Heute ist der 20.05.2026 und die Situation in Schleswig-Holstein wirft Fragen auf, die sich nicht nur hierzulande stellen. In den Schulen des Bundeslandes bleiben tausende Laptops und Tablets, die vom Land angeschafft wurden, ungenutzt. Laut einer Kleinen Anfrage der SPD im Landtag wurden seit 2021 insgesamt 34.900 Geräte verteilt, doch nur 31.120 von ihnen wurden eingeschaltet. Das lässt aufhorchen, oder? Im vergangenen Jahr waren lediglich etwa 24.000 Geräte tatsächlich im Einsatz – eine Diskrepanz, die nicht unbemerkt bleiben kann.
Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Martin Habersaat, hat die Landesregierung wegen dieser Steuerverschwendung scharf kritisiert. „Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass so viele Geräte ungenutzt bleiben“, so Habersaat. Er fordert eine Prüfung, ob in diesem Jahr neue Geräte benötigt werden, da diese alle fünf Jahre ausgetauscht werden sollen. Der Bund der Steuerzahler schließt sich dieser Forderung an und verlangt ein einheitliches Digitalisierungskonzept für Schulen, da viele Ausgaben nicht am tatsächlichen Bedarf orientiert waren. Rainer Kersten, Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, betont zudem die Notwendigkeit eines leistungsfähigen WLAN-Systems und passender Endgeräte.
Digitalisierung im Klassenzimmer
Es ist kaum zu fassen, aber die Lebenswelt von Schülern, Eltern und Lehrkräften findet stark auf digitalen Plattformen statt. Ironischerweise sind diese auf den Tablets des Landes teilweise nicht einmal erlaubt. Das Bildungsministerium Schleswig-Holstein erklärt, die Geräte seien für den digitalen Unterricht angeschafft worden und einige als Reserve für neue oder vertretende Lehrkräfte. Doch Staatssekretär Tobias von der Heide räumt ein, dass es Geräte gibt, die noch nicht im Einsatz sind. Es wird also deutlich, dass hier etwas im Argen liegt.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW SH) sieht ebenfalls keine klare Erklärung dafür, warum Lehrkräfte häufig ihre eigenen Laptops nutzen. Pressesprecher Bernd Schauer vermutet, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihre eigenen Geräte bevorzugen, weil diese technisch besser sind und sie damit einfach vertrauter umgehen können. Das ist nachvollziehbar, denn fehlende oder verzögerte Softwarelizenzen erschweren den Einsatz der Schulgeräte zusätzlich. Lehrkräfte äußern in sozialen Medien, dass die Laptops im Schulalltag kaum nutzbar seien und kritisieren die langsame Leistung sowie Einschränkungen bei der Softwareinstallation.
Der Digitalpakt 2.0 und seine Herausforderungen
Am Donnerstag wurde der Digitalpakt 2.0 von Bund und Ländern beschlossen – ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man meinen. Das Land will nun zeitnah mit der Umsetzung beginnen. Doch die Frage bleibt: Wird dieser Pakt wirklich die nötigen Veränderungen herbeiführen, oder bleibt er eine leere Hülle? Die Herausforderungen sind groß, und die Bedenken der Lehrkräfte sind mehr als nur ein Schattenspiel. Die Geräte müssen nicht nur zur Verfügung stehen, sie müssen auch praktikabel im Unterricht einsetzbar sein.
Die Situation in Schleswig-Holstein ist ein Spiegelbild der digitalen Herausforderungen, mit denen viele Schulen in Deutschland konfrontiert sind. Die Kluft zwischen dem, was politisch beschlossen wird, und der Realität im Klassenzimmer wächst. Es bleibt abzuwarten, ob die neue Initiative die dringend benötigten Veränderungen herbeiführen kann. Einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen findet man auch bei Golem.