Heute ist der 8.05.2026 und in Lübeck brodelt die Stimmung. Ein wichtiges Thema, das die Region und darüber hinaus betrifft, ist die geplante Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Hamburg, die für den Zeitraum vom 3. bis 19. Oktober 2026 angekündigt wurde. Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. hat sich nun mit einer Beschwerde an die Bundesnetzagentur gewandt. Der Grund? Die ursprünglich geplante Teilsperrung wurde kurzerhand in eine vollständige Sperrung umgewandelt. Und das sorgt für ordentlich Unruhe unter den Eisenbahnverkehrsunternehmen.
Die Auswirkungen wären enorm, das ist sicher. Der Lübecker Hafen, ein zentraler Knotenpunkt für den Warenverkehr nach Finnland sowie für Fracht in Richtung Süd- und Osteuropa, könnte vom kontinentalen Schienenverkehr abgehängt werden. Mehrere Unternehmen, die auf diesen Güterverkehr angewiesen sind, haben ebenfalls Beschwerde eingereicht. Laut dem NEE, das über 130 Mitglieder aus dem Schienengüterverkehr vertritt, haben diese nicht zur Deutschen Bahn gehören und einen Marktanteil von 60 Prozent halten, gibt es klare Bedenken. Die DB InfraGO hat die Mitglieder verspätet über die vollständige Sperrung informiert und dabei die gesetzliche Pflicht zur rechtzeitigen Ankündigung derartiger Maßnahmen missachtet.
Baukommunikation und fehlende Umleitungen
Die Kommunikationspannen scheinen sich zu häufen. Zahlreiche Eisenbahnverkehrsunternehmen klagen über die mangelhafte Baukommunikation der DB InfraGO. Die Gründe für die Totalsperrung sind nicht transparent und es gibt sogar Spekulationen über mögliche politische Einflussnahme auf den Vorstand der Deutschen Bahn. Ursprünglich war eine einseitige Sperrung geplant, die nun in eine Totalsperrung umgewandelt wurde. Da fragt man sich: Wie kann so etwas passieren?
Ein Ersatzkonzept mit Dieselloks gestaltet sich als äußerst schwierig. Die Strecke Lüneburg – Lübeck ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Zudem gibt es auf der Relation zwischen Lüneburg und Lübeck Einschränkungen aufgrund einer maroden Elbbrücke. Das alles führt dazu, dass alternative Umleitungsstrecken aufgrund von Infrastrukturengpässen nicht praktikabel sind. Die betroffenen Unternehmen rechnen mit erheblichen Verkehrs- und Einnahmeverlusten, insbesondere im Kombinierten Verkehr (KV). Und das ist nicht nur ein kleines Problem – das könnte massive Folgen für die regionale Wirtschaft haben!
Transparenz und Konsultation
Die Kritik der NEE richtet sich auch gegen die mangelnde Transparenz und die unzureichenden Konsultationen seitens der DB InfraGO. Unternehmen haben bereits Verträge mit ihren Kunden abgeschlossen, und die kurzfristige Änderung ist nicht nur unpraktisch, sie könnte auch fatale Folgen für die gesamte Branche haben. Im Schienengüterverkehr gibt es keinen Schienenersatzverkehr, was die Sache noch komplizierter macht. Die Gefahr, dass Verkehre auf Lastwagen umgeladen werden und für die Schiene verloren gehen, schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Verantwortlichen.
Die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur trägt das Aktenzeichen BK10-26-0164_Z. Betroffene Unternehmen können sich am Verfahren beteiligen. Es bleibt abzuwarten, wie die Bundesnetzagentur auf diese Situation reagieren wird und ob die betroffenen Unternehmen Gehör finden. Eines ist sicher: Die Region Lübeck wird dieses Thema noch eine Weile beschäftigen, und die Eisenbahnbranche muss sich dringend Gedanken über eine bessere Kommunikation und Planung machen.