In Wilhelmshaven gibt es Geschichten, die einen ganz besonderen Charme versprühen. Nehmen wir Monika Krüger-van Oyen, die sich an ihre Kindergartenzeit in den 1950er Jahren erinnert. Mit einem Schmunzeln erzählt sie von der „Graupensuppe“, die sie so gar nicht mochte. Essensreste versteckte sie damals lieber, als sie aufzuessen. Doch trotz dieser kleinen Anekdote sind es vor allem die positiven Erinnerungen, die in ihrer Erzählung überwiegen. Ausflüge, Bastelarbeiten und die fröhlichen Osterfeste bleiben im Gedächtnis haften. Die Kita in der Borkumstraße, in die sie später umzogen, gab den Kindern ein Gefühl von Freiheit – mehr Platz, mehr Möglichkeiten, um kreativ zu sein.
Auch die Handarbeiten, wie das Besticken von Postkarten oder das Basteln von Girlanden, gehörten zum Alltag in der Einrichtung. Bei Ausflügen gab es Marmeladenbrote und frisches Obst – eine kleine Freude, die den Tag versüßte. Fast 30 Jahre später erlebte ihre Tochter Martina die gleiche Kita, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Ihre Kindheit war von familiären Problemen geprägt, da ihre Eltern geschieden waren. In dieser Zeit war die Kita ein sicherer Hafen für sie. Die Mitarbeiter der Einrichtung holten sie sogar von der Grundschule ab, um sie vor den unberechenbaren Besuchen des Vaters zu schützen. Es zeigt sich, wie wichtig diese Einrichtung für beide Generationen war – eine Art Konstante in einem sich ständig verändernden Leben. Die Kita Heppens bleibt für Monika und Martina ein bedeutender Teil ihrer Kindheit, wie man in einem Artikel auf nwzonline.de lesen kann.
Die Wurzeln der frühkindlichen Bildung
Die Geschichte der Kindertageseinrichtungen in Deutschland ist tief verwurzelt und reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. In den 1830er und 1840er Jahren erlebte die Kleinkindererziehung eine wahre Gründungswelle. Es gab etwa 500 bis 600 Einrichtungen im deutschsprachigen Raum – viele davon trugen den Namensbestandteil „Schule“, wie zum Beispiel Kleinkinderschule oder Spielschule. Die ersten Krippen für Säuglinge und Kleinstkinder wurden ab 1844 in verschiedenen Regionen, darunter Wien und Preußen, eingerichtet. Diese Einrichtungen waren oft nach dem Vorbild von Schulen gestaltet, mit Bilder- und Schiefertafeln und strengen Stundenplänen.
Die Gründe für die Entstehung solcher Einrichtungen waren vielfältig. Sozialfürsorgerische Motive, wie die Massenarmut und die Erwerbsarbeit der Mütter, spielten eine große Rolle. Es war notwendig, die Kinder vor den Gefahren auf der Straße zu schützen. Dies geschah nicht ohne Rückschläge: Das preußische Kindergartenverbot von 1851 stellte einen herben Schlag für die Kindergartenpädagogik dar. Dennoch war Friedrich Fröbel, ein bedeutender Vertreter dieser Pädagogik, der 1840 den Kindergarten gründete und die Spielpädagogik entwickelte, eine Schlüsselfigur in dieser Zeit. Heute, in einer Zeit, in der die Bedeutung der frühkindlichen Bildung mehr denn je diskutiert wird, zeigt sich, wie die Wurzeln dieser Einrichtungen bis in die Gegenwart hineinreichen und uns immer wieder zum Nachdenken anregen.
