Heute ist der 1.06.2026, und während in Sachsen die ersten Sonnenstrahlen die Felder erhellen, gibt es am Horizont der Landwirtschaft dunkle Wolken. In Nordsachsen, wo Bruno Lindner das Heidegut Dahlen leitet, sieht es ganz schön herausfordernd aus. Sein 2.000-Hektar großer Pflanzenbaubetrieb hat aktuell 400 Tonnen Weizen unverkauft im Lager. Und das, während die neue Ernte in nur vier Wochen ansteht. Die Preise für Getreide sind seit Covid-19 erheblich gesunken – von etwa 300 Euro auf rund 180 Euro pro Tonne. Ein dramatischer Rückgang, der die Landwirte in eine prekäre Lage bringt.
Besonders schwierig ist es, die steigenden Kosten für Diesel, Maschinen und vor allem für Stickstoffdünger zu stemmen. Lindner und seine Kollegen stehen unter enormem Druck, denn der Landesbauernverband e.V. (SLB) warnt, dass die Situation für viele Betriebe existenzgefährdend sei. Verbands-Vize-Präsident Thomas Thiele betont, dass viele Landwirte liquiditätsmäßig unter Druck stehen. Eine echte Herausforderung, wenn man bedenkt, dass der Handel oft nicht ausreichend auf regionale Produkte fokussiert. Zudem gibt es viel Kritik am Import von Getreide nach Deutschland, was die Situation weiter verschärft.
Politische Unterstützung und Subventionen
Im Angesicht dieser Schwierigkeiten hat Agrarminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) angekündigt, Subventionen für Dünger und vergünstigten Diesel zu unterstützen. Außerdem wird der Einsatz von Getreide als Energiepflanze gefördert. Das könnte für Lindner und seine Kollegen eine kleine Hoffnung darstellen, um die Kosten zumindest teilweise zu decken. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Marktpreise bis zur Ernte Ende Juni steigen werden, um die finanzielle Belastung der Betriebe zu mindern.
Um die Preisentwicklung landwirtschaftlicher Produkte zu beobachten, wird in Deutschland der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte ermittelt. Diese Statistik ist nicht nur für die Europäische Kommission und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft von Bedeutung, sondern auch für landwirtschaftliche Verbände, die sie zur Deflationierung anderer wirtschaftsstatistischer Größen nutzen. Sie zeigt die Entwicklung der Erlöse landwirtschaftlicher Betriebe bei gegebener Erzeugung und gibt Aufschluss über die Produktionskosten bei gegebenem Betriebsmitteleinsatz.
Ein Blick auf die Einkaufspreise
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Index der Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel, der ebenfalls von der Europäischen Kommission und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft verwendet wird. Diese Zahlen helfen, die Preisentwicklung auf der Einkaufsseite zu beobachten. Die ermittelten Daten haben eine Leitfunktion für die gesamte Branche und sind unerlässlich für die Planung und Kalkulation der Betriebe, die gerade in Krisenzeiten wie diesen noch mehr auf präzise und verlässliche Informationen angewiesen sind.
Der Holzeinschlag aus den Wäldern der Bundesländer, der etwa 35 % des gesamten Holzeinschlags in Deutschland ausmacht, ist dabei ein weiteres Beispiel für die Komplexität der landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Preisentwicklung. Die Preisentwicklung ist nicht nur für die Landwirtschaft relevant, sondern hat auch Auswirkungen auf den gesamten Rohholz-Verkauf in Deutschland.
