Uttendorfer Schlossteifen feiern Jubiläum mit Krampuskränzchen und fünf Gastgruppen
In Uttendorf wird es im Dezember laut, rau und ziemlich gesellig: Die Uttendorfer Schlossteifen laden zu ihrem 10-jährigen Jubiläum zum „1. Krampuskränzchen Uttendorf“ ein. Gefeiert wird am Samstag, 12. Dezember 2026, auf dem Zollexpress- beziehungsweise Zoll-Express-Gelände in der Gewerbestraße 27, 5261 Uttendorf, Oberösterreich.
Ab 16:00 Uhr beginnt die Bewirtung. Es gibt Getränke und Essen, eine Kinderzone sowie Parkplätze direkt neben dem Veranstaltungsgelände. Damit ist das Kränzchen ausdrücklich für Besucher jeden Alters gedacht – auch Familien können also dabei sein, ohne dass gleich jeder kleine Gast zwischen den Fellen und Glocken verloren geht.
Fünf Gastgruppen bei der Krampus-Show
Der Laufbeginn beziehungsweise die Krampus-Show ist für 18:00 Uhr angesetzt. Neben den Uttendorfer Schlossteifen nehmen fünf Gastgruppen teil. Wenn die Krampusse mit lautem Glockenlärm losziehen, lange Ruten schwingen und Passanten erschrecken, dürfte es auf dem Gelände ordentlich scheppern.
Veranstalter sind die Uttendorfer Schlossteifen. Der Veranstaltungsort liegt in Uttendorf im Bezirk Braunau; die Gemeinde befindet sich in Oberösterreich. Die Kombination aus Kinderzone, Verpflegung und kurzen Wegen zu den Parkplätzen soll den Besuch unkompliziert machen – wobei ein bisschen Nervenkitzel natürlich dazugehört.
Ein Brauch mit vielen Gesichtern
Quellen zum Krampusbrauch gibt es erst ab dem Ende des 16. Jahrhunderts. Außerhalb der Gegenreformationsgebiete wurde der Krampus vom norddeutsch-protestantischen Knecht Ruprecht verdrängt. Im alemannisch-protestantischen Raum vermischten sich beide Gestalten vermutlich, weil sie auf eine gemeinsame italienische Figur des 16. Jahrhunderts zurückgehen.
Hinter der Gestalt steht die Vorstellung, dass der Teufel die Seelen der Sünder verschlang. Gerade im harten Winter galt das Böse als besonders stark und wurde entsprechend drastisch dargestellt. Der Einkehrbrauch entwickelte sich offenbar erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts aus den Klosterschulen und dem Kinderbischofsfest: Nikolaus prüft und beschenkt die braven Kinder, während Schreckgestalten, Teufel und Tiermasken wie die Habergeiß ihn begleiten. Unartige Kinder werden vom Krampus bestraft.
In der Gegenreformationszeit entstanden Stubenspiele, die unter anderem noch in Bad Mitterndorf, Tauplitz und Pichl-Kainisch im Salzkammergut, im Salzburgerland und in Tirol bestehen. Seit dieser Zeit bildeten sich Krampuspassen parallel zum Perchtenlauf. Am Perchtenlauf durften ursprünglich nur wehrfähige, unverheiratete Männer des Dorfes teilnehmen; seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Veranstaltung wieder öffentlich.
Vom Glockenlärm bis zum „Tischziehen“
Krampusumzüge gibt es im Ostalpenraum, im südlichen Bayern und in der Oberpfalz, in Österreich, in Teilen Liechtensteins sowie in Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Tschechien. Auch in Teilen Italiens und Kroatiens wird der Brauch gepflegt. Beim Tiroler „Tuifltratzen“ beziehungsweise bairischen „Kramperltratzn“ versuchen Kinder, Krampusse zu reizen, ohne erwischt oder geschlagen zu werden. In Teilen Österreichs heißt dieser Brauch „Kramperlstauben“.
Der Krampustag fällt auf den 5. Dezember, den Vorabend des Nikolaustags am 6. Dezember. Krampus und Nikolaus treten üblicherweise gemeinsam am Abend des 5. Dezember auf, teilweise auch am 6. Dezember. Zu den größten Umzügen mit mehr als 1.000 Krampussen zählten 2008 der jährlich am 6. Dezember stattfindende Krampuslauf in St. Johann im Pongau und der größte Krampuslauf Österreichs in Klagenfurt, der sich über 1,5 Kilometer erstreckt.
Regional geht es oft sehr unterschiedlich zu. In Kärnten gehören Feuerwerk, Fackeln und Feuerspucker zu Schauläufen, im Salzburgerland werden Schaulustige teilweise mit Ruten geneckt. In Osttirol gibt es neben dem Umzug den traditionellen Krampuswurf: Ein Krampus und ein freiwilliger „Raufbold“ treten mit einer an das Ranggeln angelehnten Wurftechnik gegeneinander an. Dafür gibt es eigene Zonen, das Publikum bleibt hinter Absperrungen.
Beim osttirolerischen „Tischziehen“ halten freiwillige Männer hinter einem schweren Holztisch dagegen, während Krampusse versuchen, ihn umzuwerfen oder vom Startpunkt wegzuziehen. Die Wettkämpfe werden rundenweise entschieden; Männer und Krampusgruppen wechseln sich ab. Im Defereggental begleiten am 5. Dezember neben Nikolaus und Krampus außerdem Bajazzo, Lotter und Litterin als Bettler, ein Brautpaar mit Spielmann, Arzt, Polizist, Bürgermeister und Feuerwehrmann den Brauch. Auch der Tod tritt auf – als Hinweis auf die Vergänglichkeit des Lebens.
Von Gankerl bis Schmutzli
Im südlichen Berchtesgadener Land gibt es zwei Krampusformen: fellbekleidete „Kramperl“ und beweglichere „Gankerl“ beziehungsweise „Ganggerl“ mit Hosen ohne Fell und kleineren Glocken. Die Gankerl begleiten besonders die mit den Perchten-Glöcklern verwandten, vollständig in Stroh eingebundenen „Buttnmandl“.
Im Gasteinertal sind am 5. und 6. Dezember jährlich 80 bis mehr als 100 Passen unterwegs. Zu ihnen gehören Krampus, Engel, Buttnmandl beziehungsweise Kerblträger und Nikolaus; unterschieden werden sie durch die Farben ihrer Gewänder. Am 5. Dezember ziehen sie in den Ortszentren von Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein von Haus zu Haus, am 6. Dezember besuchen sie ländliche Gebiete.
Der Nikolaus, gegebenenfalls begleitet vom Engel und dem Körbelträger, betritt die Stube. Brave Bewohner werden belohnt, danach erhalten die Krampusse Einlass und bestrafen die „Schlimmen“. Treffen zwei Passen aufeinander, kreuzen die Nikoläuse ihre Bischofsstäbe, Engel und Körbelträger begrüßen sich, und die beiden Vorteufel rempeln sich gegenseitig an. Erst danach dürfen auch die übrigen Krampusse rempeln. Zum Schluss wünschen sich die Passen ein gutes Weitergehen und die Treue zum alten Brauch. Zu den Veranstaltungen im Gasteinertal kommen jährlich zahlreiche Einheimische und Gäste.
Im alemannischen Alpenraum, etwa im Allgäu und in der Schweiz, gibt es mit dem Klausentreiben einen ähnlichen Brauch mit anderen Figuren. Funktional ähnelt der Krampus dem nord- und westdeutschen Knecht Ruprecht: Dieser tritt meist allein auf, Krampusse erscheinen gewöhnlich in größeren Gruppen. In Schwaben begleitet der Pelznickel den Gabenbringer. In der Schweiz steht der Schmutzli neben dem Nikolaus, bestraft unartige Kinder, trägt einen Sack und statt Kuh- oder Balkenglocken einen Schellengurt.
Äußerlich erinnert der Krampus an den Teufel sowie an mythische und tierische Gestalten der alpenländischen Schiechperchten. Anders als die Schiechperchten, die in den Rauhnächten auftreten, gehören Krampusse ausschließlich zum Adventsbrauchtum. Im skandinavischen Raum gibt es ähnliche Gestalten zwischen Weihnachten und Silvester; der entsprechende Brauch heißt „Julebukklaufen“ und war in Norwegen mindestens bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet.
