In der beschaulichen Region Burgenland hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Wer die Kindheit in den 1970er Jahren dort verbracht hat, erinnert sich vielleicht noch an eine Zeit ohne Hochschaubahn und überlaufene Freizeitparks. Stattdessen war der „Familypark“ in St. Margarethen damals noch als „Märchenwald“ bekannt, und der „Götterblitz“ war noch nicht einmal in Planung. Was jedoch immer schon beeindruckte, waren die Passionsspiele, die im Steinbruch von St. Margarethen aufgeführt wurden. An diese leidenschaftlichen und authentischen Darstellungen erinnert sich besonders die ältere Generation, die sie oft mit ihren Großeltern besucht hat. Die eindrucksvolle Naturkulisse des Steinbruchs, umgeben von historischen Fossilien und Kalksandstein, schuf eine Atmosphäre, die man so schnell nicht vergisst.

In diesem Jahr ist es besonders aufregend, denn die Passionsspiele feiern ihr 100-jähriges Bestehen! Am kommenden Samstag geht es los, und bis zum 12. Juli stehen zahlreiche Aufführungen auf dem Programm. Hunderte Laiendarsteller aus der Umgebung bringen die Geschichte lebendig zum Leben, und das neu inszenierte Stück legt den Fokus auf Maria Magdalena. Die Aufführungen finden jeden Samstag, Sonntag und am Donnerstag, dem 4. Juni (Fronleichnam), statt, was genug Gelegenheiten bietet, sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Eine lange Tradition

Die Wurzeln der Passionsspiele in St. Margarethen reichen bis ins Jahr 1926 zurück. Ursprünglich wurden die Aufführungen in einem kleinen Bauernhaus veranstaltet, doch der Andrang war so groß, dass bald das Pfarrgemeindehaus als neuer Spielort herhalten musste. Viele Besucherinnen und Besucher mussten damals abgewiesen werden – ein klares Zeichen dafür, wie sehr die Menschen an dieser Tradition hingen. Die Einladung nach Mariazell im Jahr 1957, wo die Passion eine Woche lang täglich aufgeführt wurde, war ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Passionsspiele. Ab 1961 fanden die Aufführungen schließlich auf der beeindruckenden Ruffinibühne statt, angeregt durch den Künstler Karl Prantl.

Alle fünf Jahre versammeln sich bis zu 600 Mitwirkende aus der Umgebung, um die Passionsgeschichte neu zu erzählen. Dabei sind die Schauspieler:innen allesamt Laien aus verschiedenen Alters- und Berufsschichten – ein bunt gemischtes Ensemble, das das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit zur Region spürbar macht. In 2026, wenn das 100-jährige Bestehen gefeiert wird, wird die Passionsgeschichte erstmals aus weiblicher Perspektive erzählt. Der Titel „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ verspricht eine spannende neue Sichtweise, die von Spielleiter Pfarrer Dr. Richard Geier verfasst wurde. Hier berichtet Maria Magdalena 20 Jahre nach den Ereignissen vom Wirken Jesu und reflektiert ihre Erinnerungen im Gespräch mit anderen biblischen Figuren.

Die Passionsspiele sind nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch ein wesentlicher Teil der Geschichte des Steinbruchs und des gesamten Burgenlandes. Wer sich für Historie interessiert, findet in dem historischen Roman „Im Schatten der Kraniche“ von Bernadette Németh eine generationenübergreifende Erzählung über den Steinbruch und St. Margarethen.

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Die Vorfreude auf die bevorstehenden Aufführungen ist spürbar, und es wird sicher ein unvergessliches Erlebnis für alle Besucher:innen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Passionsspiele nicht entgehen lassen – ein Stück lebendige Geschichte, das inmitten einer beeindruckenden Naturkulisse zum Leben erweckt wird.