Im Oberbergischen Kreis fand vor kurzem eine wichtige Veranstaltung zum Thema „Schulabsentismus“ statt. Organisiert wurde sie von der Schulpsychologischen Beratungsstelle und dem Schulreferat des Kirchenkreises an der Agger. Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Schulen waren anwesend, um sich über ein Problem auszutauschen, das in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt ist. Schulabsentismus kann viele Gesichter haben: von angstbedingtem Fehlen, etwa bei Schulangst, bis hin zum Schulschwänzen ohne tiefere psychologische Ursachen. Und genau hier setzt die Veranstaltung an.
Marianne Haupt, die Leiterin der Schulpsychologischen Beratungsstelle, machte deutlich, dass es wichtig ist, die unterschiedlichen Ursachen für das Fehlen zu identifizieren, um passende Unterstützung und Interventionen anbieten zu können. Schulabsentismus entwickelt sich oft schleichend. Irgendwann bleibt das Kind dann einfach weg, und das kann zu dauerhaftem Vermeidungsverhalten führen. Schätzungen zufolge fehlen 5-10% der Schüler in Deutschland regelmäßig im Unterricht. Das ist eine alarmierende Zahl, vor allem wenn man bedenkt, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die dem Unterricht fernbleiben, in den letzten zehn Jahren signifikant gestiegen ist (Caritas, 2025).
Ein Blick auf die Ursachen
Die Veranstaltung hatte das Ziel, einen Überblick über Handlungsaspekte und Unterstützungsmöglichkeiten bei Schulabsentismus zu bieten. Stefan Schwall gab in der ersten Runde einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die Thematik. Bei der anschließenden Diskussion mit Expertinnen und Experten einigte man sich darauf, dass schnelles Handeln notwendig ist, um die betroffenen Kinder zu unterstützen. Es wurde ein weitreichendes Netzwerk von Einrichtungen im Oberbergischen Kreis vorgestellt, die Hilfestellung bieten können.
- Schulpsychologische Beratungsstelle des Oberbergischen Kreises, Tel.: 02261/884060
- „Der Baumhof“ in Gummersbach, Tel.: 02261/88 57 10
- „Herbstmühle“ in Wipperfürth, Tel.: 02267/30 34
- „Haus für Alle“ in Waldbröl, Tel.: 02291/40 68
Aber nicht nur im Oberbergischen Kreis ist das Thema präsent. In Deutschland ist Schulabsentismus und Schulverweigerung schwer zu quantifizieren. Bildung ist Ländersache, und Schulen dokumentieren Fehlzeiten selbst. Kleinere Studien zeigen, dass die Fehlzeiten nach der Pandemie angestiegen sind, auch wenn es an verlässlichen Statistiken mangelt. In Schleswig-Holstein hat das Bildungsministerium eine Studie in Auftrag gegeben, die Daten von 16.222 Kindern an 186 Gemeinschaftsschulen und Gymnasien umfasst. Die ersten Zwischenergebnisse sind alarmierend: Fast jede zweite Neuntklässlerin und jeder zweite Neuntklässler fehlte im letzten Schulhalbjahr an mindestens 11 Schultagen.
Die Zahlen sprechen für sich
Die Studie zeigt, dass 23% der Schüler zwischen 11 und 20 Tagen gefehlt haben, während 17% gravierende Fehlzeiten von 21 bis 40 Tagen aufwiesen. Sogar 8% hatten massive Fehlzeiten von mehr als 40 Tagen. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die Ursachen für die Schulabwesenheit besser zu verstehen und die Wirksamkeit von Unterstützungsangeboten zu bewerten.
Das Problem des Schulabsentismus betrifft also nicht nur den Oberbergischen Kreis, sondern ist ein landesweites Phänomen. Für Eltern gibt es zahlreiche Anlaufstellen, die Unterstützung bieten, sei es durch Schulsozialarbeit, Schulpsychologie oder andere Einrichtungen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Gesellschaft diese Herausforderungen ernst nehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Webseite des Schulamts Baden-Württemberg (hier).
Die Veranstaltung im Oberbergischen Kreis hat gezeigt, dass es ein großes Bewusstsein für das Thema gibt. Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse und Diskussionen der letzten Tage zu konkreten Verbesserungen führen, damit Kinder und Jugendliche die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um ihre Schulzeit erfolgreich zu meistern.
