In Rheinland-Pfalz tut sich gerade einiges im Bereich Lotto. Lotto Rheinland-Pfalz steht vor einer Veränderung in der Führungsetage: Künftig wird das Unternehmen von zwei Geschäftsführern geleitet. Christian Baldauf von der CDU ist bereits gesetzt, während der SPD-Politiker Hendrik Hering in Aussicht steht. Der Aufsichtsrat entscheidet am kommenden Donnerstag über diese neue Doppelspitze. Das gibt Anlass zur Diskussion und bringt einige kritische Stimmen auf den Plan.
Jürgen Häfner, der seit 2014 alleiniger Geschäftsführer war, verlässt Lotto Rheinland-Pfalz Ende Mai. Er war nicht nur Geschäftsführer, sondern zuvor auch ein prominenter SPD-Spitzenpolitiker. Mit einem Jahresgehalt von knapp 200.000 Euro hat er sich ein beachtliches Sümmchen verdient. Baldauf, der nun auf Häfner folgen soll, ist derzeit einfacher Abgeordneter und hat zuvor ein ähnliches Gehalt bezogen. Hering, der die letzten zehn Jahre als Landtagspräsident diente, hat ebenfalls ein Jahreseinkommen von etwa 200.000 Euro. Die geplante Vergütung für den neuen Geschäftsführerposten soll gleich hoch sein wie die des ersten Geschäftsführers.
Kritik an der Doppelspitze
Die Entscheidung, einen zweiten Geschäftsführer zu installieren, stößt auf Widerstand. Die Grünen und die AfD äußern Bedenken. Katrin Eder, die Fraktionschefin der Grünen, bezeichnet den Schritt als „äußerst fragwürdig“. Auch die AfD wirft der neuen Landesregierung eine „Selbstbedienungsmentalität“ vor. Der Steuerzahlerbund schaltet sich ebenfalls ein und vergleicht die Situation mit früheren Wahlkampfkritiken. In vielen anderen Bundesländern gibt es lediglich eine Geschäftsführung bei den Lottogesellschaften. Nur Brandenburg, Saarland und Hamburg haben zwei Geschäftsführer.
Die Gründung von Lotto RLP geht bis ins Jahr 1948 zurück. Das Land Rheinland-Pfalz hält 51% der Anteile, was die Frage nach der Verantwortung und Transparenz in der Führung aufwirft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die kritischen Stimmen gehört werden.
Ein Blick auf die Glücksspielregulierung
Diese Veränderungen fallen in einen größeren Kontext, denn die 16 Lotteriegesellschaften im Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) haben sich auf eine gemeinsame Position zum neuen Glücksspielstaatsvertrag ab 2021 verständigt. Ihr Ziel? Die Stärkung des gemeinwohlorientierten Glücksspiels in Deutschland. Jürgen Häfner betonte noch, dass das staatliche Glücksspiel den Anforderungen an Suchtprävention, Minderjährigenschutz und Spielerschutz entspricht. Der DLTB setzt sich zudem für ein einheitliches Vorgehen über alle Bundesländer hinweg ein und fordert eine länderübergreifende Aufsichtsbehörde für Online-Glücksspielangebote.
Besonders spannend wird es, wenn man bedenkt, dass die Lotteriegesellschaften keine Online-Casino-Spiele anbieten, da diese nach dem geltenden Glücksspielstaatsvertrag verboten sind. Das Thema Glücksspiel und die dazugehörige Regulierung sind also alles andere als trivial – das hat auch die neue Doppelspitze zu bewältigen, wenn sie denn kommt.
