In der Bremer Bahnhofsvorstadt tut sich etwas – und das nicht unbedingt zum Besten. Am 2. Juni 2026 wurden besorgniserregende Nachrichten über ein Wohn-Hochhaus veröffentlicht, dessen Fassade bröckelt. 100 Balkone mussten im vergangenen Jahr aufgrund akuter Einsturzgefahr von der Bauaufsicht gesperrt werden. Die Linksfraktion hat sich nun hinter den Senat gestellt und unterstützt Überlegungen, das marode Gebäude zu kaufen. Ziel dieser Initiative? Der Schutz der Mieterinnen und Mieter, die in diesem Zustand wohnen müssen. Eigentlich sollte das Hochhaus mit seinen rund 150 Wohneinheiten ein Zuhause sein – stattdessen steht es sinnbildlich für jahrelangen Verfall.
Ein Gutachten, das im Auftrag der Linksfraktion erstellt wurde, belegt die Möglichkeit einer Enteignung des bisherigen Eigentümers, einer Schweizer Kapitalgesellschaft. Dies könnte, falls der Ankauf scheitert, der letzte Ausweg sein, um das Gebäude wieder in einen bewohnbaren Zustand zu bringen. Der Weser-Kurier war der erste, der über die Kaufüberlegungen des Senats berichtete – und das, nachdem die Mängel im Gebäude immer drängender wurden.
Langsame Sanierung und drohendes Zwangsgeld
Doch das ist nicht die einzige Baustelle in Bremen. In der Rembertistraße stehen seit fast sechs Jahren 68 Wohnungen leer. Der Eigentümer, eine Fondsgesellschaft von Swiss Life, begründet den Leerstand mit umfangreichen Sanierungsarbeiten, die nach einem Brandschaden notwendig waren. Ein Kellerbrand hatte zur Evakuierung von 54 Bewohnerinnen geführt. Die Reinigung der verrauchten Wohnungen sollte eigentlich nur einige Wochen dauern, hat sich aber aufgrund von Asbest und Handwerkermangel ewig hingezogen. Jetzt droht Bausenatorin Özlem Ünsal (SPD) dem Eigentümer mit Zwangsgeld, um ihn endlich zum Handeln zu bewegen. Na ja, ein bisschen Druck kann ja bekanntlich nicht schaden!
Die Frist für die Rückführungsanordnung läuft bis Ende August 2023, und die Sanierungsarbeiten sollen bis Ende 2023 weitgehend abgeschlossen sein. Aber wer weiß, ob das auch wirklich klappt? Ein positiver Brandschutzbericht wird erst für April 2025 erwartet. Swiss Life, der Eigentümer, wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärt, dass die Wohnungen aufgrund fehlender Heizungs- und Wasserinstallationen nicht vermietbar sind. Klingt nach einer Ausrede, oder? Das Gebäude ist seit dem Brand unbewohnbar, und während die Eigentümer sich aus der Verantwortung ziehen, leidet die Mieterpopulation.
Ein drängendes Problem
Die Situation in Bremen ist nicht nur ein Einzelfall. Laut Zensus 2022 stehen insgesamt 13.650 Wohnungen in Bremen leer, davon 4.825 seit mehr als einem Jahr. Es gibt viele brachliegende Grundstücke und Gebäude, einige sind seit Jahrzehnten ungenutzt. Die rot-grün-rote Koalition hat zwar 2021 das Wohnraumschutzgesetz und 2023 das Wohnungsaufsichtsgesetz verschärft, aber der Fortschritt ist schleppend. Eine Taskforce zur Bekämpfung von Problemimmobilien hat bereits 91 Gebäude besichtigt und bei 50 Handlungsbedarf festgestellt. Ein echtes Wohnungsproblem, das nicht ignoriert werden kann!
Das Bremer Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ fordert sogar die Enteignung der Eigentümer und hat eine Petition ins Leben gerufen, die bereits 167 Unterschriften gesammelt hat. Der Druck auf die Stadt wächst, denn die Menschen benötigen dringend Wohnraum. Es bleibt abzuwarten, ob die Behörde die Enteignung als letztes Mittel in Betracht zieht. Aber eines ist sicher: Die Mieten steigen und die Möglichkeiten, diesen Problemen entgegenzuwirken, scheinen gegen die Untätigkeit der Eigentümer begrenzt.
Die Zukunft dieser Hochhäuser – und damit auch der Menschen, die hier wohnen oder wohnen möchten – bleibt ungewiss. Das Thema Wohnraum ist und bleibt eines der drängendsten Probleme in Bremen und darüber hinaus.
