In der kleinen Stadt Kamenz, die nicht weit von Bautzen entfernt liegt, brodelt es. Die lokale Geburtsabteilung im Krankenhaus St. Johannes steht vor der Schließung – und das sorgt für ordentlich Aufregung. Oberbürgermeister Michael Preuß ist besorgt und äußert sein Bedauern über die Entscheidung, die für Ende Mai 2026 geplant ist. Der Verlust der Geburtsabteilung hat weitreichende Auswirkungen auf werdende Eltern, das medizinische Personal und die Gesundheitsversorgung vor Ort. Immerhin wurden im Jahr 2022 in der Kamenzer Klinik noch über 400 Kinder geboren, während die Zahl im Jahr 2025 auf nur noch 316 gesunken ist. An 49 Tagen im Jahr 2025 kam kein Kind zur Welt, doch die Klinik musste trotzdem eine 24-Stunden-Bereitschaft aufrechterhalten. Irgendwie surreal, oder?
Die Kreisräte sind alarmiert und diskutieren die Folgen der angekündigten Schließung. Der Landkreis hat allerdings keine rechtliche Handhabe, um in den Betrieb des privat geführten Krankenhauses einzugreifen. Roland Danz, Kreisrat der Freien Wähler, fordert von Sozialministerin Petra Köpping (SPD), alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Schließung abzuwenden. Was bleibt den Verantwortlichen anderes übrig, als sich für die medizinische Versorgung stark zu machen? Eine Sondersitzung des Kreistags dauerte ganze fünf Stunden, am Ende wurde ein einstimmiger Antrag beschlossen, der den Bautzener Landrat Udo Witschas (CDU) beauftragt, Gespräche mit der Krankenhausleitung, dem sächsischen Sozialministerium und der Landesdirektion zu führen. Es scheint, als wäre das Thema so wichtig, dass alle an einem Strang ziehen.
Die Sorgen der Bürger
Der Kamenzer Oberbürgermeister zeigt sich optimistisch und hofft, dass bis zum 31. Mai eine Lösung gefunden werden kann. Doch die Unsicherheit bleibt. Preuß hat umgehend das Gespräch mit der Krankenhausgeschäftsführung gesucht, um die Hintergründe der Entscheidung zu klären. Er betont die Notwendigkeit von Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit – und das ist mehr als verständlich. Schließlich ist die Geburt eines Kindes ein bedeutender Moment, der eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Betreuung erfordert. Fehlt es an der Geburtsabteilung, stellen sich viele werdende Eltern die Frage: Wo sollen wir hin? Und wie sieht es mit der medizinischen Versorgung aus?
Die Schließung steht im Widerspruch zu früheren Aussagen der Krankenhausleitung, die im Jahr 2026 eine andere Zukunft für die Geburtsabteilung angekündigt hatten. Das lässt die Sorgen der Bürger nur noch wachsen. Preuß dankt zudem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geburtsabteilung für ihr Engagement und ihre Kompetenz. Aber was wird aus all dem, wenn die Abteilung tatsächlich geschlossen wird? Man fragt sich, wie viele Familien dadurch in die Bredouille geraten könnten.
Der Kontext der ländlichen Gesundheitsversorgung
Im ländlichen Raum ist die medizinische und pflegerische Versorgung ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Bevölkerung erwartet eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung, egal wo sie wohnt. In ländlichen Regionen wie Kamenz gibt es weniger Einrichtungen als in städtischen Zentren. Das heißt im Klartext: Lange Anfahrtswege für Patienten und oft nur begrenzte Verfügbarkeit von spezialisierten Versorgungsleistungen. Besonders kritisch wird es, wenn man bedenkt, dass in ländlichen Gebieten auch Kinder- und Jugendärzte nicht wirtschaftlich tragbar sind, weil die Anzahl der jungen Patienten oft gering ist. An jedem Ort, wo man hinsieht, wird die Erreichbarkeit der nächsten medizinischen Einrichtung zum zentralen Thema.
In Mecklenburg-Vorpommern leben beispielsweise 10.500 Kinder und Jugendliche mehr als 20 Kilometer vom nächsten Kinderarzt entfernt. Das ist nicht nur eine Zahl, das sind echte Menschen, die echte Hilfe brauchen. Innovative Versorgungsmodelle sind notwendig, um die Situation in ländlichen Gebieten zu verbessern. Kooperationen zwischen Gesundheitsberufen, telemedizinische Angebote und mobile Gesundheitsdienstleister könnten hier Lösungen bieten. Doch solange die Schließung von Abteilungen wie der in Kamenz im Raum steht, bleibt die Frage, wie es um die zukünftige Gesundheitsversorgung bestellt ist.
Am Ende wird deutlich: Diese Situation in Kamenz ist kein Einzelfall. Es ist ein Teil eines größeren Problems, das viele ländliche Regionen betrifft. Die Diskussion um die Schließung der Geburtsabteilung wird wohl noch lange nicht abgeschlossen sein – und die Bürger werden genau hinsehen müssen, was die politischen Entscheidungsträger daraus machen.
