50 Jahre chilenisches Mural an der Universität Bielefeld: Kunst, Geschichte und Widerstand
Heute, am 14. Juli 2026, werfen wir einen Blick auf ein faszinierendes Stück Geschichte an der Universität Bielefeld. Hier, im Stadtteil Schildesche, prangt seit 50 Jahren ein beeindruckendes Wandbild – ein chilenisches Mural, das sich mit politischen Botschaften auseinandersetzt. An der Kopfseite des Audimax hat das Wandbild eine stattliche Größe von 16 Metern in der Breite und 4 Metern in der Höhe. Ursprünglich wurde es von einer chilenischen Malbrigade ohne Genehmigung der Universitätsleitung geschaffen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) unterstützte dieses mutige Unterfangen, das sich in einem historischen Kontext entfaltet: Nach dem Militärputsch am 11. September 1973, der Präsident Allende das Leben kostete, fanden rund 80 Chileninnen und Chilenen in Bielefeld Zuflucht.
Was macht dieses Wandbild so besonders? Es ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Mahnmal, das den Weg vom Putsch zur ersehnten Zukunft Chiles erzählt. Die Symbolik ist tiefgreifend, und es kommuniziert politische Botschaften ohne Worte. Doch nicht alles war von Anfang an rosig: Das Mural stieß nicht überall auf Sympathie und sollte mehrfach übermalt werden. Seit 2015 steht es unter Denkmalschutz und gilt mittlerweile als fester Bestandteil der Universität.
Jubiläumsfeier und Bedeutung für die Gemeinschaft
Die Jubiläumsfeier, die Ehemalige, Nachfahren und Studierende zusammenbrachte, war ein eindrucksvolles Ereignis. Vor dem Mural feierten viele bis zur dritten Generation – eine bewegende Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Besonders Edith Pacheco, eine Mitmalerin des Murals, die im Alter von 13 Jahren nach Deutschland floh, betonte die immense Bedeutung des Kunstwerks. Sie ließ uns nicht nur in ihre Erinnerungen eintauchen, sondern auch in die Emotionen, die mit diesem besonderen Ort verbunden sind.
Die Jubiläumswoche bot zudem ein abwechslungsreiches Programm: Von Vorträgen über Film- und Kunstprogramme bis hin zu einem Konzertabend. Studierende hatten die Möglichkeit, an einem Kunstworkshop teilzunehmen und sich mit der Geschichte des Murals auseinanderzusetzen – viele kannten sie zuvor nicht. Das ist schon fast schade, denn das Wandbild ist ein lebendiger Teil der Universitätsgeschichte und der Gesellschaft.
Kunst und Widerstand in anderen Städten
Ein Blick über die Grenzen von Bielefeld hinaus zeigt, dass das Thema weit verbreitet ist. An der Universität Bremen existiert eine Rekonstruktion eines Wandbildes, das 1976 von chilenischen Künstlern und Studierenden während einer Solidaritätswoche geschaffen wurde. Dieses Kunstwerk war das erste politische Manifest im öffentlichen Raum an der Uni Bremen und thematisiert ebenso die Unterdrückung und den Widerstand während der chilenischen Diktatur. Die Künstlergruppe „Brigade Luis Corvalán“ schuf das Original während ihres Exils in Frankreich. Fast 50 Jahre nach dem Militärputsch ist der Geist des chilenischen Muralismo also auch hier lebendig – eine Kunstform, die nicht nur verschönern, sondern auch aufrütteln wollte.
Das Wandbild in Bielefeld ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein aktives Symbol für die Solidarität mit dem chilenischen Volk und seinen Kämpfen. Der AStA hebt die Wichtigkeit des Mural hervor, das inzwischen als Symbol für die Universität und für die gesamte Gesellschaft dient. Bei den Auftritten von Künstlern wie Roten Faden, Piray und Cecilia Diaz am Konzertabend geht es um Lebensfreude, Trauer und den unermüdlichen Kampfgeist. Es ist beeindruckend, wie solche Kunstwerke auch nach Jahrzehnten noch eine so starke Wirkung entfalten können.
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