In Großpetersdorf, im malerischen Burgenland, gab es am vergangenen Wochenende eine alarmierende Entdeckung: erhöhte Asbestwerte in der Luft. Das hat nicht nur besorgte Bürger aufgeschreckt, sondern auch Greenpeace auf den Plan gerufen. Die Organisation fordert nun die burgenländische Landesregierung auf, endlich alle Messwerte offenzulegen, die bislang im Verborgenen bleiben. Der gemessene Asbestwert in Großpetersdorf bleibt ein Geheimnis, und das sorgt für zusätzliche Unruhe.
Herwig Schuster, ein Umweltchemiker von Greenpeace, äußert ernsthafte Bedenken. Er spricht von möglichen Asbestwerten, die über 10.000 Fasern pro Kubikmeter liegen könnten. Das klingt wie ein schlechter Film, aber hier geht es um die Gesundheit der Menschen. Schuster kritisiert die mangelnde Aufklärung und Kommunikation der burgenländischen Landesregierung zu diesem Asbest-Skandal, der schon seit geraumer Zeit rumort. Im Gegensatz dazu wurde in Ungarn alles transparent gemacht, und Maßnahmen wurden ergriffen.
Transparenz und der Ruf nach Maßnahmen
Wie sieht es überhaupt mit der systematischen Untersuchung der potenziell betroffenen Flächen im Burgenland aus? Das bleibt unklar. Greenpeace hat zudem vor einer hohen Asbestbelastung auf mindestens sieben weiteren Schotterstraßen und Flächen gewarnt. Es ist nicht nur eine Frage der Messwerte, sondern auch eine der Verantwortung. Schuster appelliert an die Regierung, die Gesundheit der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Maßnahmen zu ergreifen.
Doch das ist nicht die einzige Besorgnis. Die Luftmessungen, die von einer Taskforce zur Asbestbelastung durchgeführt wurden, stehen ebenfalls in der Kritik. Stefan Stadler von Greenpeace bemängelt, dass entscheidende Daten fehlen. Ein besorgniserregendes Ergebnis kam von der Klinik Oberwart, wo 830 Asbestfasern pro Kubikmeter festgestellt wurden – ein Wert, der einen wirklich nachdenklich macht. Die Messungen fanden unter Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit und nassem Boden statt, was die Ergebnisse möglicherweise beeinflusst hat.
Zu hohe Richtwerte und fehlender Schutz
Die Richtwerte der Taskforce, die bis zu 1.000 Fasern pro Kubikmeter erlauben, werden von Greenpeace als viel zu hoch kritisiert. Stattdessen wird eine Reduktion auf 500 Fasern pro Kubikmeter gefordert. Und das nicht ohne Grund! Es gibt auch Unklarheiten über die Arten von Asbestfasern, die sich in ihrer Gefährlichkeit stark unterscheiden können. Asbest ist seit 1990 in Österreich verboten, doch die Folgen sind nach wie vor spürbar. Die Zahl der Asbest-Erkrankungen in Österreich ist nicht rückläufig. In Deutschland sterben schätzungsweise 15.000 Menschen jährlich an den Folgen von Asbest.
Dokumentierte Asbestfunde im Burgenland betreffen nicht nur Schotter und Straßen, sondern auch Materialien aus vier Serpentinit-Steinbrüchen, die wegen hoher Asbestwerte geschlossen wurden. Der Leiter des Bremer Umweltinstituts bezeichnete es als „fast schon kriminell“, Asbest im Burgenland im Schotter zu finden. Es ist ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko, das Krebserkrankungen und Asbestose verursachen kann. Besonders lungengängige Fasern sind eine dauerhafte Gefahr.
Forschung und Sicherheitsrichtlinien
Die Herausforderungen im Umgang mit Asbest sind vielseitig. Die etablierten Verfahren zur Bestimmung der Asbestfaserkonzentration wurden überarbeitet, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Die Anpassungen beruhen auf Richtlinien, die von der WHO empfohlen wurden. Die Methoden zur Bestimmung von lungengängigen Fasern sind präzise, aber es bleibt eine Herausforderung, die Sicherheit im Umgang mit Asbest in der Bau- und Renovierungsbranche zu gewährleisten. Das Thema ist also alles andere als abgeschlossen, und es wird sicherlich noch viel Diskussion darüber geben.
Die Asbestproblematik im Burgenland ist daher nicht nur ein lokales, sondern auch ein überregionales Thema, das die Gesundheit vieler Menschen betrifft. Es bleibt zu hoffen, dass Transparenz und ernsthafte Maßnahmen bald auf den Tisch kommen.