Die Universität Göttingen hat einen neuen Präsidenten: Johannes Wessels. Das wurde am Mittwoch in einer einstimmigen Wahl von Senat und Stiftungsrat beschlossen. Wessels, 64 Jahre alt und Physiker, kommt von der Universität Münster, wo er derzeit als Rektor tätig ist. Es ist ihm eine große Ehre, diese Position zu übernehmen, und er hat sich das Ziel gesetzt, die Uni zukunftsfähig aufzustellen. Seine Amtszeit beginnt voraussichtlich Ende dieses Jahres, und bis dahin wird Axel Schölmerich die Geschäfte führen, der seit März 2025 übergangsweise im Amt ist.
Wessels war der einzige Bewerber für das Amt, und das spricht irgendwie für das Vertrauen, das man in seine Fähigkeiten hat. Schölmerich, übrigens Psychologe und ehemaliger Rektor der Ruhr-Universität Bochum, hat die Aufgabe, die Wahl des neuen Präsidenten vorzubereiten. Man könnte sagen, er hat einen spannenden Job, der nicht unbedingt einfach ist, aber das wird sich zeigen. Es ist auch interessant, dass Wessels eine Verlängerung seiner Amtszeit an der Universität Münster angestrebt hat, jedoch aufgrund mangelnden Rückhalts daran gescheitert ist.
Ein schwieriges Erbe
Die Vorgeschichte ist alles andere als simpel. 2024 wurde der damalige Präsident Metin Tolan abgewählt, nachdem ihm das Vertrauen entzogen wurde. Tolan hatte sich gegen seine Entlassung gewehrt und klagte. Letztlich kam es zu einem Vergleich, der festlegte, dass Tolan bis zum 30. September gekündigt wird und eine Einmalzahlung im unteren fünfstelligen Bereich erhält. Das niedersächsische Wissenschaftsministerium bestätigte, dass Tolan in seiner Amtsführung „nichts zu Schulden“ habe kommen lassen. Doch die Situation hinterlässt natürlich einen gewissen Schatten über Wessels‘ Amtsantritt.
Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, hat Wessels für seine wissenschaftliche Exzellenz, strategischen Weitblick und internationale Erfahrung gelobt. Das sind alles gute Voraussetzungen, um die Universität Göttingen in die Zukunft zu führen. Wessels soll neue Impulse für Forschung, Lehre und Transfer setzen – und das klingt ambitioniert.
Ein Blick auf das Hochschulsystem
Das deutsche Hochschulsystem ist föderalistisch organisiert, was bedeutet, dass die Verantwortung bei den Bundesländern liegt. Bis 2006 gab es noch Rahmenvorgaben von der Bundesregierung, aber die Föderalismusreform gab den Ländern mehr Autonomie. Das hat viele Hochschulen in eine Phase des Umbruchs versetzt. Die Bologna-Erklärung von 1999 führte zur Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen, und bis zum Sommersemester 2018 waren die meisten Studiengänge auf die neue Struktur umgestellt.
Die Universität Göttingen ist eine der vielen Hochschulen in Deutschland, die sich in diesem dynamischen Umfeld bewegen. Im Jahr 2018 waren an deutschen Hochschulen rund 2,845 Millionen Studierende eingeschrieben, und die Internationalisierung hat zugenommen. Auch die Göttinger Universität ist bestrebt, internationale Studiengänge anzubieten, um den Anforderungen der globalisierten Welt gerecht zu werden. Wessels‘ Aufgabe könnte nicht herausfordernder sein, und man darf gespannt sein, welche Veränderungen er anstoßen wird.
