In der kleinen Stadt St. Wendel, die sich in der Nähe der österreichischen Grenze befindet, wird die goldene Ära der 1920er Jahre lebendig. Zurzeit läuft im Museum St. Wendel die Sonderausstellung „Kunst & Kommerz – Mode im Zeitgeist von 1925-1935“, die noch bis zum 27. September zu bestaunen ist. Neben der faszinierenden Mode dieser Zeit gibt es ein spannendes Begleitprogramm, das unter anderem einen Charleston-Kurs umfasst. Der Kurs wird von Tanzlehrer Michael Erbelding geleitet und zieht mit 28 Teilnehmern eine bunte Mischung aus Tanzbegeisterten an, die sich teilweise im typischen Dresscode der 1920er Jahre kleiden.

Der Charleston, ein Tanz, der seinen Ursprung in den afro-amerikanischen Plantagentänzen hat, wurde in den 1920er Jahren als „weißer“ Gesellschaftstanz etabliert. Ursprünglich als provokant und unsittlich wahrgenommen, gilt er heute als Ausdruck der Freiheit und der Lebensfreude, die die Jugend dieser Zeit suchte. Teilnehmer des Kurses üben in Reihen und variieren das Tempo, während sie zu den Klängen von „Tain’t what you do (It’s the way that you do it)“ tanzen, auch eine Hymne des Lindy Hop. Michael Erbelding erklärt, wie Arme und Unterkörper unterschiedliche Bewegungen ausführen, was die Dynamik des Tanzes ausmacht.

Die Faszination des Charleston

Besonders spannend ist die Verbindung zwischen dem Charleston und der Geschichte der Flapper und Speakeasy-Lokale. Frauen tanzten oft alleine oder in Gruppen, um sich über die Alkoholprohibition in den USA lustig zu machen. Der Charleston war nicht nur ein Tanz, sondern auch ein Ausdruck des selbstbewussten Auftretens der Frauen der 1920er Jahre. Die berühmte Josephine Baker trug maßgeblich dazu bei, den Charleston in europäischen Metropolen wie Berlin bekannt zu machen, ganz in einem lasziven Tanzkostüm. Diese Zeit war geprägt von einem neuen, frechen Lebensstil, der in der Luft lag – man fühlte sich einfach frei!

Die Teilnehmer des Kurses in St. Wendel, darunter das Paar Dirk und Erika Altpeter, haben sichtlich Spaß am Tanzen und zeigen bereits Fortschritte. Sie sind seit einiger Zeit in der Tanzschule Erbelding aktiv, haben ursprünglich mit einem Grundkurs begonnen und sind jetzt beim Lindy Hop angekommen. Nach einer kleinen Pause üben sie nun eine Choreografie, die den zeitgenössischen Charme des Charleston weiterlebt. Das Zusammenspiel von verschiedenen Tänzen, wie dem Lindy Hop, Jive und Boogie-Woogie, zeigt, wie stark der Charleston die Tanzwelt beeinflusst hat.

Ein Stück Geschichte erleben

Die Stadt Charleston selbst hat versucht, sich von diesem Tanz zu distanzieren, indem sie Zehntausende von Dollars ausgab, um das Image zu verbessern. Tanzlehrer in den USA verurteilten den Charleston auf einem Kongress, während europäische Tanzlehrer sich dem anschlossen. Aber die Begeisterung für den Tanz ließ sich nicht aufhalten. Einige Jahre später begannen Tanzschulen, mit Charleston-Tanzkursen Geld zu verdienen, was die anhaltende Beliebtheit des Tanzes unterstreicht.

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So wird der Charleston nicht nur in St. Wendel, sondern auch in vielen anderen Orten als Ausdruck einer unbeschwerten Zeit gefeiert. Es ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Tanz und Kultur miteinander verwoben sind und wie sie die Atmosphäre einer ganzen Ära prägen können. Wer also die Möglichkeit hat, diese Exkursion in die Vergangenheit mitzuerleben, sollte sie nicht verpassen!

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