Der Bodensee, eines der schönsten Reiseziele in Österreich und Deutschland, hat immer wieder mit den Veränderungen des Klimas zu kämpfen. Seit Anfang Juni 2023 ist am Konstanzer Yachthafen ein Sensor installiert, der die Wassertemperatur in einer Tiefe von etwa einem Meter misst. Alle 20 bis 40 Minuten werden neue Daten übermittelt. Das ist nicht nur ein technisches Gadget, sondern ein wichtiger Schritt, um die Veränderungen im Wasser besser nachvollziehen zu können. Denn die Wassertemperatur kann sich von Ort zu Ort stark unterscheiden – so ist sie beispielsweise im Untersee meist höher als im Obersee. Am Yachthafen ist es im Sommer oft wohlig warm, während der Seerhein kühler bleibt. An der tiefsten Stelle des Sees, die etwa 250 Meter tief ist, erreicht die Temperatur kaum fünf Grad Celsius. Das klingt nach einer feinen Erfrischung für einen heißen Sommertag, aber im Winter ist das Wasser oft unter fünf Grad. Der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Wassertemperatur im Jahr kann beeindruckende 20 Grad betragen!

Die letzte vollständige Eisbildung im Bodensee, auch als Seegfrörne bekannt, fand 1963 statt. Seither hat sich die Durchschnittstemperatur des Bodensees kontinuierlich erhöht. Seit den 1990er-Jahren liegt sie immer häufiger über 12 Grad Celsius, seit 2016 sogar über 13 Grad. Ein besorgniserregender Trend, der viele Experten alarmiert, denn steigende Wassertemperaturen haben negative Auswirkungen auf die Lebewesen im See. Eine unzureichende Durchmischung des Wassers kann zu Sauerstoffmangel in den tieferen Schichten führen. Laut der Internationalen Gewässerschutzkommission wird der Bodensee in Zukunft seltener vollständig abkühlen, was die Sorge um das Ökosystem weiter verstärkt.

Die Auswirkungen des Klimawandels

Umweltminister Franz Untersteller besuchte kürzlich das Institut für Seenforschung (ISF) der LUBW am Bodensee, um sich über die klimawandelbedingten Veränderungen zu informieren. Besonders nach dem heißen Sommer 2018 seien die Auswirkungen spürbar geworden. Hohe Temperaturen führten zu einem verstärkten Wachstum von Wasserpflanzen, Algen und sogar Süßwasserquallen. Flachwasserzonen fielen trocken, und die einst versteckten Sedimentstrukturen wurden sichtbar. Im ersten Halbjahr 2019 normalisierte sich der Wasserstand zwar etwas, aber die Folgen der Hitze sind nach wie vor präsent.

Die hohe Wassertemperatur hat auch einen direkten Einfluss auf den Sauerstoffgehalt im Bodensee. Hohe Temperaturen reduzieren den vertikalen Stofftransport, was bedeutet, dass weniger Sauerstoff in die tieferen Wasserschichten gelangt. Dies kann zu kritischen Sauerstoffwerten am Seegrund führen, insbesondere da absterbende Algen zusätzlich Sauerstoff verbrauchen. Ein Teufelskreis, der die Fischpopulationen gefährdet. Minister Untersteller betonte daher die Bedeutung des Bodensees als Ökosystem und Trinkwasserspeicher.

Ein Blick in die Zukunft

Experten sind sich einig: Die Region muss sich auf mehr Hitzewellen einstellen. Prognosen sprechen von Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius Mitte des Jahrhunderts. Die mittlere Oberflächentemperatur des Bodensees stieg von 10,5 °C im Jahr 1962 auf mittlerweile 13,6 °C im Jahr 2023. Ein Höchstwert von 14,1 °C wurde bereits 2022 erreicht. Auch in den tieferen Wasserschichten ist ein Anstieg von 4,3 °C (2013) auf 5,4 °C (2023) zu verzeichnen. Solche Temperaturveränderungen sind nicht nur Zahlen auf einem Blatt Papier – sie haben direkte Auswirkungen auf die Lebensbedingungen im Wasser.

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Das Projekt Seewandel-Klima untersucht, wie sich diese Wassertemperaturen auf Fische und Wasserpflanzen auswirken. Erste Hinweise zeigen, dass die Trüsche, die kälteres Wasser für die Entwicklung ihrer Eier benötigt, bereits betroffen ist. Höhere Wassertemperaturen könnten die Sterblichkeit von Trüsche-Eiern und -Larven erhöhen. Geringere Fangzahlen sind bereits zu beobachten, und ähnlich könnte es auch den Felchen ergehen, die in wärmeren Oberflächenbereichen jagen.

Der Bodensee, immer ein beliebtes Ausflugsziel, steht vor großen Herausforderungen. Der Klimawandel macht sich bemerkbar, und die Sorgen um das Ökosystem wachsen. Es bleibt zu hoffen, dass die kommenden Jahre nicht nur von steigenden Temperaturen, sondern auch von einem bewussteren Umgang mit diesem wertvollen Lebensraum geprägt sind.