Schliessmeyer schließt: Zweibrücken verliert traditionsreiche Firma an KB Components
Heute ist der 10.06.2026, und das Geschehen in Zweibrücken wirft einen Schatten auf die lokale Wirtschaft. Der schwedische Konzern KB Components hat die traditionsreiche Firma Schliessmeyer übernommen, was nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für die 60 betroffenen Mitarbeiter gravierende Folgen hat. Schliessmeyer, gegründet im Jahr 1962 und spezialisiert auf die Kunststoffverarbeitung, wird zum Jahresende geschlossen, während die Produktion ins Ausland verlagert wird, voraussichtlich nach Osteuropa. Diese Nachricht, die in einer Betriebsversammlung im April von Jens Schließmeyer, dem ehemaligen Geschäftsführer, bestätigt wurde, hat die Belegschaft erschüttert.
Das Zweibrücker Werk, das über eine Produktionsfläche von 4000 Quadratmetern verfügt und unter anderem Spritzguss-Bauteile für namhafte Kunden wie Mercedes-Benz, John Deere und Beiersdorf fertigt, sieht sich jetzt einem drastischen Wandel gegenüber. Die Abwanderung erster Spritzgussmaschinen hat bereits begonnen, und obwohl die Auftragsbücher nach wie vor voll sind, sind die Kündigungen noch nicht vollständig ausgesprochen. Ein Zeichen dafür, dass die Unsicherheit groß ist. Die Gewerkschaft IG Metall hat zudem darauf hingewiesen, dass es bei Schliessmeyer keinen Betriebsrat gibt, was die Situation für die Mitarbeiter zusätzlich erschwert.
Ein Blick auf die Geschichte von Schliessmeyer
1962 wurde Schliessmeyer gegründet und hat sich seitdem einen Namen in der Kunststoffverarbeitung gemacht. Im Jahr 2016 wurde das Unternehmen an die Ernst & Cie AG verkauft, und es wurde ein langfristiger Mietvertrag für die Gebäude abgeschlossen. Vier Jahre später, 2020, erwarb Schliessmeyer die Firmen Spectrum GmbH und Spritzgussa Plastics – ein Schritt, der die Ambitionen des Unternehmens unterstrich. Dennoch scheint dieser Aufwärtstrend nun abrupt zu enden, während der Konzern KB Components mit weltweit rund 2000 Mitarbeitern und 14 internationalen Standorten die Kontrolle übernimmt.
Die Schliessmeyer-Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft. Armin Henning, der Standortleiter, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, was die Fragen und Sorgen der Belegschaft weiter anheizt. Die Mitarbeiter fühlen sich angesichts dieser Entwicklungen verständlicherweise in ihrer Existenz bedroht. Und das bei einem Unternehmen, dessen Umsatz für 2024 auf rund 13,7 Millionen Euro für die drei Firmen erwartet wird.
Wirtschaftliche Perspektiven und die Rolle von KB Components
Die Entscheidung von KB Components, die Produktion nach Osteuropa zu verlagern, könnte mit den niedrigeren Lohnkosten in diesen Ländern zusammenhängen. Auf der einen Seite wird damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesteigert, auf der anderen Seite stehen die Arbeitsplätze in Zweibrücken auf der Kippe. Hier kommen wir zu einem klassischen Dilemma: Kosteneffizienz versus soziale Verantwortung. Die Schliessmeyer-Mitarbeiter sind nicht nur Zahlen auf einem Blatt Papier, sie sind Menschen mit Familien, Träumen und Verpflichtungen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen auch die menschliche Komponente in dieser Entscheidung nicht aus den Augen verlieren. Vielleicht gibt es ja noch einen Weg, um die wertvollen Arbeitsplätze in Zweibrücken zu sichern. Doch im Moment sieht es eher nach einem traurigen Kapitel für die lokale Wirtschaft aus.
Für viele Zweibrücker wird dieser Verlust mehr sein als nur eine wirtschaftliche Enttäuschung. Es ist ein Stück Heimat, das verschwindet – und das lässt niemanden kalt.
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