Am 8. Mai 2026, einem Datum, das in Deutschland eine tiefgreifende historische Bedeutung hat, fand im Evangelischen Gemeindehaus Engers eine bewegende Gedenkstunde statt. Organisiert von der Engerser Initiativgruppe „Gedenkort Engers“, versammelten sich zahlreiche Teilnehmer, um an das Ende des Zweiten Weltkriegs zu erinnern und das damit verbundene komplexe Erbe zu reflektieren. Die Atmosphäre war durchdrungen von einem Gefühl der Nachdenklichkeit und dem Drang, die Vergangenheit aufzuarbeiten.
Günther Salz, Sprecher der Initiativgruppe, begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Veranstaltung mit einer eindringlichen Botschaft. Manfred Pohlmann, ein weiterer wichtiger Redner des Abends, sorgte gleich zu Beginn mit dem Antikriegslied „Es ist an der Zeit“ für einen emotionalen Auftakt. Salz erinnerte daran, dass die Befreiung Engers durch amerikanische Truppen im März 1945 nicht von allen als positiv wahrgenommen wurde. Viele Deutsche, so seine Worte, hätten sich nicht als Befreite, sondern eher als enttäuschte Anhänger eines gescheiterten Führers gefühlt. Ein gewisses Maß an Selbstmitleid und das Verdrängen der Erinnerung an den Holocaust prägten die Stimmung jener Zeit.
Kritische Reflexionen und Friedensbotschaften
Ein eindrucksvoller Moment des Abends war die Erinnerung an die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die 1985 gehalten wurde. Diese Rede stellte einen Wendepunkt in der deutschen Aufarbeitung dar, indem sie den 8. Mai nicht als Niederlage, sondern als Befreiung vom Nationalsozialismus interpretierte. Ein Mitschnitt dieser Rede wurde während der Gedenkstunde abgespielt, was die Anwesenden sichtlich berührte.
Die Mitglieder der Initiativgruppe nutzten den Abend auch, um über aktuelle geopolitische Entwicklungen und die Politik der „Zeitenwende“ zu diskutieren. Helmut Gelhardt stellte den Aufruf der „Nußdorf-Gemeinde“ vor, der sich gegen die Rechtfertigung von Kriegen wendet. Pfarrerin Natalie Wilcke sprach über die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands, die einen Balanceakt zwischen Gewaltfreiheit und der Notwendigkeit von Gegengewalt beschreibt. Auch Heinz Briese, der einen Auszug aus dem letzten Buch von Papst Franziskus vorlas, trat vehement für eine friedliche Konfliktlösung ein und bezeichnete Krieg als Wahnsinn.
Ein Abend des Nachdenkens
Angelika Gelhardt präsentierte eine eindringliche Mahnrede des neapolitanischen Kardinals Battaglia, in der er die „Händler des Todes“ aufforderte, innezuhalten und menschliches Leben zu respektieren. Man merkt, dass solche Worte nicht nur leer sind, sondern ein tiefes Bedürfnis nach Frieden und Respekt in einer oft chaotischen Welt widerspiegeln. Den Abschluss der Gedenkstunde bildete Manfred Pohlmann mit dem Lied „Leben einzeln und frei“, gefolgt von einem Friedenssegen von Pfarrerin Natalie Wilcke und einem gemeinsamen Friedenslied, das die Gemeinschaft zusammenbrachte.
Der Gedenktag ist mehr als nur ein Datum in einem Kalender. Er bietet Raum für kritische Reflexion und fördert das Bewusstsein über die eigene Geschichte. Gedenktage und Jubiläen, wie der 8. Mai, können als Kommunikationsforen dienen, durch die wir die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Atemzug betrachten. Diese Veranstaltungen sind nicht nur wichtig für die individuelle Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern auch für die gesellschaftliche Erinnerung. Sie ermöglichen uns, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und diese in unsere heutige Lebensrealität zu integrieren.
Besonders bemerkenswert ist, dass solche Gedenkveranstaltungen oft von hochrangigen Politikern begleitet werden, die durch ihre Reden verschiedene Deutungen der Geschichte vermitteln und zur Reflexion anregen. Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der wir, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier es ausdrückte, befürchten müssen, dass wir nicht aus der Geschichte gelernt haben. Diese Gedenkstunde in Engers war ein Schritt auf dem Weg zur weiteren Aufarbeitung und zur Förderung des Friedens.