Heute ist der 14.05.2026 und die Stadt Suhl steht in den Startlöchern für eine besondere Feier. Zella-Mehlis, die benachbarte Stadt, würdigt das 500-jährige Bestehen des Schützenwesens. Dass diese Tradition so lange überlebt hat, ist schon eine kleine Sensation. Die erste urkundliche Erwähnung des Schützenwesens in Zella-Mehlis fand 1526 durch Pfarrer Kröhn statt. Das ist ein ganz schöner Brocken Geschichte! Schon damals wurden hohe Ausgaben für Pulver und Blei im Schießhaus dokumentiert. So viel zum Thema „Schützenverein“ – hier wurde von Anfang an auf Qualität gesetzt.

Doch das Schießen hatte in dieser Region bereits vor 1526 stattgefunden, auch wenn schriftliche Aufzeichnungen fehlten. Wenn man bedenkt, dass es 1642 über 140 Büchsenmacher in Mehlis und Zella St. Blasii gab, kann man sich vorstellen, wie bedeutend das Handwerk für die Region war. Der historische Abriss von Alf Treumann, Schatzmeister des Schützenvereins Zella-Mehlis 1891, gibt uns einen Einblick in diese spannende Vergangenheit. Die Entdeckung von Eisenerzlagerstätten führte dazu, dass Waldarbeiter zu Bergleuten und Metallhandwerkern wurden, was die Erzgewinnung zur dominierenden Erwerbsquelle machte. Zwischen Ende des 12. und Ende des 16. Jahrhunderts wurden über 76.000 Tonnen Eisenerz gefördert. Das ist eine Menge!

Gewehrhandel und seine Herausforderungen

Die Geschichte des Gewehrhandels in Zella ist ebenfalls bemerkenswert. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts florierten Gewehrhandlungen in der Stadt. 1603 wurde die Innung der Rohrschmiede und 1629 die Innung der Schlösser und Büchsenmacher offiziell bestätigt. Doch die Zeiten änderten sich. Anfang des 18. Jahrhunderts stockte der Gewehrhandel in Zella, als bessere Arbeitsangebote und Löhne anderswo lockten. Ein gewisser Amtmann Kundel empfahl 1734 höhere Löhne in Zella, um die Abwanderung der Arbeiter zu verhindern. So mancher Büchsenmacher zog es vor, sein Glück in Städten wie Potsdam, Suhl oder Schmalkalden zu suchen.

Die Abwanderung war ein ernstes Problem. 1742 begann die Abwanderung von Arbeitern aus Zella und Mehlis, was die Hinterbliebenen in Sorgen versetzte. Herzog Friedrich zu Sachsen ließ nichts unversucht und bat Friedrich den Großen um ein Verbot der Abwerbung von Arbeitern. Das war ein echter Wettlauf um die Talente! 1842 gab es in Zella und Mehlis jeweils 150 Büchsenmachermeister und 60 Gesellen. Die Gewehrfabrikation in Zella und Mehlis belieferte sogar Russland und Dänemark. Man stelle sich das mal vor: Das kleine Zella war im internationalen Geschäft unterwegs!

Die Blütezeit der Büchsenmacher

Im Jahr 1832 berichtete Dr. Karl Herzog, dass fast alle 1200 Einwohner von der Gewehr- und Eisenwarenfabrik lebten. Die Eisenhämmer in Zella und Mehlis produzierten jährlich 1600 Zentner Eisen. Ein großer Bedarf, denn Büchsenmacher benötigten jährlich 450 Zentner Eisen und die Rohrschmiede 150-160 Zentner. Von 1791 bis 1794 wurden in Zella über 14.138 Flintröhre beschossen – da kann man sich schon fragen, wie viele Hände für jede Waffe nötig waren. Jedes Gewehr wurde von 58 Personen gefertigt. Zwischen 1795 und 1811 lieferte die Gewehrfabrik beeindruckende 126.624 Flinten, Doppelflinten und Musketen.

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Die Namen der Gewehrhändler wie Ernst, Klett und Söhne oder Bartholmäs sind noch heute in den Geschichtsbüchern verankert. Ab 1867 waren Zella und Mehlis sogar bekannt für Luxuswaffen, wobei Zella in der Gewehrfabrikation dominierte und Mehlis in der Eisen- und Stahlindustrie. Die Geschichte der Walther-Waffenwerke, die 1886 mit Carl Wilhelm Freund Walther begann, ist ein weiterer faszinierender Teil dieser Tradition.

All diese Ereignisse und Entwicklungen zeigen, wie tief verwurzelt das Schützenwesen in der Region ist. Die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Bestehen sind nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch eine Erinnerung an die harten Zeiten und die beständigen Traditionen, die die Menschen hier geprägt haben. Wer weiß, vielleicht wird die nächste Generation von Schützen und Büchsenmachern diese stolze Geschichte fortsetzen!