Im Rhein-Erft-Kreis könnte bald das Ende einer Ära bevorstehen. Nach 55 Jahren steht die Jugendbegegnungsstätte, das Centre Franco-Allemand (CFA), vor der Schließung. Ursprünglich 1971 im Auftrag des Altkreises Bergheim in Guidel, Bretagne, gegründet, hat die Einrichtung über die Jahre hinweg vielen jungen Menschen interkulturelle Begegnungen ermöglicht. Doch die Zeiten haben sich geändert und die Belegungszahlen erreichen nicht mehr das erforderliche Niveau für einen kostendeckenden Betrieb. Die Rückmeldungen von Schulen im Rhein-Erft-Kreis zu Ferienfreizeiten und Segelkursen blieben aus, was die Situation zusätzlich erschwert.

Am 25. Juni wird der Kreisausschuss in einer nichtöffentlichen Sitzung über die außerordentliche Kündigung des Pächters, der „Defabre“, entscheiden. Diese Tochtergesellschaft der Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit (GÜZ) übernahm 2020 die Jugendbegegnungsstätte. Der Pachtvertrag, der ursprünglich auf 20 Jahre angelegt war, wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch erst ab 2022 wirksam und sah anfangs eine niedrigere Pacht vor. Es wird erwartet, dass dem Vorschlag zur Kündigung gefolgt wird, und auch der Verkauf der Immobilie und des 16.000 Quadratmeter großen Grundstücks zur Sprache kommt. Ein Gutachten schätzt den Wert des Ensembles auf eine mittlere einstellige Millionensumme. Das Gebäude liegt nur 1,2 Kilometer vom Atlantikstrand entfernt, umgeben von Einfamilienhäusern – ein doch recht idyllischer Ort, der nun möglicherweise bald Geschichte ist.

Ein Rückblick auf die deutsch-französische Freundschaft

Die Jugendbegegnungsstätte wurde 1971 auf einem großzügigen Grundstück mit Platz für 80 Gäste und Räumen für Spracharbeit und Freizeitaktivitäten ins Leben gerufen. Die Einweihung des ersten Bauabschnitts fand bereits 1972 statt. Im Laufe der Jahre hat der Rhein-Erft-Kreis hohe jährliche Zuschüsse für die interkulturellen Begegnungen bereitgestellt, zuletzt rund 300.000 Euro. Bei Sanierungen konnten diese Zuschüsse sogar auf bis zu 600.000 Euro steigen. Aber trotz dieser Unterstützung sank die Zahl der Besucher und die deutsch-französische Freundschaft zwischen dem Rhein-Erft-Kreis und dem Departement Morbihan hat in den letzten Jahren spürbar abgenommen. Robert Kampe, Generalsekretär der GÜZ, äußert sich bisher nicht zu den Schwierigkeiten des Pächters. Es bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen den Dialog mit den französischen Partnern wieder aufnehmen können.

Die Bedeutung internationaler Jugendarbeit

Die Situation in Guidel wirft ein Licht auf die Herausforderungen der internationalen Jugendarbeit. Diese ist nicht nur Teil der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Ein zentrales Förderinstrument des Bundes, der Kinder- und Jugendplan (KJP), unterstützt internationale Austauschprogramme für Jugendliche im Alter von 8 bis 26 Jahren. Ziel ist es, den Zugang zu grenzüberschreitenden Lernerfahrungen für alle jungen Menschen zu ermöglichen. Träger der Kinder- und Jugendhilfe sollen benachteiligte Jugendliche an internationale Projekte heranführen. Solche Begegnungsprogramme basieren auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und fördern den Austausch von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, ohne Altersbeschränkung.

Das Schicksal des Centre Franco-Allemand ist also nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern spiegelt die Herausforderungen wider, vor denen viele Einrichtungen stehen, die interkulturellen Austausch fördern wollen. Ob und wie die Verantwortlichen im Rhein-Erft-Kreis auf diese Herausforderungen reagieren, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die Entscheidung des Kreisausschusses könnte weitreichende Folgen für die zukünftige Jugendarbeit in der Region haben und möglicherweise die deutsch-französische Freundschaft neu beleben oder endgültig untergraben.

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Wie die Geschichte weitergeht, bleibt abzuwarten. Doch die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Dialogs zwischen den Partnern bleibt bestehen.

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