Stuttgart 21: Zwischen Stresstest, Kritik und Forderungen nach einem Kombibahnhof
Heute ist der 23.09.2026 und die Diskussion um das umstrittene Projekt Stuttgart 21 ist nach wie vor ein heißes Eisen. Im April 2011, als die Grün-Rot-Regierung unter Winfried Kretschmann und Nils Schmid gerade frisch aus den Landtagswahlen hervor ging, waren die Koalitionsverhandlungen fast gescheitert. Der Grund? Stuttgart 21. Damals wurde ein Kompromiss zwischen Werner Wölfle von den Grünen und Wolfgang Drexler von der SPD gefunden, der einen Stresstest für das Projekt beschloss. Versprochen wurde vollständige Transparenz – eine Zusage, die in der aktuellen Debatte um Stuttgart 21 wieder auf die Probe gestellt wird.
Nicole Razavi von der CDU erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen. Sie bezeichnet ihn als „Geisterfahrer“ und kritisiert seine Aussagen zu den Kostensteigerungen rund um das Projekt. Dabei basieren ihre Vorwürfe auf alten, widerlegten Zahlen. Die Medien hingegen berichten von positiven Ergebnissen des Stresstests, der von der Schweizer Beratungsfirma SMA erstellt wurde. Es heißt, Stuttgart 21 habe den Stresstest bestanden, was in der Öffentlichkeit für etwas Aufatmen sorgte.
Stresstest und dessen Kritiker
Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker wie Brigitte Dahlbender vom BUND weisen auf angeblich falsche Prämissen hin. Winfried Kretschmann selbst erkennt die Risiken an, die mit einem festgefahrenen Stresstests einhergehen. Es ist ein ständiges Hin und Her, das die Koalitionspartner Grüne und SPD in ihrer Zusammenarbeit belastet. Ein weiterer kritischer Punkt kommt von Werner Stohler, dem ehemaligen SMA-Chef, der seine Zweifel an den Kapazitätswerten des Stresstests äußert. Er distanziert sich sogar von seiner eigenen Untersuchung aus dem Jahr 2011, die bescheinigt hatte, dass der Tiefbahnhof 49 Züge pro Stunde bewältigen könne.
Die SMA selbst steht jedoch weiterhin hinter der Qualität ihrer Auditierung. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer äußert sich skeptisch: Die Aussagen des Stresstests seien nicht plausibel. Palmer glaubt, dass SMA das Testat lediglich gegeben hat, um einen großen Auftraggeber nicht zu verprellen. In einer Zeit, in der die Zweifel am Projekt und an der Zertifizierung durch SMA wachsen, werden Forderungen nach einem Kombibahnhof immer lautstärker. Dieser soll Teile der oberirdischen Gleise im alten Kopfbahnhof erhalten und gleichzeitig den neuen Tiefbahnhof in Betrieb nehmen.
Forderungen nach einem Kombibahnhof
Der BUND Baden-Württemberg sieht sich in seiner Forderung nach einem Kombibahnhof bestätigt und verlangt eine umfassende Ertüchtigung des Kopfbahnhofs. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) schließt sich dieser Forderung an und hebt die Fragilität des Betriebs ohne einen Kombibahnhof hervor. Es wird gefordert, diesen als verbindlichen Bestandteil von Stuttgart 21 einzuplanen. Ein Aktionsbündnis gegen S21 fordert zudem einen runden Tisch mit Bahn, Politik und Zivilgesellschaft, um die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen.
Inmitten all dieser politischen Turbulenzen haben die Grünen und die CDU in Baden-Württemberg nach der Landtagswahl einen neuen Koalitionsvertrag vorgelegt. Unter dem Motto „Aus Verantwortung fürs Land – Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten“ setzen die Koalitionspartner auf eine Politik, die Unternehmergeist, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit fördern soll. Wichtige Vorhaben umfassen die Überprüfung bestehender Transparenz- und Informationspflichten, was in Anbetracht der aktuellen Diskussionen um Stuttgart 21 eine besondere Relevanz hat.
Die Fragen und Herausforderungen rund um Stuttgart 21 bleiben also weiterhin bestehen. Ob die politischen Entscheidungen tatsächlich eine positive Wendung bringen können, wird sich zeigen. Die Menschen in Baden-Württemberg sind gespannt, wie es weitergeht und ob die versprochenen Lösungen auch wirklich umgesetzt werden.
