Heute ist der 18.05.2026 und in Herford brodelt es. Die Nachricht, dass der Warsteiner-Konzern die beliebte Herforder Brauerei in Hiddenhausen schließen will, schlägt wie ein Blitz ein. Fast 220 Mitarbeiter und deren Familien sind betroffen. Die Schließung der Brauerei, die im zweiten Halbjahr 2026 erfolgen soll, wurde von der Haus Cramer Gruppe, der Muttergesellschaft der Warsteiner Brauerei, bekannt gegeben. Gleichzeitig macht auch die Paderborner Brauerei Sorgen. Sollte hier kein Käufer gefunden werden, könnte das Ende bereits Ende 2026 bevorstehen. In Herford stehen fast 100 Arbeitsplätze auf der Kippe und in Paderborn sind es etwa 120. Die Mitarbeitenden und ihre Familien haben bereits eine Internet-Petition gestartet, um die Schließung zu stoppen. Ein absolut verständlicher Schritt. Immerhin wird künftig das Herforder und Paderborner Bier in Warstein gebraut, was viele als Verlust empfinden.
Die Gründe für diese drastischen Einschnitte sind alarmierend. Der Bierkonsum in Deutschland sinkt schon länger – ein Phänomen, das die Branche stark unter Druck setzt. Im Jahr 2025 sank der Bierkonsum um 5,8 Prozent, und das ist nicht nur ein kleiner Rückgang. Die Haus Cramer Gruppe hat die Brau-Kapazitäten um satte 30 Prozent gekürzt. Auch die Zahlen aus den letzten Jahren sind nicht gerade erfreulich: 137 Brauereien haben in den letzten sechs Jahren schließen müssen, viele von ihnen alteingesessene Betriebe. Es ist eine traurige Entwicklung – vor allem für die kleinen, traditionellen Brauereien, die oft das Herzstück ihrer Gemeinden sind. Man denkt an die Atmosphäre in einem Biergarten, die Geselligkeit, die einfach zum Leben dazugehört.
Ein schleichender Rückgang
Die Schließung der Herforder und die unsichere Zukunft der Paderborner Brauerei sind Teil eines größeren Trends. Der Bierabsatz der deutschen Brauereien sank im Jahr 2025 um 6,0 % auf rund 7,8 Milliarden Liter – das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Bierabsatz unter die 8-Milliarden-Liter-Marke. Diese Zahlen sind alarmierend und zeigen, wie sehr sich die Vorlieben der Verbraucher geändert haben. Über die Jahre haben viele Menschen ihren Bierkonsum reduziert oder sind ganz auf alkoholfreie Varianten umgestiegen. Es wird immer deutlicher, dass der Genuss von Bier nicht mehr die gleiche Rolle spielt wie früher.
Die saisonalen Schwankungen im Bierabsatz bleiben zwar bestehen, aber der langfristige Rückgang ist unübersehbar: Im Vergleich zu 2015 wurden 2025 ganze 18,9 % weniger Bier abgesetzt. Der Inlandsabsatz sank auf 6,4 Milliarden Liter, was bedeutet, dass 82,5 % des gesamten Bierabsatzes für den Inlandsverbrauch bestimmt und versteuert waren. Auch die Exporte litten: Sie sanken um 7,0 % auf 1,4 Milliarden Liter. Das sind alles erschreckende Zahlen, die die gesamte Branche in eine Krise stürzen könnten.
Die Zukunft des Bieres?
Inmitten all dieser Herausforderungen stehen große Brauereien unter Druck, Standorte zu schließen oder zu verkaufen. Oettinger in Braunschweig ist ein Beispiel, und auch die Maritius-Brauerei in Sachsen sowie die Rosenbrauerei Pößneck in Thüringen sind insolvent gegangen. Die Stimmung ist gedrückt, und es stellt sich die Frage: Was bedeutet das für die Bierkultur in Deutschland? Werden wir in ein paar Jahren noch die kleinen, feinen Brauereien in unseren Städten und Dörfern haben, oder wird alles zentralisiert und industrialisiert? Die Sorgen der Herforder Mitarbeiter sind also nicht unbegründet.
Der Rückgang des Bierkonsums mag für manchen vielleicht nicht so dramatisch erscheinen, aber für die Menschen, die in dieser Branche arbeiten, hat er weitreichende Folgen. Es ist eine alarmierende Situation, die mehr als nur wirtschaftliche Aspekte betrifft – sie berührt das kulturelle Erbe, die Tradition und die Gemeinschaft, die mit dem Bier verbunden sind. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Branche Wege findet, sich an die geänderten Bedingungen anzupassen und vielleicht sogar neue Wege zu gehen, um das Bier wieder in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens zu rücken.
Weitere Informationen zu diesen Entwicklungen können Sie in den Artikeln von Bild und Spiegel nachlesen.
