In Deutschland gibt es viele kulinarische Spezialitäten, doch eine sticht besonders hervor: die Currywurst. Um diese köstliche Wurst ranken sich Mythen und eine hitzige Debatte, die vor allem zwischen den Städten Berlin und Duisburg ausgetragen wird. Es heißt, „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ – und das gilt besonders für die Diskussion um die Herkunft der Currywurst. Jährlich werden in Deutschland rund 800 Millionen Currywürste verzehrt, allein in Berlin sind es 70 Millionen. Doch wer hat sie nun erfunden?
Christian Tänzler, der Sprecher der Stadt Berlin, ist überzeugt: Die Currywurst ist ein Berliner Original. Herta Heuwer, die 1949 an ihrem Imbissstand in Charlottenburg die erste Currywurst mit einer speziellen Soße aus Tomatenmark und Currypulver servierte, wird als die „Erfinderin“ gefeiert. Ihre Soße ließ sie 1951 patentieren und war stolz darauf, den Namen „Currywurst“ geprägt zu haben. Zudem erwähnte Tänzler ein ehemaliges Currywurst-Museum in Berlin, das die Bedeutung dieser Wurst für die Hauptstadt unterstreicht. Doch Duisburg erhebt ebenfalls Anspruch auf die Erfindung. Peter Hildebrand soll bereits in den späten 1930er Jahren in Duisburg-Marxloh eine ähnliche Wurst verkauft haben – die Belege dafür kommen von Zeitzeugen und alten Fotos.
Die Meinungsverschiedenheiten
Lea Böhm von Ruhr Tourismus bringt es auf den Punkt: „Duisburg könnte die Currywurst erfunden haben, während Berlin das Marketing übernahm.“ Ein Buch mit dem Titel „Alles Currywurst – oder was? Die ganze Wahrheit über das Kultobjekt“ unterstützt die These, dass Hildebrand in Duisburg eine Vorläufer-Currywurst zubereitet hat, die mit Tomatensauce und Currypulver serviert wurde. Ein weiteres spannendes Detail ist, dass Wolfsburg nicht in diesen Streit eingreifen möchte, obwohl die dortige Volkswagen-Currywurst seit 1973 verkauft wird und jährlich sieben Millionen Mal über die Ladentheke geht.
Die Debatte wird nicht weniger hitzig, denn die Stadt Duisburg plant für 2025 eine Ehrentafel zu Ehren der Currywurst und einen alternativen „Tag der Currywurst“ am 22. September. Das Jahr 2024 könnte ebenfalls für Aufregung sorgen: Ein weiteres Buch, das im August erscheinen soll, wird die Geschichte der Currywurst erneut aufrollen und behaupten, dass bereits 1936 in Duisburg eine Art Vorläufer von Heuwers Kreation existierte.
Die Rolle von Herta Heuwer
Herta Heuwer hat sich mit ihren einzigartigen Kreationen in die Herzen der Menschen gekocht. Sie betrieb ihren Imbissstand an der Kant- Ecke Kaiser-Friedrich-Straße und ließ sich 1959 die Wort-Bild-Marke „Chillup“ für ihre Sauce eintragen. Ihre Behauptung, die Sauce sei aus Tomatenmark und speziellen Gewürzen hergestellt worden, ohne Ketchup oder fertige Mischungen, machte sie zur Legende. Sie hatte zahlreiche Fernsehauftritte und wurde oft als „Erfinderin der Currywurst“ gefeiert. Am 29. Juni 2003 wurde sogar eine Gedenktafel an ihrem ehemaligen Imbissstand enthüllt – ein Zeichen ihrer unbestreitbaren Bedeutung für die deutsche Esskultur.
Doch selbst ihre Geschichte hat ihre Widersprüche. Wetteraufzeichnungen stehen im Widerspruch zu Heuwers Erinnerungen an einen regnerischen Tag, an dem sie die Currywurst erfunden haben will. Zudem wird berichtet, dass Max Brückner, ein Schlachter aus Johanngeorgenstadt, in den 1950er Jahren mit Heuwer an dem Rezept gearbeitet hat. Die Frage bleibt: Wer hat nun wirklich die erste Currywurst kreiert? Die Diskussion ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch eine der Identität und des Stolzes auf die eigene Stadt.
Die Currywurst bleibt also ein umstrittenes, aber auch unverwechselbar deutsches Phänomen, das die Gemüter erhitzt und die Geschmäcker vereint. Ob Berlin oder Duisburg – die Wurst hat sich längst einen Platz im Herzen der Deutschen erobert und wird auch weiterhin für Diskussionen sorgen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Quelle: FAZ.net.