Am 12. Mai 2026 fand im Landgericht Verden ein Verfahren statt, das in den letzten Wochen für viel Aufsehen sorgte. Daniela Klette, 67 Jahre alt und als mutmaßliche frühere Militante der RAF bekannt, hielt ihr Schlussplädoyer. Klette, die seit zwei Jahren in der JVA Vechta sitzt, wird beschuldigt, zwischen 1999 und 2016 an 13 Überfällen auf Geldtransporter und Kassenbüros beteiligt gewesen zu sein, mit einer Beute von insgesamt 2,7 Millionen Euro. Gemeinsam mit Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, die weiterhin gesucht werden, wird sie der Raubüberfälle beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft, wobei ein Überfall sogar als versuchter Mord gewertet wird.

Klette äußerte in ihrer Rede, dass das Verfahren politisch motiviert sei und darauf abziele, radikalen linken Widerstand zu delegitimieren. Sie bedankte sich bei ihren Unterstützern, die zahlreich im Gerichtssaal erschienen waren und ihr mit Applaus zur Seite standen. Ihr Anwalt, Ulrich von Klinggräff, war zwar krank, doch Klette war entschlossen, ihre Sichtweise klar zu machen. In ihrer politischen Erklärung betonte sie, dass die Überfälle nicht aus Abenteuerlust, sondern aus der Notwendigkeit der Illegalität geschahen. Sie reflektierte über ihre Jugend, die gesellschaftlichen Bedingungen, die sie zur politischen Aktivität motivierten, und die Ungerechtigkeiten, die sie erlebt hatte.

Kritik am System

Während ihrer Ansprache übte Klette scharfe Kritik am Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat. Sie forderte eine Welt ohne Imperialismus, kapitalistische Zwänge und koloniale sowie patriarchale Gewalt. Die gesellschaftlichen Traumata, die durch Armut, Rassismus und Krieg verursacht wurden, seien nicht zu unterschätzen, so Klette. Sie betonte die Notwendigkeit eines Systemwechsels und die Überwindung des Kapitalismus. „Wir müssen uns gegen die staatliche Repression wehren“, sagte sie und verwies auf die Repression, die sie und ihre Mitstreiter erfahren haben.

Der Prozess hat auch den historischen Kontext der RAF ins Licht gerückt. Die Rote Armee Fraktion, aus dem 68er Aufbruch hervorgegangen, wird von Teilen der Bevölkerung eher als kriminelle Bande denn als Kämpferin für politische Ideale wahrgenommen. Kritiker bemängeln, dass der deutsche Staat die Geschichte der RAF verzerrt und die politischen Motive der ehemaligen Aktivisten aus dem Gedächtnis der Menschen löschen wolle. Klette selbst identifiziert sich stark mit der Geschichte der RAF und fordert die Einstellung der Fahndung nach ihren flüchtigen Mitbeschuldigten Garweg und Staub.

Gesellschaftliche Verantwortung und Mitgefühl

Obwohl sie als Räuberin gilt, zeigte Klette auch Mitgefühl für die psychischen Folgen der Überfälle auf die Geldboten. Sie äußerte, dass die Staatsanwaltschaft nicht das Wohlergehen der Zeugen im Blick habe, sondern ein hohes Urteil gegen sie anstrebe. „Die Traumatisierung der Geldboten ist tragisch, doch die gesellschaftlichen Traumata, die durch den Kapitalismus verursacht werden, sind noch gravierender“, so Klette. Ihre Verteidiger plädieren auf Freispruch, sehen jedoch den unerlaubten Waffenbesitz als erwiesen an, da in Klettes Wohnung unter anderem Waffen, Munition und 240.000 Euro Bargeld gefunden wurden.

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Das Urteil wird am 27. Mai erwartet, und es könnte sogar ein zweiter Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Main folgen, da eine weitere Anklage für drei RAF-Anschläge zwischen 1990 und 1993 im Raum steht. Der Prozess hat nicht nur die Vergangenheit der RAF aufgeworfen, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Fragen beleuchtet, die bis heute relevant sind.