In Speyer bereitet sich die Theater-Gruppe des Gymnasiums am Kaiserdom (GaK) auf ein spannendes Ereignis vor. Am Sonntag feiert das Drama „Das Tribunal“ von der britischen Autorin Dawn King Premiere in der Heiliggeistkirche. Es ist kein gewöhnliches Theaterstück – es entfaltet die düstere Vision einer Dystopie, die sich um die Klimakatastrophe dreht. Neun Zehntklässler, zwei Oberstufenschüler und ein Abiturient proben fleißig, um ihre Botschaft auf die Bühne zu bringen. Unter der Leitung von Timo Effler, dem Lehrer und Leiter der Theater-AG, werden sie in die komplexe und herausfordernde Thematik eintauchen, die uns alle betrifft.
Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel hat in der Literatur und auch in der Kunst einen festen Platz gefunden. Ein weiteres Beispiel ist die Ausstellung «Climate Fiction», die in Zürich im Literaturmuseum Strauhof eröffnet wurde. Diese Ausstellung zeigt die Vielseitigkeit der Klimafiktion, die als bedeutender Literaturtrend gilt. Kurator Rémy Jaccard hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Genres zu beleuchten, die sich mit der globalen Erderwärmung auseinandersetzen. Ob Science Fiction, Thriller oder Beziehungsgeschichten – der gemeinsame Nenner bleibt die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen des Klimawandels.
Ein Blick auf die Ausstellung
In der Ausstellung wird ein Überblick über klimafiktionale Werke präsentiert, unter anderem durch typografisch gestaltete Zitattafeln. Bildschirme zeigen beeindruckende Aussagen von Schriftstellern zu Umweltthemen, während Grafiken die alarmierenden Entwicklungen der letzten Jahre veranschaulichen – wie etwa die zunehmende Wasserknappheit oder das Aussterben von Tierarten. Zwei zentrale Bücher der Ausstellung sind „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson, das die Schaffung einer Institution zur Bekämpfung der globalen Erwärmung thematisiert, und die Dystopie „Présence de la mort“ von Charles Ferdinand Ramuz. Letzteres wird erstmals ins Deutsche übersetzt – ein aufregender Schritt, der durch diese Ausstellung angestoßen wurde!
Das Begleitprogramm der Ausstellung umfasst Lesungen, Führungen und Diskussionsrunden, was sicherlich viele Interessierte anlocken wird. Die Ausstellung ist bis 8. Januar 2023 geöffnet – ein guter Grund, um einen Abstecher nach Zürich zu planen!
Climate Fiction in Deutschland
Die Verbindung von Kunst und der drängenden Klimakrise ist nicht neu. Seit Jahrtausenden inspirieren Naturkatastrophen Künstler und Schriftsteller. In Deutschland hat sich das Genre der „Climate Fiction“ jedoch erst langsam etabliert. Gregers Andersen, ein dänischer Kulturwissenschaftler, sieht es als Ergänzung zur Klimawissenschaft. Es stellt zukünftige Lebensweisen dar, die auf wissenschaftlichen Prognosen basieren. In der deutschen Literatur dominieren oft dystopische Szenarien, wie Frank Schätzings „Der Schwarm“, der nach dem verheerenden Tsunami 2004 besonders an Bedeutung gewann.
Aber nicht nur das – es gibt auch Lichtblicke. Uwe Laub hat den Climate Fiction Writer Europe gegründet, um das Genre in Deutschland zu fördern und den Klimawandel als zentrales Thema in der Literatur zu etablieren. Literatur hat die Kraft, Trost zu spenden und uns mit den Veränderungen in unserer Welt zu konfrontieren. Julia Hoydis, eine Literaturwissenschaftlerin, betont die Bedeutung von Hoffnung in der Literatur – eine Perspektive, die angesichts der aktuellen Herausforderungen von unschätzbarem Wert ist.
Wenn also die GaK-Schüler in Speyer mit ihrem Stück „Das Tribunal“ die Bühne betreten, treten sie in die Fußstapfen vieler Künstler, die sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzen. Ihre Darstellung könnte nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen – über die Zukunft unserer Erde und die Verantwortung, die wir tragen.
