Heute ist der 10.05.2026 und in Moorkaten, einem kleinen Ort in der Kaltenkirchener Heide, wird an eine bewegte Geschichte erinnert. Rolf Schröder, 93 Jahre alt, hat viel zu erzählen über die Transformation von einem Militärflugplatz zu einer der größten Autowerkstätten in Schleswig-Holstein. Seine Erinnerungen sind geprägt von den Veränderungen, die er miterlebt hat. Einst war das Areal ein Ort des Schreckens: Während des Zweiten Weltkriegs diente es als Militärflugplatz, wo Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge unter prekären Bedingungen arbeiten mussten.

Im Sommer 1945, nach der kampflosen Besetzung durch die Briten, änderte sich alles. Militärfahrzeuge wurden hier gesammelt. Ein britisches Luftbild aus Ende 1945 zeigt eine schockierende Anzahl an alten Wehrmachts- und Privatfahrzeugen, die auf dem ehemaligen Flugfeld abgestellt waren. Über 20.000 Fahrzeuge kamen unter britische Kontrolle und machten Moorkaten zum zentralen Fuhrpark in Schleswig-Holstein. Die britische Besatzungsmacht brachte die Fahrzeuge größtenteils per AKN-Bahn an. Schröders eigener Familien-PKW wurde damals beschlagnahmt – ein Schicksal, das viele in der Region teilten.

Vom Militär zum Zivilleben

Wie es weiterging? Nach dem Krieg wurden die ehemaligen Baracken des Flugplatzes in Werkstätten und Unterkünfte für rund 2.500 deutsche Kriegsgefangene umgewandelt. Diese Männer waren es, die die Militärfahrzeuge für den zivilen Gebrauch umgebaut haben, um das Transportwesen im Nachkriegsdeutschland wieder aufzubauen. Die reparierten Fahrzeuge kamen nicht nur der Polizei und Feuerwehr zugute, sondern waren auch für die ärztliche Versorgung und die Lebensmittelauslieferung von großer Bedeutung. Trotz der Überwachung durch die Briten kam es zu Diebstählen und Schwarzmarktaktivitäten. Rolf Schröder erinnert sich an die Tauschgeschäfte seiner Familie, um an dringend benötigte Reifen zu gelangen.

Sechs Monate nach der britischen Übernahme wurde die Verwaltung des Fuhrparks in zivile Hände übergeben. Die Werkstatt entwickelte sich zum größten Arbeitgeber in der Umgebung mit bis zu 1.000 Mitarbeitern. Am 10. Mai 1950 wurde die ehemalige Start- und Landebahn schließlich gesprengt und der Fuhrpark aufgelöst – damit endete ein Kapitel in der Geschichte Moorkatens.

Der Flugplatz Kaltenkirchen und seine düstere Vergangenheit

Der Flugplatz Kaltenkirchen selbst hat eine noch tiefere Geschichte, die bis ins Jahr 1940 zurückreicht. Zwangsarbeiter waren maßgeblich am Bau beteiligt, und die Bedingungen waren oft katastrophal. Die ersten Bauarbeiten begannen nach dem Kauf des Geländes im Jahr 1938, und schon bald war der Platz ein wichtiger Standort der Luftwaffe. Hier waren verschiedene Einheiten aktiv, darunter die I. Gruppe des Jagdgeschwaders 7, die mit dem damals modernsten Jet, der Me 262, ausgestattet war. Auch Sanitätsausbildungsabteilungen der Luftwaffe hatten hier ihr Domizil.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die dunkle Seite des Platzes zeigt sich auch in der Unterbringung von sowjetischen Kriegsgefangenen. Viele von ihnen starben unter den schlechten Bedingungen, und die Baracken wurden zu einem Ort des Leidens. Später wurde das Gelände, nach der Kapitulation, als Kriegsgefangenenlager genutzt, zeitweise mit bis zu 2.000 deutschen Gefangenen belegt. Diese tragischen Schicksale sind Teil der Geschichte, die das Gelände prägt. Heute ist es Teil des europäischen Natura2000-Programms und wird als FFH-Schutzgebiet geführt, während die Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit nicht vergessen werden dürfen.

Ein Ort der Veränderung und des Wandels

Jahre später, nach dem Ende der militärischen Nutzung, begann eine intensive Wiederaufforstung des Geländes. Über zwei Millionen Bäume wurden gepflanzt. Die Frage, welche Nutzung dem ehemaligen Flugplatz in der Zukunft zuteilwerden sollte, beschäftigt die Verantwortlichen weiterhin. Ideen wie Geschichts- und Naturlehrpfade stehen im Raum – aber die Herausforderungen, wie die Unterbindung von „wilder“ Nutzung, bleiben nicht unbemerkt. Das Gelände wird nun holzwirtschaftlich und weidewirtschaftlich genutzt, und die Pläne für eine öffentliche Erschließung sind in der Diskussion.

Die Geschichten über den Flugplatz Kaltenkirchen und die Autowerkstatt in Moorkaten sind nicht nur Teil der lokalen Geschichte, sondern sie werfen auch einen Blick auf die komplexen Themen von Krieg, Frieden und Wiederaufbau. Die Erinnerungen der Menschen und die Erzählungen über die damalige Zeit sind wichtig, um die Vergangenheit zu verstehen und hoffentlich aus ihr zu lernen. Wer mehr über diese Thematik erfahren möchte, findet im Bundesarchiv eine Fülle von Informationen zur Kriegsgefangenschaft im zweiten Weltkrieg.