In der kleinen Stadt Eisenstadt hat die Dokumentarfilmerin Jasmin Thoma einen bemerkenswerten Film über die psychischen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine gedreht. Für ihren ersten Dokumentarfilm reiste sie in das krisengeschüttelte Land, um die Geschichten der Menschen dort einzufangen. Der Titel des Films, „Asking Ukrainians – What war really does to people“, ist Programm. Thoma möchte einen Einblick in die seelischen Qualen geben, die der Krieg hinterlässt.

Die Idee für dieses Projekt entstand während des Winters, als die Ukraine unter heftigen Angriffen und ständigen Blackouts litt. Thoma folgte Ukrainerinnen und Ukrainern auf Social Media und las deren Berichte über die immensen Belastungen, die sie erleiden mussten. Viele von ihnen kritisierten, dass die oft gepriesene Resilienz der Bevölkerung die tatsächlichen Leiden überschatte. Um das zu zeigen, informierte sie ihre Familie erst kurz vor ihrer Abreise über ihren Plan. Es war ihr wichtig, direkt mit den Betroffenen zu sprechen und deren Geschichten im Film festzuhalten.

Emotionaler Aufenthalt in der Ukraine

Der Aufenthalt in der Ukraine war alles andere als einfach. Die größte Herausforderung bestand darin, Interviewpartner zu finden und zugleich mit dem emotionalen Leid umzugehen, das sie erlebte. Ein Übersetzer half ihr, eine diverse Gruppe von Menschen auszuwählen, die bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen. Besonders bewegend war ein Interview mit einer Frau, die ihren Mann verloren hatte und deren Sohn in Gefangenschaft war. Man kann sich kaum vorstellen, was es bedeutet, in einem Land zu sein, in dem Raketenalarme zur Tagesordnung gehören. Thoma erlebte mehrere dieser Alarmierungen während ihres Aufenthalts, was ihr die Realität des Konflikts nochmals vor Augen führte.

Obwohl die Reise ihre emotionale Wahrnehmung des Krieges veränderte, blieben ihre Meinungen zu den politischen Umständen unverändert. Die meisten ihrer Interviewpartner waren offen für Gespräche über ihre psychischen Belastungen. Thoma hofft, dass ihr Film dazu beiträgt, ein besseres Verständnis für die Menschen in der Ukraine zu schaffen und die Zuschauer motiviert, die Betroffenen zu unterstützen. Zukünftige dokumentarische Projekte hat sie bereits im Kopf, jedoch plant sie derzeit nichts Konkretes.

Psychische Gesundheit in der Ukraine

Die psychische Gesundheit der Bevölkerung in der Ukraine ist ein ernstes Thema. Verschiedene Ministerien und Behörden bieten Unterstützung an, darunter das Gesundheitsministerium und das Ministerium für Sozialpolitik. Insgesamt verwaltet das Gesundheitsministerium 61 psychiatrische Kliniken und 22 ambulante Stationen. Doch das System leidet unter starker Stigmatisierung und unzureichender Finanzierung. Die russische Invasion, die im Februar 2022 begann, hat die Situation noch verschärft. Viele Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen – Schätzungen zufolge sind etwa 32 Millionen Menschen in der Ukraine direkt oder indirekt vom Krieg betroffen.

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Die Zahlen sind alarmierend: Stand 1. Januar 2023 waren 170.687 Menschen in psychiatrischer Behandlung. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen liegt bei etwa 4 % der Bevölkerung. Militärangehörige zeigen besonders hohe Raten von Angstzuständen und Depressionen. Die WHO schätzt, dass jede:r Vierte Ukrainer:in dem Risiko ausgesetzt ist, an psychischen Störungen zu leiden. Es gibt Berichte über Flüchtende, die in Deutschland von erhöhten psychischen Störungen berichten, während Binnengeflüchtete ähnliche Symptome zeigen.

Die Herausforderungen sind enorm. Landminen, die Rückkehr von Kriegsgefangenen und weitreichende Zerstörungen sind nur einige der Probleme, mit denen die Gesellschaft konfrontiert ist. Im Juni 2022 wurde ein Allukrainisches Programm für psychische Gesundheit ins Leben gerufen, um die seelische Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, doch die Herausforderungen bleiben bestehen.

Die Geschichten, die Jasmin Thoma in ihrem Film erzählt, sind nicht nur persönliche Schicksale, sie spiegeln das kollektive Trauma wider, das die Ukraine geprägt hat. Es bleibt zu hoffen, dass ihre Arbeit nicht nur das Bewusstsein für die psychischen Belastungen schärft, sondern auch zur Unterstützung der Menschen in der Ukraine beiträgt. Weitere Informationen zu ihrer Arbeit können auf der Webseite meinbezirk.at nachgelesen werden.

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