In Schleswig-Holstein, genauer gesagt in Pinneberg, sorgt ein mutiger Schritt der Söhne der Holocaust-Überlebenden Marianne Wilke für Aufsehen. Diese haben das Bundesverdienstkreuz, das ihrer Mutter im Jahr 2015 von Torsten Albig (SPD) verliehen wurde, symbolisch zurückgegeben. Der Grund? Äußerungen von Albig, der einen pragmatischeren Umgang mit der AfD forderte. Diese Rückgabe geschah nicht aus einer Laune heraus, sondern als kraftvolles Zeichen des Protests gegen die politischen Entwicklungen in Deutschland. Marianne Wilke war eine Zeitzeugin und setzte sich zeitlebens gegen die nationalsozialistische Herrschaft ein. In einem offenen Brief an Albig betonten die Söhne, dass ihre Mutter für ein Verbot der AfD plädierte und sich vehement gegen rechtsradikale Strömungen stellte.
Der politische Diskurs in Deutschland hat sich in den letzten Jahren merklich verändert. Albig, der in einem Zeitungsinterview vorschlug, die Brandmauer zur AfD einzureißen, erntete heftige Kritik. Er warnt, dass die Sozialdemokratie in Deutschland gefährdet sei, wenn so weitergemacht werde. Jens Wilke, einer der Söhne, hofft, dass die Rückgabe des Verdienstkreuzes mehr Aufmerksamkeit auf den Umgang mit der AfD lenkt. Diese Rückgabe wurde zuerst vom Hamburger Abendblatt berichtet, und die Wellen schlagen hoch. Man fragt sich: Wo führt das alles hin?
Ein weiteres Zeichen des Protests
Die Rückgabe von Auszeichnungen ist keine Einzelfallgeschichte. Ein weiterer Holocaust-Überlebender, Albrecht Weinberg, möchte sein Bundesverdienstkreuz ebenfalls zurückgeben. Der 99-Jährige ist schockiert über die Zustimmung der Union zu einem Bundestagsantrag zur Migrationspolitik, der mit Stimmen der AfD durchgepeitscht wurde. Weinberg überlebte die Schrecken dreier Konzentrationslager: Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen. Seine Familie wurde nahezu vollständig von den Nazis ermordet. Diese Rückgabe, die er als spontane Entscheidung bezeichnet, zeigt das wachsende Unbehagen unter den Überlebenden, wenn es um den Umgang mit der extremen Rechten geht.
In einer gemeinsamen Absprache mit dem Mannheimer Fotografen Luigi Toscano, der auch seine Verdienstmedaille zurückgeben möchte, planen sie, ihre Auszeichnungen entweder persönlich beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier abzugeben oder in dessen Briefkasten zu werfen. Toscano, der das Erinnerungsprojekt „Gegen das Vergessen“ leitet, ist erschüttert über die Abstimmung im Bundestag und kritisiert, dass Probleme mit Migration nicht mit den „Steigbügelhaltern der Rechten“ gelöst werden dürfen. Die Stimmen der AfD im Bundestag haben eine neue, besorgniserregende Dimension erreicht.
Die Welle der Empörung
Die Union hat kürzlich einen Fünf-Punkte-Plan zur Verschärfung der Migrationspolitik verabschiedet, der mit Stimmen der AfD, FDP und fraktionslosen Abgeordneten durchging. Das erste Mal, dass die AfD im Plenum eine Mehrheit erzielte. Viele fragen sich, wie es soweit kommen konnte und was das für die Zukunft Deutschlands bedeutet. Bundespräsident Steinmeier bedauert die Rückgabe der Auszeichnungen und plant, sowohl Weinberg als auch Toscano zu einem Gespräch einzuladen. Das Internationale Auschwitz-Komitee zeigt Verständnis für die Entscheidung der beiden Überlebenden und stellt klar, dass es wichtig ist, diese Themen nicht aus den Augen zu verlieren.
In diesen turbulenten Zeiten wird deutlich, wie wichtig es ist, die Lehren der Geschichte zu bewahren und aktiv gegen das Vergessen zu kämpfen. Marianne Wilke, Albrecht Weinberg und Luigi Toscano sind Beispiele für Menschen, die trotz ihrer schmerzhaften Vergangenheit nicht schweigen und sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen. Ihre Geschichten und ihr Engagement sind ein eindringlicher Appell an die Gesellschaft, sich nicht von extremen politischen Bewegungen leiten zu lassen – und stattdessen für Menschlichkeit und Gedenken einzustehen.
