Die Geschichte von Fatemeh Kheirandish ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Herausforderungen, mit denen viele Fachkräfte aus dem Ausland konfrontiert sind, wenn sie in Deutschland arbeiten möchten. Sie kam aus dem Iran, wo sie zwei Jahre lang den Wunsch hegte, dem Krieg und den beruflichen Einschränkungen zu entkommen. Angela Scheuer, eine Ergotherapeutin und Praxisinhaberin in Rotenburg, suchte im Jahr 2024 dringend nach Personal, da der Fachkräftemangel in diesem Bereich immer deutlicher wurde. Trotz des beschleunigten Fachkräfteverfahrens stellte sich der Weg für Kheirandish als ein steiniger heraus, als sie am 26. Februar 2024 ihren Arbeitsvertrag unterschrieb.

Die Bürokratie hinter den Kulissen war jedoch alles andere als einfach. Der Antrag auf ein Arbeitsvisum zog sich über ein Jahr hin. Die Deutsche Botschaft war aufgrund eines Raketenangriffs geschlossen, und Kheirandish musste ihre Dokumente von einem anerkannten Übersetzer übersetzen lassen, was sich über acht Monate hinzog. Während dieser Zeit zeigte sie einen bemerkenswerten Ehrgeiz, indem sie Deutsch lernte und die B2-Sprachprüfung ablegte – eine Fähigkeit, die ihr später sehr nützlich sein sollte.

Fachkräftemangel und bürokratische Hürden

Die Praxis von Angela Scheuer hatte 60 Kinder und Erwachsene auf der Warteliste, die dringend Hilfe benötigten. Diese hohe Nachfrage setzte Kheirandish und Scheuer unter Druck. Als die Gleichwertigkeit von Kheirandishs iranischem Berufsabschluss im Dezember 2024 nicht festgestellt wurde, musste sie 18 Monate als Assistenz arbeiten oder eine Kenntnisprüfung ablegen. Im März 2025 legte sie die erste Prüfung erfolgreich ab, aber das Warten auf die Genehmigung des Visums hielt an, bis es schließlich im Mai 2025 bestätigt wurde.

Am 25. Juli 2025 konnte Kheirandish endlich nach Deutschland fliegen und begann nur drei Tage später in der Praxis zu arbeiten. Da sie jedoch ohne Eintragung bei der Zulassungsstelle keine Klienten selbstständig behandeln konnte, war sie gezwungen, in der Praxis zu hospitieren. Im September 2025 startete sie eine verpflichtende Weiterbildung an einer Ergotherapieschule, die ihr helfen sollte, ihre Qualifikationen zu verbessern und sich besser in das deutsche Gesundheitssystem einzuarbeiten.

Integration und die Zukunft

Im März 2026 schloss Kheirandish die Ergotherapie-Prüfung erfolgreich ab, doch damit waren die Hürden noch nicht überwunden. Ein Führungszeugnis und eine ärztliche Bescheinigung für die Berufszulassung standen noch aus. Am 21. April 2026 erhielt sie schließlich die ersehnte Berufszulassung und durfte seitdem legal arbeiten. Ein weiterer Termin in der Ausländerbehörde steht an, um einen Aufenthaltstitel zu beantragen. Kheirandish hat klipp und klar gesagt, dass Aufgeben für sie nie eine Option war – sie plant, sich auf Handtherapie und Ergonomie zu konzentrieren.

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Der Fall von Kheirandish ist kein Einzelfall. Deutschland hat mit erheblichen Fachkräfteengpässen in verschiedenen Berufen und Regionen zu kämpfen. Die Ursachen sind vielschichtig: ein geringes Angebot an Fachkräften, demografische Entwicklungen, die den Rückgang der Erwerbsbevölkerung betreffen, und nicht zuletzt Herausforderungen bei der Integration ausländischer Fachkräfte. Diese Engpässe betreffen besonders das Gesundheitswesen und die Pflege, wo die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften stetig steigt. Im Jahr 2019 zogen über 39.400 qualifizierte Personen aus Drittstaaten nach Deutschland, um den Bedarf zu decken.

Ein Teil der Lösung könnte in der Verbesserung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse liegen. Plattformen wie Aidy bieten Unterstützung bei Fragen zur Anerkennung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten, was für Fachkräfte wie Kheirandish von entscheidender Bedeutung ist. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Bundesregierung die Herausforderungen im Bereich Fachkräftemangel und Integration angeht, um die Attraktivität des deutschen Arbeitsmarktes für internationale Talente zu fördern.