Heute ist der 19.05.2026 und in Niedersachsen brodelt es. Die Gewerkschaft ver.di hat erneut zum Warnstreik aufgerufen, und die Situation ist angespannt. Am Dienstag haben die Göttinger Verkehrsbetriebe den Anfang gemacht, und die Streiks sollen bis Freitag in mehreren Städten, darunter Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim, Delmenhorst und Lüchow, fortgesetzt werden. Auch am Mittwoch sind die Beschäftigten in Göttingen weiterhin zum Streik aufgerufen. Die Luft in Hannovers Straßenbahnen und Bussen wird also wohl ziemlich ruhig bleiben – von Betriebsbeginn bis Betriebsschluss wird hier kein Fahrzeug fahren, das betrifft sogar den Schulverkehr!

Die Regiobus-Linien sind ein wenig ausgenommen, da einige Fahrten von Subunternehmen durchgeführt werden, die nicht an dem Streik teilnehmen. Dennoch kann es in verschiedenen Kommunen zu Einschränkungen kommen, auch wenn S- und Regionalbahnlinien sowie das On-Demand-Angebot „Sprinti“ nicht betroffen sind. Dieser Warnstreik hat seinen Ursprung in einem laufenden Tarifstreit im kommunalen Nahverkehr. Und die Fronten scheinen verhärtet zu sein: Die vierte Verhandlungsrunde endete ohne Ergebnis. Ver.di sieht einfach keine ausreichende Kompromissbereitschaft seitens der Arbeitgeber, die sich wiederum über die Warnstreiks beschweren und betonen, dass weniger Arbeit und mehr Verdienst einfach nicht mit der sozialen Marktwirtschaft vereinbar sind.

Hintergründe und Forderungen

Ver.di fordert eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, was die Arbeitgeber kategorisch ablehnen. Die Warnstreiks – diese kurzfristigen Arbeitsniederlegungen, die dazu dienen, Mitglieder zu mobilisieren – können sich über mehrere Tage hinziehen. Um einen regulären Streik auszurufen, müssten die Verhandlungen jedoch als gescheitert erklärt werden und eine Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern stattfinden. Ver.di plant, den Druck im Tarifstreit weiter zu erhöhen. Und das nicht ohne Grund – in einem breiteren Kontext sind die Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst im Gange.

Diese Verhandlungen haben am 03.12.2025 in Berlin begonnen. Die Gewerkschaften fordern dort insgesamt 7% mehr Einkommen oder mindestens 300 Euro zusätzlich pro Monat – ein gewaltiger Brocken! Außerdem geht es um 200 Euro mehr pro Monat für Nachwuchskräfte und eine Aussicht auf unbefristete Übernahme. Auch die Erhöhung der Zeitzuschläge um 20% ist ein Thema, das nicht vom Tisch gewischt werden kann. Betroffen sind rund 2,2 Millionen Beschäftigte, darunter mehr als 900.000 Tarifbeschäftigte im Öffentlichen Dienst der Länder – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Reaktionen der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber zeigen sich wenig begeistert von den Forderungen. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) bezeichnet sie als „nicht leistbar“ und „astronomisch“. Er argumentiert, dass die Tabellenentgelte seit 2013 um durchschnittlich 42% gestiegen sind, während die Verbraucherpreise nur um 33,6% zugenommen haben. Das klingt nach einer ausweglosen Situation, die durch unterschiedliche Einschätzungen zur Lage noch erschwert wird. Dennoch haben die Gewerkschaften angekündigt, Warnstreiks und Protestaktionen durchzuführen – die Mobilisierungsfähigkeit wird als gut eingeschätzt. Die letzte Verhandlungsrunde ist für den 11. bis 13. Februar in Potsdam geplant.

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In dieser angespannten Lage wird sich zeigen, ob es den Gewerkschaften gelingt, Gehör zu finden und die Forderungen durchzusetzen. Die Straßen in Niedersachsen sind bereits still, und die Menschen sind gespannt, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Eine interessante Zeit für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und für alle, die auf einen funktionierenden Nahverkehr angewiesen sind.