Am 17. Juni fand in Oschersleben ein ganz besonderer Tag statt – der zweite inklusive Projekttag für die Siebtklässler des Gymnasiums des Bördecampus in Gröningen. 26 Schülerinnen und Schüler machten sich auf den Weg, um die Werkstätten der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung zu besuchen. Was sie dort erlebten, war nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein ganz neues Verständnis für die Zusammenarbeit zwischen Generationen und Menschen mit Behinderungen. Der Projekttag wurde von der Stiftung organisiert und stellte eine wertvolle Gelegenheit dar, um die inklusiven Bildungsansätze in Deutschland greifbar zu machen. Quelle.

Der Tag begann mit einem Besuch im Bildungsbereich der Stiftung, wo junge Menschen mit Behinderungen auf Arbeitsbereiche vorbereitet werden. Hier ist die Berufsvorbereitung auf zwei Jahre angelegt und umfasst auch spannende Holzarbeiten. Und so kam es, dass die Schüler beschlossen, bunte Insektenhotels zu bauen. Mit Anleitung von Auszubildenden der Stiftung packten sie voller Elan und Kreativität an. Das Klopfen, Sägen und Bohren war beinahe musikalisch – die Schüler waren mit vollem Einsatz dabei!

Interaktion zwischen Jung und Alt

Nach der handwerklichen Arbeit ging es weiter ins „Grüne Haus“, wo Seniorinnen und Senioren betreut werden. Hier wurde es richtig lebhaft. Zusammen mit den älteren Menschen fanden anregende Gespräche statt. Brettspiele wurden gespielt – und ganz nebenbei wurden auch Bienentränken gebastelt. Es war schön zu sehen, wie die Jugendlichen mit den Senioren interagierten. Lehrerin Karina Hentrich bemerkte, dass der Austausch beiden Seiten viel Lernwert brachte, denn gemeinsame Ziele verbinden. Das bestätigte auch Heidi Lipka von der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung, die von der Empathie und Tatkraft der Schüler sehr angetan war.

Solche inklusiven Projekte sind wichtig, denn sie tragen zur Schulung des Bewusstseins für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen bei. In Deutschland ist inklusive Bildung ein Menschenrecht und wurde durch die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahr 2009 festgeschrieben. Doch die Realität sieht oft anders aus. Über 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK zeigt die Bilanz, dass 55,9% der Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schuljahr 2023/24 Förderschulen besuchen. Die Exklusionsquote stagniert, in einigen Bundesländern ist sie sogar gestiegen. Die Trennung von Diagnostik und Pädagogik wird als notwendig erachtet, um die Rolle der Sonderpädagoginnen zu stärken und das inklusives Schulsystem zu fördern. Das alles sind Herausforderungen, mit denen sich die Schulen und die Gesellschaft auseinandersetzen müssen, um die soziale Teilhabe aller zu gewährleisten.

In solchen Projekttagen wie in Oschersleben wird die Vision einer inklusiven Gesellschaft greifbar. Hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch ein Gefühl für Gemeinsinn und das Miteinander – etwas, das in unserer heutigen Zeit oft zu kurz kommt. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der vielleicht für die Zukunft mehr bewirken kann.

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