In der Region Bernkastel-Wittlich wird das Thema Lärmschutz und die Förderung der Biodiversität im Gartenbereich immer wichtiger. Rasenmähen verursacht nicht nur Lärm, sondern stellt auch einen Eingriff ins Ökosystem Garten dar. Werktags ist das Mähen erlaubt, während sonntags Ruhezeiten gelten, die von den einzelnen Kommunen unterschiedlich festgelegt werden. Damit die Natur im Mai eine Verschnaufpause bekommt, hat die Gartenakademie Rheinland-Pfalz zusammen mit der Deutschen Gartenbaugesellschaft (DGG) die Initiative „Mähfreier Mai“ ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative ist es, Rasenflächen im Mai selten oder gar nicht zu mähen, um Lebensräume für Insekten zu schaffen. Weitere Informationen dazu sind online bei der Gartenakademie Rheinland-Pfalz verfügbar (Wochenspiegel).
Ein zentraler Bestandteil der Initiative ist der Wettbewerb „Jede Blüte zählt“, bei dem Teilnehmende ab Ende Mai die Blüten in ihren Gärten dokumentieren. Studien zeigen, dass längere Mähintervalle das Nahrungsangebot für Bestäuber, wie Bienen und Schmetterlinge, deutlich erhöhen. Empfohlene Maßnahmen umfassen selteneres Mähen, das Stehenlassen von Teilflächen, das Entfernen von Schnittgut sowie das Zulassen von wilden Ecken im Garten. Denn Rasenflächen nehmen in vielen Gärten mehr als die Hälfte der Fläche ein, bieten jedoch wenig ökologische Vielfalt. Der Rückgang von Wildpflanzen hat negative Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung von Insekten, die für die Bestäubung und Stabilisierung von Ökosystemen unerlässlich sind.
Die Kampagne „Mähfreier Mai“ und ihre Erfolge
Die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft (DGG) führt die Kampagne „Mähfreier Mai“ bereits seit fünf Jahren durch und hat damit die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Artenvielfalt in Gärten gelenkt. Ursprünglich in England ins Leben gerufen, wurde die Kampagne in Deutschland erfolgreich adaptiert. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass durch selteneres Mähen bis zu 93 Prozent mehr Schmetterlinge in Gärten erscheinen. Die DGG möchte auf die schädlichen Auswirkungen von kurzgeschorenem Rasen ohne blühende Kräuter für Insekten und Vögel hinweisen. Seit 2021 hat die Kampagne an Popularität gewonnen und wird in verschiedenen Medien behandelt. Auch 2025 ruft die DGG zur Teilnahme an der Kampagne auf und veranstaltet erneut den Wettbewerb „Jede Blüte zählt“, bei dem bis zum 31. Mai 2025 Zählergebnisse und Bilder von Blühflächen eingereicht werden können.
Die 25 besten Einsender*innen werden mit einem Samenpäckchen einer heimischen Wildblütenmischung belohnt, während die drei besten Zählergebnisse mit einem Sonderpreis ausgezeichnet werden. Am 1. Mai wird zudem der „Mähfreiertag“ gefeiert, um das Bewusstsein für die Bedeutung von Biodiversität zu schärfen.
Der Kontext der Biodiversität in Deutschland
Allerdings leidet Deutschland unter einem erheblichen Verlust der Biodiversität, verursacht durch die Klimakrise, Bodenversiegelung und Schadstoffbelastung. Aktuelle Studien zeigen, dass 26 Prozent der Pflanzen und 36 Prozent der Tiere gefährdet sind. Über 70 Prozent der natürlichen Lebensräume gelten als gefährdet. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde das Projekt gARTENreich ins Leben gerufen, das die Auswirkungen auf private Gärten untersucht. In Kooperation mit verschiedenen Institutionen, darunter das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und NABU, soll die quantitative Datenlage zu Gärten und deren Artenvielfalt verbessert werden.
Die ersten Phasen dieses Projekts, die sich mit den Motivationen und Hemmnissen für eine naturnahe Gestaltung befassen, sind bereits gestartet. Im Herbst 2023 werden weitere Phasen folgen, die schließlich zu einem Leitfaden für Hobbygärtner und Kommunen führen sollen. Ziel ist es, einen ökologischen Wandel in der Gesellschaft zu fördern und die Gesundheit der Pflanzen sowie die Biodiversität in den Gärten zu verbessern. Gartenbesitzer werden ermutigt, heimische Wildpflanzen zu verwenden, Nisthilfen aufzustellen und durch das Verwildern von Gartenbereichen zur Biodiversität beizutragen (National Geographic).