In Gütersloh gab es am Samstag einen dramatischen Einsatz der Feuerwehr, der nicht nur die Einsatzkräfte, sondern auch die Anwohner in Atem hielt. Ein Dachstuhlbrand in einem Wohnhaus sorgte dafür, dass schwarzer Rauch weithin sichtbar aus dem Gebäude drang. Das Feuer wurde durch einen technischen Defekt an einer Photovoltaik-Anlage ausgelöst, was die Situation besonders heikel machte. Ein Feuerwehrmann, der Dachpfannen zerschlug, um Hitze entweichen zu lassen, ahnte nicht, dass sich darunter Solarmodule im Ziegelformat verbargen. Dies führte zu einem schockierenden Moment: Er erlitt einen Stromschlag und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Glücklicherweise blieb er von ernsthaften Verletzungen verschont und konnte schnell wieder entlassen werden.
Die Feuerwehr Gütersloh hatte es mit einer neuen Herausforderung zu tun, denn es war der erste Einsatz mit einer derartigen Photovoltaik-Anlage. Solardachziegel, die den normalen Dachziegeln ziemlich ähnlich sehen, sind in der Region bisher eher selten verbaut, da sie teurer sind als herkömmliche PV-Module. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden, da immer wieder Glutnester im Dämmmaterial aufflammten. Selbst nach dem offiziellen Ende des Einsatzes am Abend wurden die Einsatzkräfte in der Nacht zu Sonntag erneut alarmiert, weil die Glutnester wieder aufflammten.
Feuerwehr im Lernmodus
Am Sonntag wurde dann ein großer Teil des Dachs mit einem Bagger abgetragen, um die gefährlichen Restglutnester zu entfernen. Ob das Haus in Zukunft weiterhin bewohnt werden kann, steht momentan in den Sternen. Die Feuerwehr plant, sich fortzubilden, um für solche Situationen besser gerüstet zu sein. Schließlich gibt es in Deutschland mittlerweile etwa 1,7 Millionen Photovoltaikanlagen, und die Zahl nimmt stetig zu. Damit steigt auch das Risiko bei Bränden in Gebäuden mit PV-Anlagen.
PV-Experte Ulrich Wolf weist darauf hin, dass Brände durch Anlagenteile zwar selten sind, aber dennoch vorkommen können. Materialfehler der Solarmodule können Lichtbögen erzeugen, die zu Bränden führen. Auch Fehler in der Gleichspannungsverkabelung, wie lose Kabel oder falsche Steckverbinder, sind potenzielle Gefahren. Besonders gefährdet sind bei Bränden die Batteriespeicher und Wechselrichter, weshalb bei einem Alarm in Verbindung mit einer PV-Anlage unbedingt eine elektrotechnische Fachkraft hinzugezogen werden sollte. Sicherheitsabstände müssen eingehalten werden, um die Gefahr von Stromschlägen zu minimieren.
Vorsorge und Sicherheit
Ein weiterer spannender Aspekt ist die Prävention. Unternehmen haben verschiedene Möglichkeiten, um Gefahren im Zusammenhang mit Solaranlagen vorzubeugen. Dr. Kühn hebt hervor, dass in vielen Bundesländern Verordnungen bestehen, die Sicherheitsabstände zu Dachgauben und Brandwänden bei der Installation von Solaranlagen vorschreiben. Qualitativ hochwertige Ausführung und regelmäßige Wartung sind essentielle Maßnahmen, um Brände zu verhindern. Die Broschüre „Brandschutzgerechte Planung, Errichtung und Instandhaltung von PV-Anlagen“ bietet umfassende Informationen zu Mindestabständen und weiteren sicherheitsrelevanten Aspekten.
Eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten – von der Planung bis zur Installation – ist ebenfalls unerlässlich. Klärung, wer für die Instandhaltung zuständig ist, hat sich als wichtige Maßnahme im organisatorischen Brandschutz herausgestellt. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Versicherung: Photovoltaikanlagen sollten mit einer Allgefahrenversicherung abgesichert werden, um im Ernstfall nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Die Ereignisse in Gütersloh sind ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig es ist, auch bei modernen Technologien wie Photovoltaikanlagen die Sicherheit stets im Blick zu behalten. Die Feuerwehr hat aus diesem Einsatz viel gelernt und wird sich in Zukunft noch besser vorbereiten, um solchen Herausforderungen gewachsen zu sein.
