In Nordrhein-Westfalen (NRW) erleben Dachdeckerbetriebe derzeit eine herausfordernde Zeit, die maßgeblich durch den Krieg im Iran beeinflusst wird. Die Auswirkungen sind deutlich spürbar: Ein Mangel an Baumaterialien und steigende Preise setzen den Betrieben zu. Besonders die kleinen Unternehmen leiden unter den hohen Kosten für essenzielle Materialien wie Schweißbahnen, Dämmmaterial und Alubleche. Der Junior-Chef des Fachhandels Scherwat in Gevelsberg, Jan-Philipp Scherwat, berichtet von Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent, was die Situation noch prekärer macht.
Die Preise ändern sich dabei täglich, und die nächste Preiserhöhung steht bereits am 4. Mai an, mit einem Aufschlag von 15 bis 18 Prozent. Martin Weber, Geschäftsführer der Dachdecker- und Zimmerer-Innung Essen, spricht von einem „Preisschock“, der viele Betriebe in Essen betrifft. Insbesondere Bitumen-Bahnen und Dämmmaterialien, die Rohöl benötigen, sind von den Preissteigerungen betroffen. Dachdeckermeister Max Peters aus Sprockhövel hat bereits begonnen, auf Alternativprodukte umzusteigen, was auch zu Verschiebungen bei Aufträgen geführt hat. Die Kunden zeigen jedoch Verständnis für die schwierige Lage der Betriebe.
Lieferengpässe und neue Kalkulationen
Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf NRW, sondern zieht sich durch die gesamte Bundesrepublik. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), äußert, dass die steigenden Preise die Aussichten für das Jahr trüben und es der Branche nicht leicht machen. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, ihre Materialpreise ständig neu zu kalkulieren, was zusätzliche Unsicherheiten mit sich bringt.
Die Situation wird zusätzlich durch die allgemeinen Preissteigerungen im Bauhauptgewerbe verschärft. Laut einer Bericht über die Preisentwicklung im Bauhauptgewerbe sind die Baupreise aufgrund des Ukraine-Kriegs, Lieferengpässen und steigenden Preisen für Baumaterialien, Energie und Zinskosten deutlich gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2022 stiegen die Preise für Bauleistungen um 16,4 Prozent, während sie in 2023 um weitere 6,5 Prozent zulegten. Diese Entwicklungen sind die höchsten seit 1970.
Marktanpassungen und Ausblick
Die Bauunternehmen sind nicht mehr gezwungen, ertragsschwache Aufträge anzunehmen und können Risiken angemessen bepreisen. Trotz der Schwierigkeiten gibt es Lichtblicke: Nach einem anhaltenden Anstieg der Preise für Bauleistungen und Materialien scheint eine Normalisierung auf dem Markt in Sicht, die sich positiv auf die Marktstellung der Bauunternehmen auswirken könnte. Die Preisrückgänge bei einigen Baumaterialien seit Sommer 2022 haben bereits zu einer gewissen Preisberuhigung geführt.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird. Forschungsinstitute erwarten für 2026 einen Anstieg der Preise für Bauleistungen um 3,3 Prozent und um 3,6 Prozent für 2027. Trotz der Herausforderungen bleibt die Branche optimistisch, dass sie sich an die veränderten Marktbedingungen anpassen kann. In diesem Sinne bleibt es spannend, wie sich die Lage für die Dachdeckerbetriebe in NRW und darüber hinaus weiter entwickeln wird.