In Niedersachsen kam es am Montag und Dienstag, den 20. und 21. April 2026, zu erheblichen Einschränkungen im Nahverkehr. Die Gewerkschaft ver.di hatte die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr zu einem Warnstreik aufgerufen, um auf die prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. In Delmenhorst, wo das städtische Busunternehmen Delbus ansässig ist, blieben die Busse an beiden Tagen stehen und auch in weiteren Städten wie Hannover, Osnabrück und Braunschweig gab es keine Fahrten. Der Grund für diese Streiks liegt in einem festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen ver.di und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV).

Die Forderungen der Gewerkschaft sind klar: Die Beschäftigten verlangen eine kürzere Wochenarbeitszeit, Entlastungen bei Schichtdiensten, mehr Urlaubstage sowie höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Seit Mitte Februar finden dazu Tarifverhandlungen für rund zehn kommunale Verkehrsunternehmen in Niedersachsen statt, die jedoch in der dritten Verhandlungsrunde am Montag ohne Ergebnis blieben. Der KAV hatte angeboten, die Urlaubstage und das Urlaubsgeld zu erhöhen sowie eine Entgelterhöhung um 2,8 Prozent zu gewähren, was von ver.di jedoch als unzureichend abgelehnt wurde.

Warnstreik und Demonstration in Hannover

Am Dienstag, dem 20. April, beteiligten sich neun Städte an dem Warnstreik, darunter nicht nur Delmenhorst, sondern auch die Region Hannover mit den Verkehrsbetrieben Üstra und Regiobus. Der Warnstreik soll den ganzen Tag dauern und für 10:30 Uhr ist eine Demonstration in Hannover geplant, die mit einer Abschlusskundgebung um 12:00 Uhr enden soll. Der Zeitpunkt des Streiks fällt mit der Eröffnung der Hannover Messe zusammen, was die Verkehrslage zusätzlich kompliziert. Um die Erreichbarkeit für Messebesucher zu gewährleisten, wurden Shuttle-Busse zwischen dem Hauptbahnhof und dem Messegelände eingesetzt. Die S-Bahn Hannover bleibt jedoch unberührt und fährt mit zusätzlichen Zügen.

Die Friedenspflicht in Niedersachsen ist ausgelaufen, was diesen Streik ermöglicht hat. In anderen Bundesländern, wie Bremen, gab es bereits seit Anfang Februar Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr. Diese bundesweiten Aktionen sind Teil eines größeren Problems: In insgesamt 15 Bundesländern wurden die Flächentarifverträge für den öffentlichen Personennahverkehr gekündigt, was die Verhandlungen erschwert.

Forderungen und Perspektiven

Die Gewerkschaft ver.di verhandelt in einer bundesweiten Tarifrunde für Beschäftigte in fast 150 kommunalen Unternehmen. Dabei wird nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in Städten wie Berlin, Hamburg und Bremen um bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Die Kernforderungen umfassen eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit, Anpassungen der Schichtzeiten und eine Erhöhung der Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit. Diese Forderungen resultieren aus den anhaltend langen Arbeitszeiten und dem Mangel an Personal, wie von Beschäftigten immer wieder betont wird.

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Die vierte Tarifrunde ist für den 11. Mai angesetzt, und die Gewerkschaft hofft, dass es bis dahin zu einer Einigung kommt. Die Situation bleibt angespannt, denn sowohl die Beschäftigten als auch die Fahrgäste leiden unter den anhaltenden Konflikten. Der KAV hat bereits Unverständnis für den Warnstreik geäußert und betont, dass er zulasten der Fahrgäste gehe. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickeln wird.

Weiterführende Informationen zu den Tarifverhandlungen und den Hintergründen finden Sie in den Berichten von buten un binnen und NDR.