerhin haben in vielen Bundesländern bereits Jagdzeiten oder Sondergenehmigungen für Nutrias Einzug gehalten.

Die Deutsche Wildtier Stiftung sieht ebenfalls Gefahren durch die Nutrias, insbesondere für den Hochwasserschutz. Trotz aller Schwierigkeiten gibt es jedoch nicht in jedem Revier mit Nutria-Vorkommen Probleme. Es gibt Stimmen, die den ökologischen Schaden durch Nutrias im Vergleich zu anderen gebietsfremden Arten als geringer einschätzen. Ein schmaler Grat, auf dem sich die Diskussion über die Nutrias bewegt.

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